875. Drei Linien – 4
Korach 1984
„Welche Auseinandersetzung geschieht um des Himmels willen? … Und welche geschieht nicht um des Himmels willen? Das ist die Auseinandersetzung Korachs und seiner Gemeinschaft.“ Es wird gefragt: Warum heißt es nicht „Moses sowie Korach und seine Gemeinschaft“, wie es bei Hillel und Shammai heißt?
Um dies zu verstehen, müssen wir wissen, was „um des Himmels willen“ bedeutet. Der heilige Sohar erklärt, dass damit Seir Anpin gemeint ist. Im Sulam (Leiter-Kommentar) wird erläutert: Die Auseinandersetzung zwischen Shammai und Hillel betrifft die rechte und die Linke Linie. Die Rechte Linie allein ist nicht vollkommen, denn sie enthält keine Chochma. Auch die Linke Linie ist nicht vollkommen. Zwar enthält sie Chochma, doch es fehlen ihr Chassadim, die Chochma einkleiden; ohne diese Einkleidung befindet sie sich in Finsternis. In der Auseinandersetzung zeigt jeder dem anderen, dass seine Linie nicht vollkommen ist, und weist ihn auf deren Mangel hin. Dadurch werden die beiden Linien ineinander eingeschlossen und gelangen gemeinsam zur Mittleren Linie. Sie heißt Seir Anpin und ist die Mittlere Linie in den Parzufim. Seir Anpin wird „Name des Himmels“ genannt. Daraus folgt: Ohne die Auseinandersetzung wäre jeder in seiner eigenen Linie geblieben. Daher fand sie statt, um zum „Namen des Himmels“ zu gelangen.
Korach und seine Gemeinschaft hingegen gingen auf der Linken Linie und wollten dort bleiben, also in Chochma ohne Chassadim. Sie wollten das Ziel – Seinen Geschöpfen Gutes zu tun – ohne die Einkleidung von Chassadim. Darauf beziehen sich die Worte unserer Weisen: „Korach war klug.“ Wie oben erklärt, wollten sie auf der Linken Linie bleiben, in Chochma ohne Chassadim. Somit geschah die Auseinandersetzung Korachs und seiner Gemeinschaft nicht um des Himmels willen, also nicht, um zur Mittleren Linie zu gelangen, die „Himmel“ genannt wird und Chassadim ist. Moses hingegen war gewiss in die Mittlere Linie eingeschlossen, denn Moses wird Daat genannt, und Daat ist die Mittlere Linie. So steht im heiligen Sohar: Jakob gilt als Tiferet und Moses als Daat. Daher war die Eigenschaft von Moses um des Himmels willen. Aus diesem Grund heißt es nicht, die „Auseinandersetzung zwischen Moses und Korach“ sei nicht um des Himmels willen; denn die Eigenschaft von Moses war gewiss die Eigenschaft des Himmels.
Rechte und Linke Linie gelten sogar während der vorbereitenden Arbeit, also noch bevor der Mensch damit belohnt wird, in den Palast des Königs einzutreten. Denn um in den Palast des Königs einzutreten, muss er mit liShma belohnt werden. So heißt es im Traktat Awot, Kapitel sechs: „Rabbi Meir sagt: Jeder, der sich mit der Tora [im Sinne von] liShma beschäftigt, wird mit vielem belohnt … und ihm werden die Geheimnisse der Tora offenbart.“ Dann gilt, dass er in den Palast des Königs eintritt.
Dort, in den Geheimnissen der Tora, beginnt die Angelegenheit der Rechten Linie, die Chessed genannt wird, und der Linken Linie, die Gwura genannt wird. So steht in „Patach Eliyahu“: „Chessed ist der rechte Arm, Gwura der linke Arm.“ Nur im Bereich der Geheimnisse der Tora werden all diese Dinge gemäß der Wahrheit erklärt. Bevor der Mensch jedoch damit belohnt wird, aus der Eigenliebe herauszutreten und alles um des Gebens willen zu tun, was liShma genannt wird, lernt er diese Dinge zwar so, wie sie sind, doch für ihn sind es nur Namen ohne jede Erklärung. Er hat keine Erlangung der Dinge, die er lernt, denn er besitzt keinerlei Kenntnis vom Wesen der höheren Wurzeln, die „heilige Namen“, Sefirot oder Parzufim genannt werden.
