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913. Und über Seine Tora sinnt er nach

„An der Tora des Ewigen hat er Gefallen, und über Seine Tora sinnt er nach“ usw. Unsere Weisen erklärten: Hier ist die Zeit vor dem Lernen gemeint, und dort die Zeit nach dem Lernen. Es ist zu fragen: Warum heißt es bei der Tora des Schöpfers gerade „hat er Gefallen“?

Um dies im Sinne der ethischen Lehre zu verstehen, müssen wir betrachten, was wir in der Wirklichkeit bei Schülern religiöser Lehrhäuser sehen, die Tag und Nacht lernen: Was zwingt sie dazu, Tora zu lernen?

Wir sehen dafür viele Gründe:

1) Gleich zu Beginn seines Lernens besteht der erste Grund darin, dass sein Vater ihn zwingt, alle Mühe aufzubringen und sich mit Tora und Mizwot zu beschäftigen. Wenn er nicht auf ihn hört, bestraft er ihn; der Vater ist also derjenige, der ihn dazu verpflichtet. Folglich beschäftigt er sich mit Tora und Mizwot nicht um des Schöpfers willen, sondern nur um seines Vaters willen.

2) Wenn er älter geworden ist und sich bereits daran gewöhnt hat, zur Schule zu gehen, zwingt ihn der Lehrer, also der Rav oder der Aufseher. Wenn er nicht auf sie hört, bestrafen sie ihn.

3) Wenn er erwachsen wird und über sein künftiges Leben nachzudenken beginnt, erkennt er: Wenn er kein Tora-Gelehrter (Talmid Chacham) wird, wird es ihm schwerfallen, eine passende Frau zu finden oder eine angesehene Stellung unter den Menschen zu erlangen, sodass sie ihm die Ehre erweisen, die sie Menschen erweisen, die Tora lernen. Auch hier sind es nur Menschen wie er selbst, die ihn dazu bringen, sich mit Tora und Mizwot zu beschäftigen.

Daraus folgt, dass er nicht die Tora des Schöpfers lernt, sondern die Tora der Geschöpfe. Anders gesagt: Selbst wenn diese Tora, die er lernt, nicht die Tora des Schöpfers wäre, müsste er sie dennoch befolgen, denn die oben genannten Personen zwingen ihn dazu; andernfalls bestrafen sie ihn.

Doch „aus lo liShma (nicht um des Gebens willen) gelangt man zu liShma (um des Gebens willen)“. Wenn er daher vernünftig ist und sich Rechenschaft darüber ablegt, was er hier in unserer Welt tut, beginnt er zu glauben, dass der Palast einen Lenker hat. Dann glaubt er, dass die Tora, die er lernt, die Tora des Schöpfers ist, und kann erfüllen: „An der Tora des Ewigen hat er Gefallen“ – an der Tora des Schöpfers und nicht an der Tora der Geschöpfe.

Dann erfüllt er die Tora als Mizwa und nicht als Tora. „Mizwa“ bezeichnet den Glauben, und „Tora“ bezeichnet ein Geschenk. Eine Mizwa, die den Glauben bezeichnet, gilt als Gerechtigkeit (Zedaka), wie geschrieben steht: „Und er glaubte an den Ewigen, und Er rechnete es ihm als Gerechtigkeit an.“

Der Grund, weshalb der Glaube Gerechtigkeit heißt, ist folgender: Gewöhnlich sehen wir, dass ein Mensch eine Handlung, an der er an sich keine Freude hat, nur gegen eine Gegenleistung ausführen kann – gegen Ehre, Geld oder Ähnliches.

Führt er die Handlung aus, ohne Lohn zu erhalten, heißt dies Gerechtigkeit, weil er keine Gegenleistung bekommt. Da Glaube gerade in der Zeit der Verhüllung möglich ist und der Mensch dann keine Freude an dieser Handlung hat, wird der Glaube Gerechtigkeit genannt. Bei einem Geschenk ist es anders: Da genießt er die Handlung selbst, das heißt, er freut sich über das Geschenk, das er erhält. Freut er sich nicht über das Geschenk, gilt es nicht als Geschenk.

