895. Zum Thema Chanukka
Für die Chanukka-Kerze gilt als Zeitmaß: „bis kein Fuß mehr auf dem Markt ist.“
Das Wort „Fuß“ (Regel) ist mit „Spion“ (Meragel) verwandt. Der Markt ist der Bereich der Vielen. Wenn man sich dagegen im Bereich des Einen befindet, geht man in Aufrichtigkeit, und für Spione ist dort kein Platz. An Chanukka muss man das Licht von Chanukka herabziehen, bis auf dem Markt jede Form von Spionen annulliert ist; denn wo Licht ist, gibt es keinen Platz für die Sitra Achra (die andere Seite).
„Im folgenden Jahr bestimmten sie diese Tage zum Lobpreis und Dank.“ Warum warteten sie bis zum folgenden Jahr? Im ersten Jahr, als sie siegten, hafteten sie sich wegen der Größe des Wunders und der Klarheit an ihren Schöpfer und wurden gleichsam zu einem Körper. Daher brauchten sie Lobpreis und Dank nicht in entsprechender Form festzulegen. Im folgenden Jahr mussten sie diese jedoch durch Lobpreis und Dank fest verankern – wie etwas, das man mit Nägeln befestigt, damit es nicht wankt –, sodass sie durch den Dank an den Schöpfer angehaftet bleiben (Awodat Israel).
Die Erörterungen zu Chanukka werden in der Mishna nicht erwähnt, obwohl es eine Meinungsverschiedenheit zwischen der Schule Shammais und der Schule Hillels gibt; denn die Mishna ist das Geheimnis der Innerlichkeit der Welt. Sie erscheinen nur in der Baraita, die äußerlich ist, wie es heißt: „Geh hinaus und lehre es draußen.“ Chanukka deutet nämlich darauf hin, dass die wesentliche Klarheit darin besteht, die Heiligkeit (Kedusha) so herabzuführen, dass sie von außen leuchtet (ebenda).
Nach der Auffassung von der Schule Shammais „nimmt es immer weiter ab“, wie bei den Opferstieren des Festes. Dies deutet darauf hin, dass durch die äußere Heiligkeit die äußeren Kräfte zurückgewiesen werden und immer weiter abnehmen. Nach der Schule Hillels „wächst es immer weiter“. Das deutet auf die Heiligkeit hin: Man muss sie in der Weise herabziehen, dass man „in der Heiligkeit aufsteigt“ (ebenda).
„Und sie durchbrachen die Mauern meiner Türme.“ Eine Mauer schützt davor, dass ein Fremder in den Turm eindringt. Der Turm wiederum ist die Heiligkeit, die als „ein Turm voll allen Guten“ bezeichnet wird. Die Sitra Achra hingegen besitzt nichts als Leere. Die Mauer heißt „Grenze und Siegel zwischen der Heiligkeit und der Sitra Achra“; sie ist der Glaube. „Grenze“ bedeutet hier eine Begrenzung für das äußere Denken und den äußeren Verstand. Dies wird „das Siegel des Zeichens des heiligen Bundes“ genannt.
Wir müssen verstehen, warum die Griechen gerade die Beschneidung und den Schabbat abschaffen wollten.
Die Beschneidung wird „Zeichen“ genannt, und auch der Schabbat heißt „Zeichen“; gemeint ist der heilige Bund. Der Bund bedeutet Glaube. Darauf deutet der Vers: „So beschneidet die Vorhaut eures Herzens.“ Durch den Glauben wird der Mensch der Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer würdig. Die Klipa (Schale), die „Vorhaut“ genannt wird, trennt sich von ihm, und damit entsteht Raum für das Verweilen der Heiligkeit. Ihr ganzes Bemühen bestand nur darin, beides abzuschaffen und sie in die verfluchte Philosophie hineinzuziehen, die dem Glauben entgegengesetzt ist.
Dies wird „Mauer“ genannt: In dem Maß, in dem sie die Philosophie einführten, galt die Mauer als durchbrochen. Darum heißt es: „Und sie durchbrachen die Mauern meiner Türme und verunreinigten alle Öle“; denn das Öl bezeichnet die Klarheit, die in Tora und Arbeit liegt.
Über die Heiligkeit legten sich Stumpfheit und Verschlossenheit, sodass sie keinerlei Lebenskraft (Chajut) in Tora und Arbeit empfanden. Sie fanden nur einen einzigen Krug mit Öl, der mit dem Siegel des Hohenpriesters versehen war. Er reichte lediglich dazu, einen Tag lang Licht zu spenden. Doch es geschah ein Wunder, und sie zündeten daraus acht Tage lang die Lichter an.