Uns wurde gestattet, die höheren Dinge zu lernen, die „Weisheit der Kabbala“ genannt werden, jedoch nur als Segula. Denn aufgrund der Heiligkeit (Kedusha) der Gegenstände, die von den heiligen Namen handeln, können sie im Menschen das Verlangen und die Sehnsucht wecken, am Schöpfer anzuhaften. Bei der offenbarten Tora hingegen muss er glauben, dass die gesamte Tora aus den Namen des Schöpfers besteht. Daher besitzen diese Gegenstände eine stärkere Segula, wie im Buch „Die Gabe der Tora“ erklärt wird.
Wenn der Mensch die höheren Dinge mit dem Ziel lernt, dadurch der Heiligkeit näherzukommen, führt dies dazu, dass die Lichter näherkommen. Das bedeutet: Durch dieses Studium wird er damit belohnt, all seine Handlungen auf das Geben auszurichten. Dies heißt „Arbeit in der Vorbereitung“: Er bereitet sich darauf vor, geeignet zu werden, in den Palast des Königs einzutreten und an Ihm anzuhaften.
Auch hier, bei der Arbeit in der Vorbereitung, lernen wir die Korrektur der Linien, die nach dem Verhältnis von Zweig und Wurzel hervorgehen. Die Rechte Linie wird Chessed genannt. Sie ist die Eigenschaft der verhüllten Chassadim, also die Eigenschaft über dem Verstand. Sie heißt „denn er begehrt Chessed“: Er braucht nichts, sondern ist mit seinem Anteil zufrieden, mit dem, was er hat. Er sagt, dass ihm das genügt, was man ihm vom Himmel als Geschenk gegeben hat – einen Halt an Tora und Mizwot.
Obwohl er sieht, dass er Tora und Mizwot nur aufgrund seiner Erziehung einhält, weil man ihn so erzogen hat, spielt es keine Rolle, ob er als Kind oder erst im höheren Alter erzogen wurde. Jeder Beginn der Arbeit geht von der Erziehung aus. Doch dies heißt noch nicht „Rechte Linie“, denn von „rechts“ kann man erst sprechen, wenn es zwei Linien gibt. Dann wird die erste „rechts“ und die zweite „links“ genannt.
Später, wenn er sich selbst prüft und auf eigene Rechnung zu arbeiten beginnt, will er wissen, was das Ziel seines Lebens ist. Wenn er nach etwas strebt, zieht er Bilanz: Kann er durch dieses Streben irgendein Ziel erreichen? Vor allem fragt er nach dem Schöpfungsziel (Mattarat haBeria). Er sieht, dass überall geschrieben steht, es bestehe darin, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Doch er selbst empfindet noch keinerlei Gutes und keinen Genuss. Daher fragt er sich, warum er das Gute und den Genuss des Schöpfungsziels nicht empfindet. Als Antwort erkennt er, dass man zuerst zur Angleichung der Form gelangen muss und erst danach Gutes und Genuss empfinden kann.
Um zur Eigenschaft des Gebens zu gelangen, die „Angleichung der Form“ heißt, besteht seine Arbeit aus Untersuchungen und Prüfungen: Geht er tatsächlich auf dem Weg der Nächstenliebe? Andernfalls kann er die Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer nicht erreichen, von der es heißt: „Hafte an Seinen Eigenschaften an; wie Er barmherzig ist, so sei auch du barmherzig.“
Wenn er dann sieht, dass er noch immer in Eigenliebe steckt und sich von seinem niedrigen Zustand noch um kein Haar entfernt hat, gerät er manchmal in Verzweiflung. Zuweilen empfindet er sogar, dass er nicht nur keinen Fortschritt gemacht hat, sondern zurückgegangen ist. In einem solchen Zustand fällt es ihm schwer, Tora und Mizwot mit Freude einzuhalten. Im Gegenteil: Er ist ständig niedergeschlagen. Dann verfinstert sich ihm manchmal die Welt, denn die Niedergeschlagenheit bringt ihm viele Gedanken und Verlangen, die dem Ziel, das er erreichen will, geradezu widersprechen. Dieser Zustand heißt „Linke Linie“, denn was der Korrektur bedarf, wird „links“ genannt.
