890. Das Leid der Shechina – 2
„Wegen der Sünde, die wir vor Dir mit dem Bösen Trieb (Jezer haRa) begangen haben“ (Gebet (Tefilla) zu Jom Kippur).
Man muss fragen: Kommen nicht alle Verfehlungen durch den Bösen Trieb? Die Sünde besteht vielmehr darin, dass man sagt, es gibt einen Bösen Trieb. Doch „es gibt nichts außer Ihm“. Denn wenn der Mensch unwürdig ist, wird er von oben hinabgeworfen. Dies geschieht durch die Einkleidung in das Verlangen zu empfangen (Razon lekabel), das „Böser Trieb“ genannt wird.
Das bedeutet: „Denn der Trieb im Herzen des Menschen ist böse von seiner Jugend an.“ Der Schöpfer hat ihn so erschaffen, denn das Verlangen zu empfangen ist das wesentliche Kli (Gefäß); man muss es jedoch korrigieren. So lässt sich auch die Schriftstelle „Und Er betrübte Sich in Seinem Herzen“ deuten. Denn der Mensch spürt, dass es ihn traurig macht, wenn er dem Trieb folgt. Das nennt man das Leid der Shechina.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026