854. Nimmt seinen Anteil und den Anteil seines Freundes
Acher fragte Rabbi Meir, nachdem er vom rechten Weg abgekommen war: Was bedeutet der Vers: „Auch dies hat Gott dem anderen gegenüber geschaffen“? Er antwortete ihm: Allem, was der Schöpfer erschuf, schuf Er ein Gegenstück. Er schuf Berge und Hügel, Meere und Flüsse.
Acher sagte zu ihm: „Rabbi Akiwa, dein Lehrer, erklärte es nicht so, sondern: Der Schöpfer schuf Gerechte und Frevler; Er schuf den Garten Eden und die Hölle. Jeder hat zwei Anteile, einen im Garten Eden und einen in der Hölle. Wird ein Gerechter würdig, nimmt er seinen Anteil und den Anteil seines Freundes im Garten Eden. Macht sich ein Frevler schuldig, nimmt er seinen Anteil und den Anteil seines Freundes in der Hölle.“
Rav Mesharshia sagte: „Welcher Vers belegt das? Über die Gerechten steht geschrieben: ‚Darum werden sie in ihrem Land ein Zweifaches erben‘.1 Über die Frevler steht geschrieben: ‚Und mit doppeltem Zerbrechen (Shwira) zerbrich sie‘.“2
Der Maharsha erklärt, warum jeder zwei Anteile hat: Der Schöpfer schuf den Garten Eden für den Gerechten und die Hölle für die Frevler, jedem entsprechend dem, was ihm zukommt.
Demnach muss man fragen: Wenn es so ist, gibt es keine Wahl. Denn der Schöpfer schuf die einen als Gerechte und die anderen als Frevler; folglich wären sie gezwungen, auf der Stufe zu bleiben, auf der sie erschaffen wurden. Darauf antwortet der Maharsha: Da dem Menschen die Wahl gegeben wurde, ein Gerechter oder ein Frevler zu sein – denn alles liegt in den Händen des Himmels außer der Ehrfurcht (Jira) vor dem Himmel –, und der Schöpfer keinem Geschöpf Lohn oder Strafe vorenthält, schuf Er für alle den Garten Eden, für den Fall, dass sie alle würdig werden.
Ebenso schuf Er für alle die Hölle, für den Fall, dass sie nicht alle würdig werden. Und die Aussage „Wird er würdig, nimmt er seinen Anteil und den Anteil seines Freundes“ stützt sich auf die weiter unten folgende Auslegung Rav Mesharshias.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026