Wenn der Mensch zur Linken Linie gelangt ist und sieht, wie leer sein Zustand in jeder Hinsicht ist, muss er zur Rechten Linie wechseln. Denn erst wenn er die linke hat, kann man von der rechten sprechen. Die Rechte Linie wird, wie oben gesagt, „Vollkommenheit“ genannt. Bevor es eine Linke Linie gibt, heißt die erste lediglich „Linie“, da es ohne links kein rechts geben kann. Nun kehrt er also zur ersten Linie, der Eigenschaft der Vollkommenheit, zurück, denn sie bildet das Fundament, auf dem das ganze Gebäude errichtet wird, das „über dem Verstand“ heißt. Jetzt besitzt er nämlich Verstand und sieht seinen wahren Zustand: Er hat keinerlei Halt im Spirituellen.
Vom Standpunkt des Verstandes befindet er sich somit vollständig in Finsternis. Nun ist die Zeit gekommen, über den Verstand zu gehen und zu sagen: „Augen haben sie und sehen nicht; Ohren haben sie und hören nicht“ und so weiter. Dennoch freut er sich darüber, dass er damit belohnt wurde, die Mizwot des Schöpfers einzuhalten, die Er uns durch Moses, unseren Lehrer, Friede sei mit ihm, geboten hat. Obwohl er darin weder Geschmack noch Verständnis empfindet, glaubt er über dem Verstand, dass es ein großes Privileg ist, die Mizwot des Schöpfers in Schlichtheit einhalten zu können, während andere Menschen nicht einmal das besitzen. Er glaubt, dass alles vom Himmel kommt. Anderen wurde lediglich gegeben, sich an Nichtigkeiten zu erfreuen, wie es Vieh und Tieren und dergleichen entspricht. Ihm hingegen wurden der Gedanke und das Verlangen gegeben zu erkennen, dass ihr ganzes Leben Nichtigkeit und Eitelkeit ist.
Daher schätzt er dieses Geschenk „wie einer, der große Beute findet“. Aufgrund dieser Wertschätzung ist er stets tief bewegt. Es ist ihm so wichtig, als wäre er mit den höchsten Stufen belohnt worden. Dies heißt „Rechte Linie“, Vollkommenheit. Denn gerade durch seine Freude besitzt der Mensch Anhaftung an den Schöpfer, wie unsere Weisen sagten: „Die Shechina weilt nur inmitten der Freude.“ Da er sich jetzt im Zustand der Vollkommenheit befindet, hat er einen Grund, sich zu freuen.
Deshalb gibt es selbst während der Vorbereitung die Möglichkeit, ein Leuchten von oben zu empfangen. Zwar kann dieses Leuchten nicht dauerhaft in ihm bleiben, doch schon eine geringe Verbindung mit dem Spirituellen ist ein großer Gewinn, denn der Mensch kann keinen Kontakt mit dem Spirituellen angemessen einschätzen.
Diese Rechte Linie wird „Wahrheit“ genannt, weil die Vollkommenheit auf Wahrheit beruht. Er behauptet nicht, einen großen Besitz an Tora und Mizwot zu haben – also Empfindung, Erlangung und Verständnis. Vielmehr sagt er, wie viel er tatsächlich hat, wie viel ihm vom Himmel gegeben wird. Selbst wenn er empfindet, dass sein Zustand schlechter ist als der, den er durch seine Erziehung erhielt, schätzt er es über dem Verstand als etwas sehr Wichtiges, dass er mit einem geringen Kontakt zum Spirituellen belohnt wurde.
Wenn er daran arbeitet, sich mit Wenigem zu begnügen, mit seinem Anteil zufrieden zu sein und Tora und Mizwot so zu ehren, als empfände er dabei Geschmack in Form von wirklichem Wissen und wahrer Empfindung – wenn also auch der Körper dieser Arbeit zustimmt, was „auch seine Feinde schließen Frieden mit ihm“ genannt wird –, dann ist es anders, als wenn er über dem Verstand arbeiten muss und der Körper sich dieser Arbeit widersetzt. Deshalb heißt dies „Arbeit der Wahrheit“: Er sieht seinen wahren Zustand und überwindet ihn dennoch, als befände er sich im Wissen. Das wird „Rechte Linie“ genannt.