Da die Tora ein Geschenk genannt wird, wie geschrieben steht: „Und von Matana nach Nachliel“, muss man wissen: Nur wenn er sich an der Tora erfreut, wird sie Geschenk genannt. Wenn er dagegen noch nicht damit belohnt wurde, die Süße der Tora zu schmecken, wenn sich also der Vers „kostbarer als Gold und viel Feingold und süßer als Honig und Honigseim“ bei ihm noch nicht erfüllt hat, kann man nicht sagen, dass die Tora für ihn ein Geschenk ist.

Vielmehr wartet er, während er sich mit der Tora beschäftigt, auf eine Gegenleistung für seine Mühe in der Tora. Dann gilt die Tora als Mizwa. Beschäftigt er sich also mit der Tora, ohne eine Belohnung empfangen zu wollen, gilt sie für ihn als Gerechtigkeit. Das bedeutet, dass er nur in der Form einer Mizwa lernt, die Glaube heißt.

Wir sehen: Damit beim Schenken die Freude vollkommen ist – sowohl aufseiten des Gebers als auch aufseiten des Empfängers –, müssen zwei Dinge gegeben sein:

1) Der Geber muss den Empfänger so hoch schätzen, dass er ein derart großes Geschenk verdient. Ist der Empfänger ein bedeutender Mensch, gibt er ihm ein bedeutendes, wertvolles Geschenk. Ist er ihm nicht so wichtig, wird er nicht viel Geld ausgeben, um ihm ein Geschenk zu machen.

2) Aufseiten des Empfängers kann sich dieser nur entsprechend dem Maß über das Geschenk freuen, in dem er es benötigt; dabei spielt es keine Rolle, wie viel das Geschenk kostet.

Manchmal sehen wir bei einem Jungen, der seine Bar Mizwa feiert, dass es üblich ist, ihm Geschenke zu machen. Braucht er einen bestimmten Gegenstand jedoch nicht besonders, bereitet ihm dieser nicht nur keine Freude, sondern es ist ihm sogar unangenehm, das Geschenk annehmen zu müssen.

Das liegt allein daran, dass er das Geschenk nicht braucht. Schenkt ihm etwa ein Onkel eine goldene Uhr im Wert von hundert Pfund, freut er sich gewiss über die Uhr, weil sie viel Geld kostet. Gewöhnlich schenkt man Dinge im Wert von fünf, zehn oder zwanzig Pfund.

Wenn er ihm also ein Geschenk im Wert von hundert Pfund macht, freut er sich gewiss sehr. Danach kommt jedoch ein weiterer Onkel und schenkt ihm ebenfalls eine Uhr im Wert von hundert Pfund. Nun freut er sich nicht mehr so sehr, denn was soll er mit zwei Uhren anfangen? Eine Uhr zu verkaufen, schickt sich nicht: Es wäre unschön, ein Geschenk zu verkaufen, das ihm ein Freund gegeben hat. Es soll ihn daran erinnern, dass er einen Freund hat, und dieser hat es ihm nicht in der Absicht geschenkt, dass er es verkauft.

Daher empfindet er Unbehagen. Doch noch ist es nicht so schlimm: Er kann eine Uhr am rechten und eine am linken Arm tragen. Kommt ein weiterer Onkel und schenkt ihm ebenfalls eine Uhr, ärgert er sich bereits, weil er nicht weiß, was er mit der dritten Uhr anfangen soll. Dennoch findet er eine Lösung: Er wird sie am Schabbat tragen.

Kommt aber ein vierter Onkel und schenkt ihm eine Uhr, ist er völlig verwirrt und weiß nicht, was er tun soll. Schließlich ist sie hundert Pfund wert; er hätte sich an einem anderen Gegenstand im Wert von hundert Pfund erfreuen können, doch nun kann er sich nicht daran erfreuen.

So ist er derart aufgewühlt, dass er nicht weiß, was er tun soll. Er verliert sich in seiner Vorstellung, bis er vergisst, dass er gerade auf einer Feier unter angesehenen Gästen sitzt, die gekommen sind, um ihn zu ehren und seine Freude zu teilen. Er ist innerlich nicht mehr bei ihnen, sondern versinkt in schmerzlichem Kummer. Und all dies nur, weil er die erhaltenen Geschenke nicht benötigt.

Wir sehen also: Ein Mensch kann sich über ein wertvolles Geschenk nicht freuen, wenn er den betreffenden Gegenstand nicht benötigt.

