892. Artikel zu Sukkot
„Sieben Tage sollt ihr in Laubhütten wohnen; jeder Einheimische in Israel soll in Laubhütten wohnen. Damit eure Generationen wissen, dass Ich die Söhne Israels in Laubhütten wohnen ließ, als Ich sie aus dem Land Ägypten herausführte. Ich bin der Ewige, euer Gott.“1 Rabbi Elieser sagt: „Es waren die Wolken der Herrlichkeit.“ Nach Rabbi Akiwa hingegen waren es wirkliche Laubhütten.
Wie kann zwischen diesen beiden Erklärungen ein so großer Abstand liegen? Der eine deutet die Sukka (Laubhütte) materiell, der andere spirituell – als Wolken der Herrlichkeit. Doch beides sind Vorder- und Rückseite (Panim und Achoraim): Vom Erwachen von unten (Itaruta deLetata) her besteht die Handlung im Bau der Sukka, also in wirklichen Laubhütten; vom Erwachen von oben (Itaruta deLeila) her sind es die sieben Wolken der Herrlichkeit.
„Wohnen“ bedeutet hier: so wohnen, wie man gewöhnlich wohnt. Darin liegt das Geheimnis des Verses: „Die verborgenen Dinge gehören dem Ewigen, unserem Gott.“ Die Lehrer ethisch-erzieherischer Unterweisung erklären die Aussage „Verlass die ständige Wohnung und wohne in einer vorübergehenden Wohnung“ so: Die Menschen sollen erkennen und bedenken, dass diese Welt einem Gasthaus und einer vorübergehenden Wohnung gleicht.
In den Psalmen heißt es: „Du verbirgst sie im Schutz Deines Angesichts vor den Ränken der Menschen; Du birgst sie in einer Laubhütte vor dem Streit der Zungen.“ Rashi erklärt „vor den Ränken der Menschen“ als Schutz vor den Verbindungen der Frevler (Rashaim), die sich zusammenschließen, um ihnen Böses anzutun.
Wir müssen verstehen, was „im Verborgenen Deines Angesichts“ bedeutet. Schließlich gilt die Regel, dass das Angesicht enthüllt ist. Wie kann man dann in Bezug auf den Schöpfer von einem Angesicht sprechen? Was bedeutet die Formulierung „Du birgst sie in einer Laubhütte vor dem Streit der Zungen“? Worin unterscheidet sich die Sukka von der Verhüllung des Angesichts? Wir finden den Ausdruck „Wer im Verborgenen des Höchsten sitzt“. Was ist das Verborgene des Höchsten, und was wäre dann das Verborgene des Unteren? Ebenso finden wir den Ausdruck „Seine Verhüllung ist Geradlinigkeit“.
Man muss fragen: Wenn es verborgen ist, woher wissen wir dann, dass es Geradlinigkeit und kein Kreis ist? Vielleicht sind damit Geradlinigkeit und Kreise (Yosher und Igulim) gemeint: In den Kreisen gibt es keine Verhüllung; vielmehr leuchtet das Licht dem Kleinen wie dem Großen. Dies sind die Reshimot (Aufzeichnungen) aus der Welt der Einschränkung (Zimzum).
„Geradlinigkeit“ (Yosher) richtet sich nach der Linie, an der die Einschränkung vorgenommen wurde. Demnach ist die von uns wahrgenommene Verhüllung etwas Geradliniges – im Sinne einer geradlinigen Überlegung. (Mit Angesicht sind die Enthüllung und die Verhüllung des Angesichts gemeint.) Eine Sukka besteht aus vier Wänden und einem Laubdach (Sechach). Der Ort für die Sukka ist jedoch bereits vorhanden: Der Mensch kann sie auf dem Boden errichten, der den materiellen Stoff darstellt; diesem Stoff gibt er eine Form, nämlich die Form der Sukka.
Wir müssen verstehen, was die Wände und was das Laubdach bedeuten, das aus den Abfällen von Tenne und Kelter besteht.
Bekanntlich gibt es vier Seiten sowie oben und unten. Die vier Seiten werden CHaGaT (Chessed, Gwura, Tiferet) und Malchut genannt, oben ist Nezach und unten Hod.
Beim Lesen des Shma sagen wir: „Im Namen des Schöpfers, des Gottes Israels: Zu meiner Rechten Michael, zu meiner Linken Gabriel, vor mir Uriel, hinter mir Rafael und über meinem Haupt die Shechina (göttliche Gegenwart) des Schöpfers.“ Warum sagen wir nichts über unten, das Hod entspricht? Unten ist der Boden – der Mensch. Errichtet er eine vorschriftsmäßige Sukka, entspricht dies Hod, das als „Schönheit der Sukka“ bezeichnet wird. Wenn nicht, kehrt sich Hod (Herrlichkeit) in Dawe (leidend) um.
Auf den Ort der Erde braucht also nichts hinzudeuten. Vielmehr zeigt sich auf der Erde in genau derselben Form, was der Mensch in allen fünf Aspekten herabzieht und worauf er seine Absicht richtet. Die Erde steht für den Menschen, der aus der Wurzel von Malchut hervorgeht. Von ihr heißt es: „Sie hat nichts von sich selbst.“ Aus eigener Kraft besitzt sie nichts außer dem, was man ihr gibt. Somit hängt dies von der Form der Sukka ab.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026
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3. Mose 23,42–43. ↩