All dies geschieht, weil er der Tora über dem Verstand Ehre erweisen will. Zwar sieht es so aus, als errichte er dies auf einem Gebäude des Verstandes: Er sagt, es gebe viele Menschen ohne jede Verbindung zu Tora und Mizwot; daher folgert der Verstand, dass er bereits etwas besitzt, worüber er sich freuen kann, da er einen Besitz hat, den andere nicht haben. Das ist richtig. Doch um zu sagen, dass dies etwas Wichtiges ist, über das man sich zu freuen lohnt, braucht er bereits die Eigenschaft über dem Verstand. Dies heißt „Freude an einer Mizwa“: Sie beruht auf dem Fundament des Glaubens. Dann kann er singen und tanzen, und alles ist Wahrheit, denn es geschieht über dem Verstand.
Die Linke Linie geht aus der Wurzel von Gwura hervor; Gwura bedeutet Überwindung. Der Mensch zieht Bilanz, wie weit er sich bereits der Heiligkeit genähert hat, also wie viel Kraft er für die Nächstenliebe aufbringen kann. Das heißt, er will Handlungen des Gebens ohne jede Gegenleistung zum Wohl der Freunde ausführen. Er kann dies daran messen, in welchem Maß er bereit ist, zugunsten der Freunde zu verzichten, ohne dafür irgendeine Gegenleistung zu verlangen. Wenn er dann seinen wahren Zustand sieht und erkennt, dass er noch zu keinem Verzicht fähig ist, bleibt ihm nur das Gebet (Tefilla). Dies bedeutet, dass die Linke Linie ihm Raum für das Gebet gibt.
Daraus folgt: Die Rechte Linie gibt ihm Raum, Lob und Dank für die Vollkommenheit darzubringen, die ihm gegeben wurde. Dann gibt es keinen Raum für das Gebet, weil er dann keinen Raum für einen Mangel hat. Ebenso gibt es keinen Raum für „Söhne“, die Verständnis in Tora und Mizwot bedeuten, denn er hat keine Fragen, auf die er Antworten erhalten müsste. Folglich gibt es für ihn keine Fruchtbarkeit und Vermehrung in der Tora.
Anders ist es bei der Linken Linie, der Gwura. Dort muss man sich überwinden. Da man sich überwinden muss, aber sieht, dass die Kraft dazu fehlt, gibt es Raum für das Gebet. Auch für „Söhne“ ist dort Raum, denn durch die Kräfte, die von oben kommen und die er durch sein Gebet heranzieht, erlangt er Fruchtbarkeit und Vermehrung in der Tora.
Man muss jedoch wissen, dass diese beiden Linien gleichgewichtig sein müssen, dass man also beide in gleichem Maß verwendet. Dann kann man sagen: „Der dritte Vers kommt und entscheidet zwischen ihnen.“ Das wird „Mittlere Linie“ genannt. Die Entscheidung besteht darin, beide zu einer Einheit zu verbinden. Ist eine größer als die andere, können sie nicht ineinander eingeschlossen werden, denn die größere will nicht in die andere eingeschlossen sein, weil sie empfindet, dass ihre Eigenschaft nützlicher ist. Daher muss man sich bemühen, beide gleich zu machen.
Welchen Gewinn hat er davon, beide Linien zu besitzen und genau darauf zu achten, dass sie gleich sind, damit er die Mittlere Linie erlangt? Man muss wissen: Die Mittlere Linie ist die Fülle, die von oben kommt und sich auf den beiden Linien offenbart.
Dies können wir anhand der Worte unserer Weisen erklären: „Drei Partner wirken am Menschen mit: sein Vater, seine Mutter und der Schöpfer. Sein Vater gibt das Weiße, seine Mutter das Rote, und der Schöpfer gibt die Seele.“ „Weiß“ bedeutet Weißsein, wie geschrieben steht: „Wenn eure Sünden wie Scharlach sind, sollen sie weiß wie Schnee werden.“ Gemeint ist, dass er stets im Zustand des „Weißen“ geht. Das heißt „Rechte Linie“: Er sieht in seinem Zustand keinen Mangel, sondern ist immer mit seinem Anteil zufrieden. Selbst wenn er in seiner Arbeit empfindet, dass er keinen Besitz hat, freut er sich dennoch.
