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Kabbala Bibliothek Startseite / Rabash / Aufzeichnungen / 28. Die Erde fürchtete sich und wurde still

28. Die Erde fürchtete sich und wurde still

Rabbi Chiskija sagte: „Was bedeutet das Geschriebene: ‚Vom Himmel ließest Du Gericht hören; die Erde fürchtete sich und wurde still‘?1 Wenn sie sich fürchtete, warum wurde sie still? Und wenn sie still wurde, warum fürchtete sie sich? Vielmehr fürchtete sie sich zuerst, und am Ende wurde sie still.“

Und warum fürchtete sie sich? So erklärte es Resh Lakish. Resh Lakish sagte: „Was bedeutet das Geschriebene: ‚Und es wurde Abend, und es wurde Morgen, der sechste Tag‘? Wozu brauche ich das zusätzliche He? Es lehrt, dass der Schöpfer mit den Werken des Schöpfungsanfangs eine Bedingung vereinbarte und zu ihnen sagte: Wenn Israel die Tora annimmt, werdet ihr bestehen; wenn aber nicht, führe Ich euch in Chaos und Öde zurück.“2

Man muss verstehen, was das Gericht ist, von dem geschrieben steht: „Vom Himmel ließest Du Gericht hören.“ Was bedeutet „Gericht“? Bekanntlich liegt die Ursache der Schöpfung in Seinem Willen, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Damit jedoch Anhaftung (Dwekut), also Gleichheit der Form, möglich ist, erfolgte die Einschränkung (Zimzum), die ein Verbergen ist. Am Ort des Empfangens entstand dadurch ein Gericht: Die Fülle wird nur unter der Bedingung vollständig herangezogen, dass man die Absicht auf das Geben ausrichten kann.

Das ist die Bedeutung von „Vom Himmel ließest Du dieses Gericht hören“. Deshalb fürchtete sich die Erde.

„Erde“ bezeichnet Malchut, die ein empfangendes Gefäß (Kli) ist. Denn „Erde“ (Erez) ist vom Wort „Verlangen“ (Razon) abgeleitet, wie unsere Weisen über den Vers „Die Erde lasse Gras hervorsprießen“ sagten: Sie wollte den Willen ihres Erschaffers tun.3 Und worin besteht ihre Furcht? Vielleicht kann sie die Absicht nicht auf das Geben ausrichten. Denn Malchut wird Versammlung Israels (Knesset Israel) genannt. Das bedeutet, dass sie ganz Israel umfasst, da alle Seelen aus Malchut hervorgehen.

Da nun alle Geschöpfe aus dem Empfangen hervorgehen und vom Himmel das Gericht zu hören war, dass man nicht für das Empfangen empfangen darf, sondern nur um zu geben – wie können dann die Unteren die Absicht auf das Geben ausrichten?

Daraus folgt: Obwohl alle Werke des Schöpfungsanfangs dazu dienten, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, können die Geschöpfe daraus keine Gefäße empfangen. Somit würden alle Schöpfungswerke zu „Chaos und Öde“ werden.

Man muss verstehen, was „Wenn aber nicht, führe Ich euch in Chaos und Öde zurück“ bedeutet: In welches Chaos und welche Öde wird Er sie zurückführen? Nach den Worten des ARI fand das Zerbrechen in der Welt Nekudim statt: Die Gefäße zerbrachen, weil sie für das Empfangen empfingen. Danach kam die Welt der Korrektur, die ABYA genannt wird, und die Gefäße wurden so korrigiert, dass sie auf das Geben ausgerichtet sind.

All diese Korrekturen, die auf das Geben ausgerichtet sind, müssen die Geschöpfe vollziehen, damit sie das Gute und den Genuss empfangen können. Doch wie können die Unteren, die ihrer Natur nach nur zum Empfangen erschaffen wurden, gegen ihre Natur handeln? Deshalb fürchtete sich die Erde, also Malchut, dass sie den Unteren wegen ihrer Trennung und ihrer Formverschiedenheit nichts geben könnte.

Damit die Unteren jedoch einen Weg haben, die empfangenden Gefäße so umzuwandeln, dass sie auf das Geben ausgerichtet sind, erschuf Er die Tora. Unsere Weisen sagten: „Ich erschuf den Bösen Trieb (Jezer haRa), Ich erschuf die Tora als Gewürz.“4 Durch die Kraft der Tora kann man das Böse unterwerfen, wie unsere Weisen sagten: „Das Licht in ihr führt ihn zum Guten zurück.“

Das bedeutet, dass Er mit den Werken des Schöpfungsanfangs die Bedingung vereinbarte: Wenn Israel die Tora annimmt, werdet ihr bestehen. Dann wird nämlich das Schöpfungsziel erfüllt – Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Wenn aber nicht, führe Ich euch in Chaos und Öde zurück, also in den Zustand, der in der Welt Nekudim herrschte.

Als Israel daher die Tora annahm, „wurde sie still“, denn durch die Tora konnten sie die empfangenden Gefäße so korrigieren, dass sie auf das Geben ausgerichtet sind. Sie „wurde still“, weil nun das Gute und der Genuss verwirklicht werden. Das ist das Schöpfungsziel: Seinen Geschöpfen Gutes zu tun.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026


  1. Psalmen 76:9. ↩

  2. 1. Mose 1:31; Schabbat 88a. ↩

  3. 1. Mose 1:11; Chullin 60b. ↩

  4. Kiddushin 30b. ↩