878. Und ihre Füße waren ein gerader Fuß
Pinchas 1984
Im Sohar, Abschnitt Pinchas1, heißt es im Sulam (Leiter-Kommentar): „Und ihre Füße waren ein gerader Fuß, denn die Füße der Schädiger sind allesamt gekrümmt. ‚Und ihre Füße‘, das heißt die Füße der heiligen Chajot (Lebewesen) – über sie wurde gesagt: ‚Und ihre Füße waren ein gerader Fuß.‘ Dies kommt von der Seite der Chaja, die Israel ist. Israel umfasst drei Chajot, von denen gesagt wurde: ‚Die Urväter, sie sind die Merkawa (der Wagen).‘“
Dort wird im Sulam erklärt: „Das Geheimnis der Geradlinigkeit geht von der Mittleren Linie aus. Sie ist gerade und neigt sich weder nach rechts noch nach links, sondern verläuft gerade in der Mitte. Die Sitra Achra (die andere Seite) und die Schädiger dagegen neigen sich nach links.“
Um das oben Gesagte zu erklären, müssen wir uns an die Grundprinzipien der Arbeit erinnern: an Mocha (Verstand) und Liba (Herz), wie im Buch Matan Tora geschrieben steht. Es gibt nämlich Gesetz und Gericht. „Gesetz“ bedeutet, dass der Mensch in der Arbeit den Weg des Gesetzes gehen muss. Hier ist kein Raum für Diskussionen; vielmehr muss er es so annehmen, wie es uns aus Büchern und von den Weisen überliefert wurde. Dies ist der Glaube über dem Verstand, der Mocha genannt wird, sowie das Geben, das Liba genannt wird. Diese beiden werden „Ehrfurcht (Jira)“ genannt. Das „Gericht“ hingegen wird Chochma genannt.
Darüber sagten die Weisen: „Rabbi Elasar ben Asarja sagt … Wenn es keine Weisheit gibt, gibt es keine Ehrfurcht; wenn es keine Ehrfurcht gibt, gibt es keine Weisheit.“2 Wir brauchen also beides, Gesetz und Gericht. Wenn beide miteinander verbunden sind, heißt dies „Mittlere Linie“; und dies ist in der Heiligkeit (Kedusha). Darüber steht geschrieben: „Und ihre Füße waren ein gerader Fuß.“ Das bedeutet, dass sie sich nicht nach links neigen, die Chochma genannt wird, sondern darauf achten, dass beide gleich sind. Wenn der Mensch jedoch nicht dazu fähig ist, beide gleich zu halten, muss er sich bemühen, dass die rechte Seite größer ist als die linke. Dann „bleibt seine Weisheit bestehen“. So lautet ihr Ausspruch: „Er pflegte zu sagen: Bei jedem, dessen Taten zahlreicher sind als seine Weisheit, bleibt seine Weisheit bestehen; und bei jedem, dessen Weisheit größer ist als seine Taten, bleibt seine Weisheit nicht bestehen.“3
Das „Gesetz“ wird Handlung genannt, weil dort kein Raum für Verstehen und Einsicht ist, sondern alles über dem Verstand geschieht. Deshalb wird es Handlung genannt. Mocha und Liba, Glaube und Geben, Ehrfurcht, Handlung – all dies gilt als rechte Seite. Darüber gibt es nichts zu diskutieren; der Mensch muss es so auf sich nehmen, wie es ist, und sich darum bemühen, Ratschläge (Ejtin) zu finden, wie er dazu fähig werden kann, es „wie ein Ochse unter dem Joch und wie ein Esel unter der Last“ auf sich zu nehmen.
Das „Gericht“ hingegen gehört zur Tora, und diese muss man sehr wohl verstehen. Dies wird Weisheit genannt. Der Mensch muss also der Tora würdig werden; dort ist es genau umgekehrt: Je mehr er verstehen will, desto lobenswerter ist es. Doch in der Tora gibt es viele Unterscheidungen. Es gibt die offenbarte Tora, die als praktische Halacha gilt. Das bedeutet: Obwohl derjenige, der eine Halacha lernt, nicht verpflichtet ist, sie selbst auszuführen – etwa wenn er die Rechtsvorschriften für Richter studiert, obwohl er niemals daran denkt, Richter zu werden –, lernt er dennoch die Tora des Schöpfers. Dies wird Seine Weisheit genannt. Sie heißt „offenbarte Tora“, weil es Handlungen gibt, die andere ausführen müssen. Indem der Mensch die Tora des Schöpfers lernt, fördert er die Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer, denn die gesamte Tora besteht aus Seinen Namen, wie im heiligen Sohar geschrieben steht.
Außerdem gibt es die verborgene Tora. Dort wird überhaupt nicht über Handlungen gesprochen, sondern über Dinge, die Herz und Verstand betreffen. Der Mensch muss sich nach Kräften darum bemühen, eine gewisse Erlangung dessen zu haben, was er lernt. Das Verlangen, mit dem er sich danach sehnt, zur Erlangung zu gelangen, bewirkt die Annäherung der Lichter. Dies gilt als Gebet (Tefilla): Er sehnt sich danach, dass der Schöpfer ihm in Seiner Tora die Augen öffnet.
Doch der Mensch muss immer darauf achten, dass seine Weisheit nicht größer ist als seine Taten, wie oben gesagt wurde. Dies heißt: „Und ihre Füße waren ein gerader Fuß“, wie im Sulam erklärt wird, dass die Rechte Linie immer zu Chessed neigt.
Doch im Sulam wird Folgendes erklärt: „Eine Anweisung lautet, einen halben Schekel nach dem heiligen Schekel zu geben. Und er fragt: Was ist ein halber Schekel? Er antwortet: Er ist wie die Hälfte eines Hin. Dies ist Waw, das zwischen zwei Hej vermittelt. Der Stein, mit dem gewogen wird, ist Yud. ‚Zwanzig Gera sind ein Schekel‘ – dies ist das ausgeschriebene Yud. ‚Der Reiche soll nicht mehr geben‘ – dies ist die mittlere Säule … Was ist ein halber Schekel? Er ist wie die Hälfte eines Hin, also ein halbes Maß. Und er erklärt: Dies ist Waw, das zwischen zwei Hej vermittelt. Denn Waw ist das Geheimnis der Mittleren Linie, die ‚Waage‘ genannt wird und die beiden Lichter der rechten und der linken Seite wägt. Diese sind das Geheimnis der beiden Hej, damit die linke Seite nicht größer ist als die rechte.“4
Daraus geht hervor, dass auch die rechte Seite nicht größer sein soll als die linke, sondern beide gleich sein sollen, wie geschrieben steht: „Der Reiche soll nicht mehr und der Arme nicht weniger als einen halben Schekel geben.“ Es gibt jedoch die Regel, dass man immer dem jeweiligen Sprachzusammenhang entsprechend erklärt. In Wirklichkeit aber ist es immer dieselbe Wirklichkeit; nur die sprachlichen Ausdrücke unterscheiden sich.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026