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911. Das Mahl des Frevlers

Unsere Weisen sagten: „Warum wurde jenes Geschlecht zur Vernichtung verurteilt?“ Einer sagte: „Weil sie sich vor einem Götzenbild niederwarfen“, und ein anderer sagte: „Weil sie das Mahl jenes Frevlers (Rasha) genossen.“

Man muss fragen: Warum sagten sie nicht: „Weil sie vom Mahl jenes Frevlers aßen“, sondern: „Weil sie es genossen“? Man muss sagen, dass es in der spirituellen Arbeit zwei Aspekte gibt:

1) Mocha (Verstand). Dies entspricht dem Niederwerfen vor einem Götzenbild. Ein „Bild“ bezeichnet einen Zustand, in dem der Mensch eine bestimmte Grundlage für seine Arbeit hat. Das nennt man ein Bild. Der Mensch aber muss im Glauben arbeiten. Darüber steht geschrieben: „Denn ihr habt keinerlei Gestalt gesehen.“ Eine Gestalt oder ein Bild ist eine Grundlage, auf die der Mensch seine Arbeit ausrichten kann. Er legt also fest, dass er für diese Grundlage arbeitet, die ihm als Stütze dient. Wenn er jedoch keine Stütze hat, fällt er aus seiner Arbeit heraus.

2) Dass jemand das Mahl jenes Frevlers genießt, entspricht Liba (Herz): Der Mensch findet Gefallen daran, dass sein eigener Frevler genießt. Essen und Trinken muss er, denn sonst kann er nicht leben. Doch er darf das Mahl nicht genießen, das sein Verlangen zu empfangen (Razon lekabel) veranstaltet.

Deshalb geschah ihre Arbeit unter Zwang, wie unsere Weisen über „sie erfüllten und nahmen an“ sagten: „Bis dahin unter Zwang, von nun an aus eigenem Willen.“ Dadurch, dass sie der Umkehr (Teshuwa) aus Liebe würdig wurden, wurden sie auch dessen würdig, ihre Arbeit aus eigenem Willen zu verrichten.

Daraus sehen wir: Selbst wenn der Mensch auf der untersten Stufe steht – es gibt keinen schlimmeren Zustand als den, dass er diese beiden Aspekte beschädigt hat –, wurde er später dennoch des Zustands „sie erfüllten und nahmen an“ würdig. Was zunächst unter Zwang geschah, geschah danach aus eigenem Willen. Das ist die Bedeutung der Megillat Esther (Esther-Rolle), die zwei Gegensätze vereint: In der Zeit der Verhüllung besteht Zwang, während in der Zeit der Enthüllung die Arbeit aus eigenem Willen geschieht.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026