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26. Der niemanden bevorzugt

Zu dem Vers: „Der niemanden bevorzugt und keine Bestechung annimmt.“1 Man muss verstehen, was „keine Bestechung annimmt“ bedeutet. Wie kann man den Schöpfer bestechen, sodass der Vers uns eigens mitteilen muss, dass Er „keine Bestechung annimmt“?

Alle Eigenschaften, die wir dem Schöpfer zuschreiben, sind auf den Menschen bezogen. Wenn der Mensch daran gewöhnt ist, Bestechung anzunehmen, also etwas zum eigenen Genuss zu tun, kann er bereits keine Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer mehr erreichen. Denn es heißt: „Hafte an Seinen Eigenschaften an.“2

Der Vers „der keine Bestechung annimmt“ bedeutet also: Der Mensch darf keine Bestechung annehmen, wenn er eine Angelegenheit daraufhin prüfen will, ob sie wahr oder falsch ist. Denn wenn dabei irgendeine Absicht auf den eigenen Genuss besteht, kann er die Wahrheit bereits nicht mehr erkennen, „denn Bestechung blendet die Augen der Weisen“.3 Das Licht von Chochma kann sich nämlich nur an einem Ort ausbreiten, an dem die Gefäße (Kelim) vollständig vom Empfangen für sich selbst gereinigt sind.

Wohltaten (Chassadim) kann man dagegen auch dann vollbringen, wenn man noch nicht vollständig gereinigt ist. Während man Wohltaten vollbringt, kann man nämlich keinen Schaden anrichten, da diese Handlung dem Geben zugeordnet ist. Anders ist es beim Licht von Chochma: Wenn es sich ausbreitet, gehört dies zum Wissen und Empfangen, weshalb man Schaden anrichten kann. Solange der Mensch daher noch nicht von der Selbstliebe gereinigt ist, besteht die Korrektur darin, dass er im Bereich von Chochma überhaupt nichts sehen kann.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026


  1. 5. Mose 10:17. ↩

  2. Vgl. Babylonischer Talmud, Sota 14a. ↩

  3. 5. Mose 16:19. ↩