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14. So sollst du zum Haus Jakob sprechen

„So sollst du zum Haus Jakob sprechen“ – das sind die Frauen. Er sagte ihm: „Sage ihnen die Grundzüge der Dinge, denn diese können sie hören.“ „Und verkünde es den Söhnen Israels“1 – das sind die Männer. Er sagte ihm: „Sage ihnen die Einzelheiten der Dinge, denn diese können sie hören.“

Eine andere Erklärung: Warum zuerst zu den Frauen? Weil sie sich mit den Mizwot beeilen. Eine weitere Erklärung: Warum zu den Frauen? Damit sie ihre Söhne zur Tora führen.

Rabbi Tachlifa aus Cäsarea sagte: Der Schöpfer sprach: „Als Ich die Welt erschuf, gab Ich nur Adam haRishon ein Gebot. Danach erhielt Eva ein Gebot, doch sie übertrat es und verdarb die Welt. Wenn Ich jetzt nicht zuerst die Frauen rufe, werden sie die Tora außer Kraft setzen.“ Deshalb heißt es: „So sollst du zum Haus Jakob sprechen.“2

Dies gilt es zu verstehen:

1) Warum beeilen sich Frauen mehr mit den Mizwot als Männer?

2) Warum muss man die Frauen zuerst ansprechen, damit sie ihre Söhne zur Tora führen? Würden sie denn nicht zustimmen, ihre Söhne zur Tora zu führen, wenn man zuerst die Männer anspräche?

3) Es klingt, als fürchtete Er gewissermaßen, die Frauen könnten die Welt verderben, wenn Er ihnen nicht die Ehre erweist, sie den Männern voranzustellen.

4) Wie kann man sagen, Eva habe das Gebot übertreten und die Welt verdorben, weil der Schöpfer Adam haRishon dadurch ehrte, dass Er ihm vor Eva ein Gebot gab? Das klingt, als hätte Eva sich dafür gerächt.

Im Sinne der spirituellen Arbeit lässt sich dies so erklären: Mann und Frau gibt es in ein und demselben Menschen. Wenn der Mensch handelt, um zu empfangen und seinen Mangel zu füllen – also seine weibliche Seite –, wird er „Frau“ genannt. Wenn er dagegen handelt, um zu geben, wird er „Mann“ genannt.

Bekanntlich ist der ganze Mensch nichts anderes als ein Verlangen zu empfangen. Die Arbeit beginnt daher mit dem Verlangen zu empfangen; dies heißt lo liShma (nicht um des Gebens willen). Danach gelangt man zu liShma (um des Gebens willen).

Daher lautet die Reihenfolge: „So sollst du zum Haus Jakob sprechen“ – das sind die Frauen. „Sage ihnen die Grundzüge der Dinge“, also den Beginn der Arbeit. Man darf ihnen nämlich nicht sagen, dass man liShma arbeiten muss, weil der Mensch nicht mit liShma beginnen kann.

Danach folgt: „Und verkünde es den Söhnen Israels“ – das sind die Männer, die bereits liShma arbeiten können, also um zu geben. „Sage ihnen die Einzelheiten der Dinge, denn diese können sie hören“: Sie sind bereits fähig, von liShma zu hören, und müssen nun bei allem genau darauf achten, dass es ausschließlich liShma geschieht. Das bedeuten die Worte „die Einzelheiten der Dinge“.

Eine andere Erklärung: Warum zuerst zu den Frauen? Weil sie sich mit den Mizwot beeilen – also mit lo liShma. Wenn jemand beabsichtigt, für seine Arbeit eine Gegenleistung zu erhalten, treibt der Körper ihn zur Eile an. Bei der Arbeit, die dem Geben dient, ist der Körper dagegen nicht einmal bereit, den Menschen arbeiten zu lassen, geschweige denn, ihn anzutreiben.

Wenn der Mensch seine Arbeit also mit der Absicht zu empfangen beginnt, gewöhnt er sich daran, zügig zu arbeiten. Später kann ihm diese Gewohnheit auch dienen, wenn er anfängt, mit der Absicht zu geben zu arbeiten, denn das Kli [Gefäß] der Eile hat er bereits während lo liShma erworben.

Eine weitere Erklärung lautet: „Damit sie ihre Söhne zur Tora führen.“ Sohn und Vater bedeuten hier Ursache und Folge. Wenn zunächst die Ursache des Empfangens vorhanden ist, bewirkt sie, dass der Mensch weitere Handlungen in Tora und Mizwot ausführen will.

Beim Geben fällt es dem Körper dagegen schwer, die Kraft für weitere Anstrengungen aufzubringen; jedes Mal ist eine neue Überwindung nötig. lo liShma hingegen gibt ihm immer wieder die Kraft, weiterzumachen.

Indem sich der Mensch während der Vorbereitungszeit an die Arbeit gewöhnt, verfügt er bereits über Gefäße, die für die Arbeit bereitstehen, wenn er den Weg des Gebens einschlägt.

Bei der Erschaffung der Welt erhielt Adam haRishon zuerst das Gebot. Dies entspricht den Worten des heiligen Sohar, Adam haRishon habe nichts von dieser Welt besessen. Das heißt, ihm fehlte die Eigenschaft des Empfangens vollständig, denn er war WaK der ersten neun Eigenschaften.3

In dieser Hinsicht war daher alles in Ordnung. Doch durch seine Einbeziehung in das Verlangen zu empfangen, das als die Eigenschaft Evas bezeichnet wird, kam das Empfangen hinzu. Dafür besaß er nicht die Vorbereitung durch lo liShma. Denn nur in dieser Reihenfolge kann man das Verlangen zu empfangen einbeziehen, sodass das Empfangen dem Geben dient.

Als er daher zum Verlangen zu empfangen gelangte, das als die Eigenschaft der Frau bezeichnet wird, hatte er liShma bereits aus seiner eigenen Eigenschaft heraus erlangt, denn seine Wurzel sind Gefäße des Gebens. Deshalb übertrat sie das Gebot und verdarb die Welt: Ihr fehlte die Schulung durch lo liShma für die Eigenschaft des Verlangens zu empfangen. So schrieb Maimonides, dass man liShma nicht auf einmal offenbaren darf, sondern nur nach und nach.4

Als er der Frau liShma offenbarte, übertrat sie daher sofort das Gebot und verdarb die Welt. Deshalb muss man die Frau – also die Frauen – zuerst ansprechen und ihnen nur die Grundzüge der Dinge sagen, nämlich lo liShma.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026


  1. 2. Mose 19:3. ↩

  2. Shemot Rabba 28:2. ↩

  3. Vgl. Sohar sowie Baal HaSulam, „Einführung in das Buch Panim Meirot uMasbirot“; der hebräische Ausgangstext nennt keine genauere Fundstelle. ↩

  4. Maimonides, Mischne Tora, Hilchot Teshuwa 10:5. ↩