Hier sehen wir zwei Dinge:

1) Aufseiten des Gebers ist ein wertvolles Geschenk für das Gebetshaus nicht nur hundert Pfund wert, sondern weit mehr, denn er kennt den Wert der Gemeinschaft, der man ein kostbares Geschenk geben muss.

2) Auch die Empfänger des Geschenks benötigen eine Tora-Rolle. Man kann nicht sagen, es gebe bereits genügend Tora-Rollen, denn jede Tora-Rolle im Gebetshaus vermehrt die Heiligkeit (Kedusha), lässt eine höhere Inspiration ruhen, verleiht der Ausrichtung zusätzliche Kraft und Herrlichkeit, schützt vor Unglück und schenkt Leben, Frieden, Reichtum und Ehre.

„Vermögen und Reichtum sind in seinem Haus, und seine Gerechtigkeit besteht für immer.“ Rav Huna und Rav Chisda: Einer sagte, dies sei derjenige, der Tora lernt und sie lehrt; der andere sagte, dies sei derjenige, der eine Bibel schreibt und sie anderen leiht.1

Hier sehen wir, dass wir diese beiden Dinge eingerichtet haben: das Lehrhaus, das demjenigen entspricht, der Tora lernt und sie lehrt, und nun auch das Einbringen einer Tora-Rolle, das als „eine Bibel schreiben und sie anderen leihen“ bezeichnet wird. Er verleiht sie jedoch nicht, sondern schenkt sie den Bewohnern des Viertels. Gewiss wird sich erfüllen: „Vermögen und Reichtum sind in seinem Haus, und seine Gerechtigkeit besteht für immer.“

Es ist zu fragen:

1) Welches Lob fügt der Satz „seine Gerechtigkeit besteht für immer“ zu „Vermögen und Reichtum“ hinzu? Dem Menschen würde genügen, wenn man ihm für seine Mühe Vermögen und Reichtum gäbe. Wozu braucht er seine Gerechtigkeit, und was gewinnt er dadurch, dass sie für immer besteht?

2) Worin besteht der Streit zwischen Rav Huna und Rav Chisda?

Bekanntlich besteht der Weg der spirituellen Arbeit darin, die Vollkommenheit des Ziels zu erreichen, für das der Mensch erschaffen wurde. Dieses Ziel heißt „Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“: Der Mensch soll alle höheren Genüsse empfangen.

Damit er dieses Ziel erreichen kann, muss ihm jedoch zunächst die Korrektur der Schöpfung (Tikkun haBeria) vorausgehen, die liShma heißt. Das bedeutet: Alle Genüsse, die er zu empfangen gedenkt, will er nur empfangen, weil der Schöpfer dies wünscht. Dadurch wird der Makel des Brotes der Schande (Nahama deKisufa) korrigiert. Erst wenn der Mensch sich so korrigiert, dass seine Absicht nur darin besteht, um des Himmels willen zu geben, wird alles zum Ende der Korrektur (Gmar Tikun) gelangen.

Damit der Mensch zu liShma gelangt – also nicht arbeitet, um eine Belohnung zu empfangen –, wurde ihm die Arbeit im Glauben gegeben, denn nur dann ist eine Wahl möglich. Obwohl er in der Arbeit keinen Genuss sieht oder empfindet, arbeitet er dennoch aufgrund der Mizwa.

Würde er dagegen Geschmack an Tora und Mizwot empfinden, hätte er keinerlei Möglichkeit, ohne Belohnung zu arbeiten. Denn es gibt keinen größeren Lohn als den Geschmack und die innere Erhebung, die er in seiner Arbeit empfindet.

Nur wenn der Glaube das Fundament seiner Arbeit bildet, ist Wahl möglich. Dann kann man sagen, dass er liShma arbeitet, also aufgrund der Mizwa des Schöpfers. Wenn seine Arbeit liShma ist, erfüllt sich an ihm der Ausspruch von Rabbi Meir, dass er „mit vielen Dingen belohnt wird“.

Dann muss er seine Arbeit erneut so ausrichten, dass sie in der Form des Glaubens geschieht, der in der Sprache des Sulam (Leiter-Kommentar) „Mittlere Linie“ heißt. Nur dadurch wird er davor bewahrt, wegen der vielen Genüsse, die er durch die Enthüllung der Geheimnisse der Tora empfängt und mit denen er durch das Lernen liShma belohnt wird, in den eigenen Genuss zu fallen.