„Und mit Seiner großen Hand brachte Er die Segula hervor.“
Wir müssen verstehen, was diese Segula ist. In „Matan Tora“1 wird der Vers angeführt: „Und ihr sollt Mir eine Segula unter allen Völkern sein, denn Mir gehört die ganze Erde.“ Dort wird gefragt, wie die Segula mit den Worten „denn Mir gehört die ganze Erde“ zusammenhängt. Die Erklärung lautet: Ihr sollt Mir eine Segula sein, denn durch euch werden die Funken der Läuterung und Reinigung des Körpers auf alle Völker übergehen. Mit Segula ist das Verlangen zu geben (Razon lehashpia) gemeint.
Tatsächlich müssen wir verstehen, warum dies Segula genannt wird. Bekanntlich nennt man in der Welt etwas so, das dem Verstand zufolge nicht zwingend zu einem zweiten Zustand führen müsste. Die Ursache steht also in keiner direkten Beziehung zur Folge; dies heißt Segula.
Ein Beispiel: Jemand braucht Geld, um reich zu werden. Man sagt ihm, es gebe eine Segula: Wenn er viel Geld als Almosen gibt, sei dies ein besonderes Mittel, um reich zu werden. Auf den ersten Blick widerspricht das dem Verstand, denn wer reich werden will, bedauert jeden einzelnen Groschen, den er anderen gibt. Doch es heißt: „Gib den Zehnten, damit du reich wirst.“ Dies nennt man Segula.
Auf unsere Arbeit bezogen heißt es: „Wer leben will, soll sich selbst töten.“ Wer also ein Leben voller Genuss führen will, darf für sich selbst nichts wollen und nichts empfangen, sondern nur geben. Nur dadurch wird er Gutes und Genuss empfangen. Somit ist das Verlangen zu geben eine Segula, durch die man alles Gute erlangen kann.
Deshalb heißt es: „Und mit Seiner großen Hand.“ Dies ist die Hand von Chessed (Gnade), denn Chessed wird „Größe“ genannt. Mit ihr brachte Er aus dem Volk Israel die Segula hervor. Indem Er den Geschöpfen die Eigenschaft von Chessed gab, können sie die Gefäße des Gebens verwirklichen, aus denen der Mensch besteht.
Dies ist die Bedeutung von „Denn Deine Rechte ist ausgestreckt, um die Umkehrenden aufzunehmen.“ „Umkehrende“ bedeutet: Der Mensch will kein Empfangender sein, sondern immer zu denen gehören, die zurückgeben; alles, was er empfangen müsste, gibt er zurück. Wer zu den Umkehrenden gehören will, dem ist „Deine Rechte ausgestreckt“: Der Schöpfer sendet ihm die Eigenschaft von Chessed, und dadurch bringt Er die Segula hervor.
Unsere Weisen sagten: „Was ist Chanukka? Chanu ko – sie lagerten hier.“ Bekanntlich bezeichnet „Ko“ Malchut: den Namen BoN, Alef–Hej–Yud, mit der Füllung durch Hejs in der Füllung der Füllung. Gemeint sind jene Menschen, die darum kämpften, das Joch des Königtums des Himmels auf sich zu nehmen. Weil die Annahme des Königtums des Himmels nicht auf einer Grundlage des Empfangens für sich selbst beruht, herrscht ein großer Kampf, denn dies steht der Natur entgegen. Aus diesem Zustand herauszukommen, wird daher „das Wunder von Chanukka“ genannt.
Dies gilt als „Er erniedrigt die Stolzen bis zur Erde und erhöht die Niedrigen bis in die Höhe“. Das Geben erscheint uns niedrig, denn wenn der Mensch sieht, dass ihm diese Handlung keinerlei Gegenleistung zum eigenen Nutzen bringen wird, empfindet er darin einen Zustand der Niedrigkeit.
Das ist die Bedeutung der Aussage über die Chanukka-Lichter: „Wir haben nicht die Erlaubnis, sie zu benutzen, sondern dürfen sie nur ansehen.“ Denn Benutzung geschieht mit Gefäßen des Empfangens. Hier aber bestand das Wunder darin, dass sie dem Schöpfer mit Gefäßen des Gebens dienten.
Darin liegt der Unterschied zwischen Chanukka und Purim: Das Wunder von Chanukka betrifft die Gefäße des Gebens, während das Wunder von Purim die Gefäße des Empfangens betraf. Deshalb gibt es dort Festmahl und Freude; an Chanukka dagegen darf man die Lichter nur ansehen und nicht benutzen.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026
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S. 42, Punkt 20. ↩