30. Wende dich vom Bösen ab und tue Gutes – 1
Die Arbeit des Menschen beginnt mit „Tue Gutes“. Dann kann er auch „Wende dich vom Bösen ab“1 erfüllen. Denn aufgrund seiner Erziehung kann er das Böse nicht als böse erkennen. Vielmehr sehnt er sich danach, die Begierden seines Herzens zu stillen, weil es ihm großen Genuss bereitet, seine Wünsche zu erfüllen.
Wenn man ihm sagt, dass es böse ist, die Begierden seines Herzens zu stillen, weiß er nicht, warum. Vielmehr muss er über dem Verstand glauben, dass es etwas Böses ist und dass man sich von diesem Weg abwenden muss.
Ebenso empfindet er nichts Gutes, wenn er sich daranmacht, „Tue Gutes“ zu erfüllen, etwa indem er sich in Zizit (Gebetsschal) hüllt. Denn beim Tragen der Zizit verspürt er keinen Genuss, aufgrund dessen er sagen könnte, dies sei gut. Vielmehr muss er auch hier über dem Verstand glauben, dass es etwas Gutes ist.
Wenn er später jedoch diesen Weg über dem Verstand geht, sowohl in Bezug auf das Gute als auch auf das Böse, wird ihm vom Himmel ein gewisser Geschmack an „Tue Gutes“ gegeben. In dem Maß, in dem er beim Erfüllen der gebietenden Mizwot Gutes empfindet, beginnt er auch, in bösen Dingen einen schlechten Geschmack wahrzunehmen. Dann hat er bereits eine gute Empfindung bei „Tue Gutes“ und eine schlechte Empfindung bei „Wende dich vom Bösen ab“. So hat er Lohn und Strafe in dieser Welt.
Anders ist es bei denen, die arbeiten, um Lohn zu empfangen. Aufgrund ihres Glaubens an Lohn und Strafe erfüllen sie „Wende dich vom Bösen ab“. Obwohl sie in den Begierden ihres Herzens Genuss empfinden, halten sie sich dennoch von diesen Genüssen fern, damit sie in der Kommenden Welt keine Strafen erleiden.
Ebenso kann er, wenn er „Tue Gutes“ erfüllt, auch die gebietenden Mizwot ausführen, obwohl er dabei keinen Geschmack empfindet. Da er jedoch glaubt, dass er dafür Lohn erhalten wird, hat er die Kraft, sie zu erfüllen.
Wenn er hingegen arbeiten will, ohne Lohn zu empfangen, stellt sich die Frage: Warum erfüllt er „Wende dich vom Bösen ab und tue Gutes“? Natürlich muss er verstehen, dass dies das Gebot des Königs ist. Doch wozu braucht der König das? Schließlich hat Er keinen Mangel, sodass Ihm die Tora und die Mizwot der Unteren fehlen würden.
Vielmehr ist dies gewiss für uns da, nämlich damit wir uns selbst korrigieren. Dann beginnt der Mensch zu prüfen, welchen Nutzen er davon hat. Deshalb besteht die erste Arbeit im Glauben über dem Verstand. Danach erhält er Hilfe vom Himmel, die „Leuchten von oben“ genannt wird, bis er NaRaNChaY (Nefesh, Ruach, Neshama, Chaja und Yechida) auf der Stufe seiner Seele erlangt.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026
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Psalmen 34:15. ↩