Bekanntlich heißt Glaube Gerechtigkeit, und der Verstand der Tora heißt Reichtum, wie unsere Weisen sagten: „Arm ist nur, wer arm an Verstand ist.“ So verstehen wir den Vers: „Vermögen und Reichtum sind in seinem Haus, und seine Gerechtigkeit besteht für immer.“ Wer bereits mit Vermögen und Reichtum, also mit dem Verstand der Tora, belohnt wurde, braucht den Glauben, der Gerechtigkeit heißt, damit dieser Reichtum bei ihm bestehen bleibt.

Damit seine Weisheit bestehen bleibt, muss er sich daher bemühen, den Glauben stets zu erneuern. Deshalb braucht er den Segen, dass seine Gerechtigkeit, also der Glaube, für immer besteht – dass er immer Glauben besitzt, damit der Reichtum bestehen bleibt.

Ich schließe meinen Brief mit dem, was ich heute früh vor den Schülern gesagt habe. In der Megilla finden wir: „Nach diesen Begebenheiten erhob der König Haman.“ Nach dem einfachen Wortsinn ist dies schwer zu verstehen. Nach der guten Tat, die Mordechai für den König vollbracht hatte, hätte der König doch Mordechai und nicht Haman erhöhen müssen.

Dies lässt sich im Sinne der ethischen Lehre so erklären: Nachdem der Mensch durch seine Beschäftigung mit Tora und Mizwot etwas getan hat, lässt der Schöpfer das Böse im Menschen, das „Haman“ heißt, größer werden. Der Schöpfer zeigt ihm also die Wahrheit: Das Böse in seinem Inneren hindert ihn daran, alle spirituellen Genüsse zu empfangen.

Denn wenn der Mensch den guten Weg ginge, wenn seine Absicht also nur darin bestünde, seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten, wäre er aller höheren Dinge würdig. Dies heißt „der Weg des Judentums“.

Solange der Mensch das wahre Gesicht seines Bösen, also die Gestalt Hamans, nicht erkennen kann, kann er nicht zum Schöpfer beten, Er möge ihm helfen, sich vor dem Bösen zu retten.

Erst wenn der Mensch die Größe Hamans sieht, der alle Juden töten und vernichten will usw. – wenn er also sieht, dass Haman alles zerstören will, was mit dem Judentum verbunden ist, und ihn nichts in der Heiligkeit tun lässt –, kann er ein wahres Gebet (Tefilla) sprechen. Dann erfüllt sich: „Der Schöpfer hilft ihm.“ Daher sind nun das Fasten und ihr Schreien möglich: Sie beten zum Schöpfer, Er möge sie vor diesem bösen Haman retten.

Wenn der Schöpfer ihm hilft, fragt Er Haman: „Was soll man mit dem Mann tun, den der König ehren möchte?“ Haman denkt: „Wen sollte der König lieber ehren wollen als mich?“ Alles Böse geht nämlich aus dem Verlangen zu empfangen (Razon lekabel) hervor – wie in der Einführung zum Sulam-Kommentar zum Sohar geschrieben steht –, und dieses Verlangen ist Haman im Menschen. Es behauptet, der Schöpfer wolle Seinen Geschöpfen Gutes tun; daher gehörten alle Genüsse dem Verlangen zu empfangen.

Doch der Schöpfer sagte: „Und tu dies Mordechai, dem Juden.“ Würde man den Guten Trieb, der „Mordechai, der Jude“ heißt, fragen, ob er etwas will, würde er antworten: Sein ganzes Verlangen besteht nur darin, dem Schöpfer zu geben; für sich selbst braucht er nichts.

Deshalb fragte der Schöpfer Haman, denn dieser will alle Genüsse empfangen, die es in der Wirklichkeit gibt. Dann sagte der Schöpfer: Alle Genüsse müssen Mordechai gegeben werden. Das bedeutet, dass der Mensch alle Genüsse nur empfängt, um seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten.

Dies nannte mein Vater und Lehrer: „die Lichter Hamans in den Gefäßen Mordechais.“ Das bedeutet, alle Genüsse ausschließlich mit der Absicht um des Himmels willen zu empfangen.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026


  1. Ketubot 50. ↩