Das lässt sich anhand einer Geschichte verstehen. Einst wurde eine Königstochter krank, und man fand kein Heilmittel für ihre Krankheit. Schließlich kam ein Weiser und sagte, er könne sie durch eine Segula heilen: Wenn sie das weiße Hemd eines Menschen anzöge, der mit seinem Anteil zufrieden ist, könne sie dadurch genesen. Was tat der König? Er schickte Boten zu den Reichen des Volkes und ließ sie fragen, ob sie mit ihrem Anteil zufrieden seien. Jeder von ihnen erklärte jedoch, was ihm noch fehlte. Danach ließ er bei den Menschen der Mittelschicht nachfragen, ob sich dort vielleicht jemand finde, der mit seinem Anteil zufrieden sei. Doch sie fanden niemanden und verzweifelten schließlich.
Am Ende kam jemand und erzählte dem König, weit entfernt liege ein Wald, dessen Hüter, wie er gehört habe, stets mit seinem Anteil zufrieden sei. Natürlich schickte der König angesehene Boten zu diesem Waldhüter. Als sie bei ihm eintrafen, fragte er: „Ich sehe, dass ihr angesehene Menschen seid. Warum seid ihr zu mir gekommen?“ Sie erzählten ihm die ganze Geschichte von der Königstochter und sagten: „Deshalb sind wir zu dir gekommen. Wir möchten wissen, ob es wirklich stimmt, was man über dich erzählt – dass du mit deinem Anteil zufrieden bist.“ Er erwiderte: „Gewiss, ohne jeden Zweifel. Mir fehlt im Leben nichts, und ich genieße alles.“ Da sagten sie: „Dann gib uns eines deiner Hemden für die Königstochter.“ Er antwortete: „Glaubt mir: Hätte ich ein Hemd, würde ich es der Königstochter geben. Aber ich habe keines.“
Aus dieser Geschichte sehen wir: Wenn der Mensch mit seinem Anteil zufrieden sein will, gibt es dafür keinerlei Bedingungen. Dies heißt Vollkommenheit. Man braucht nichts, von dem man sagen könnte, erst deshalb könne man mit seinem Anteil zufrieden sein. Das heißt „Rechte Linie“: Sie braucht nichts. Denn sobald der Mensch irgendetwas benötigt, gleich was es ist, kann er nicht mehr in Vollkommenheit sein.
„Seine Mutter gibt das Rote“, wie oben gesagt und wie geschrieben steht: „Wenn eure Sünden wie Scharlach sind.“ Dort gibt es die rote Linie. Denn nachdem er die guten Taten, die er tut, kritisch geprüft hat, sieht er, dass er nicht vorankommt, sondern sich im Gegenteil rückwärts bewegt. Dies heißt „rote Linie“: Der Körper lässt ihn erkennen, dass man nicht vorankommen kann, solange die Linie rot ist. Dann bleibt ihm nur, sein Gebet zu vermehren.
Dies entspricht den Worten im Yalkut (in der Haggada der Tätigen): Israel sagte vor dem Schöpfer: „Wann wirst Du uns erlösen?“ Der Schöpfer antwortete: „Wenn ihr zur untersten Stufe hinabgestiegen seid, werde Ich euch in diesem Augenblick erlösen.“
Gerade wenn der Mensch zur roten Linie gelangt und empfindet, dass er sich auf der untersten Stufe befindet, kommt die Erlösung. Dann gibt der Schöpfer die Seele, das Höhere Licht leuchtet ihm, und er erhält Hilfe von oben. So sagten unsere Weisen: „Wer kommt, um sich zu reinigen, dem wird geholfen.“ Im heiligen Sohar wird gefragt: „Womit wird ihm geholfen?“ Die Antwort lautet: „Mit einer heiligen Seele.“ Dann erfüllt sich: „Der dritte Partner, der Schöpfer, gibt die Seele.“ Dies wird „Mittlere Linie“ genannt.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026