4. Wenn eine Jungfrau, die einem Mann verlobt ist
„Wenn eine junge Jungfrau einem Mann verlobt ist und ein Mann sie in der Stadt trifft und bei ihr liegt.“
Man kann erklären, dass die heilige Shechina (göttliche Gegenwart) „junge Frau“ genannt wird. Es gibt drei Zustände: frei, verlobt und verheiratet.
Im unbelebten Zustand der Heiligkeit (Kedusha) wird sie „frei“ genannt. Denn alles, was der Mensch für sie tut, geschieht nur, um eine Belohnung zu empfangen – entweder in dieser Welt oder in der Kommenden Welt. Er weiß aber, dass die heilige Shechina ihm unterworfen ist, nämlich seinem Selbstempfang. Daher wird sie „frei“ genannt, weil sie auf niemanden angewiesen ist.
Er will vielmehr, dass sie auf ihn angewiesen ist. Deshalb kann er im unbelebten Zustand seine Arbeit fortsetzen, ohne etwas zu beschädigen.
Wenn er jedoch beginnt, in der pflanzlichen Stufe zu arbeiten, ihm also bereits bekannt ist, dass man sich mit Tora und Mizwot im Geben beschäftigen muss, wird die heilige Shechina als „einem Mann verlobt“ betrachtet, nämlich dem Schöpfer. Denn der Mensch muss daran arbeiten, die Vereinigung des Schöpfers und der Shechina herzustellen.
Wenn jemand bei ihr liegt, also Genuss von ihr empfangen will und im Empfangen zu arbeiten beginnt, obwohl er weiß, dass das Empfangen bereits verboten ist, weil sie mit dem Schöpfer verlobt ist, dann gilt: „Ihr sollt beide steinigen.“
Für die heilige Shechina an sich gilt: „Kein Gedanke erfasst Ihn überhaupt.“ Alles, wovon hier gesprochen wird, bezieht sich nur auf den erlangenden Menschen. Deshalb wird der Mensch zur Steinigung verurteilt: Fremde Gedanken zerschmettern ihm das Gehirn, und er stirbt. Das heißt, er verliert die gesamte Lebenskraft der Heiligkeit. Auch die heilige Shechina fällt für ihn in den Staub. Er sieht also, dass in ihr keinerlei Leben ist und dass es niemanden gibt, für den es sich zu arbeiten lohnt.
Und darüber steht geschrieben: „die junge Frau, weil sie in der Stadt nicht schrie“ (dies bezieht sich auf den Ausspruch, dass der Baum rief: „Du Frevler, rühre mich nicht an!“). „In der Stadt“ bedeutet: zu der Zeit, als er ein großes Erwachen hatte und mit gewaltiger Begeisterung arbeitete. Da „schrie die junge Frau nicht“; das heißt, in dieser Arbeit wurde keine Sünde empfunden. Vielmehr wollte er diese Arbeit in Form des Selbstempfangs auf ewig fortsetzen. Deshalb fügte er ihr selbst Schaden zu.
Daher sieht er nun, dass in ihr keinerlei Lebenskraft ist und dass es sich nicht lohnt, für sie zu arbeiten. Unsere Weisen sagten: „Die Schlange kam zu Eva und warf Suhama (Schmutz) in sie.“ Mein Vater und Lehrer erklärte, dass „Suhama“ als „Su-Ma“ gelesen werden kann, also: „Dies – was?“, wie in: „Was ist euch diese Arbeit?“ Das ist die Bedeutung von: „Und sie starben beide.“
„Wenn der Mann sie aber auf dem Feld trifft“: Dies bezeichnet die Arbeit auf dem Feld – den Zustand, in dem er während der Arbeit bei ihr liegt. Er beschäftigt sich also mit Tora und Mizwot, um zu empfangen, und weiß, dass dies verboten ist, weil sie, wie gesagt, einem Mann verlobt ist. Dann gilt: „Der jungen Frau aber sollst du nichts tun … denn auf dem Feld hat er sie getroffen; die junge Frau schrie … und niemand rettete sie.“ Er empfindet also, dass sie schreit: „Du Frevler, rühre mich nicht an!“ Das heißt, es ist verboten, in der Form des Empfangens zu arbeiten.
„Und niemand rettete sie“ bedeutet, dass der Mensch die Form des Empfangens, die „Feld“ genannt wird, nicht überwinden kann. Wenn er jedoch während der Arbeit das Empfangen überwinden will, bleibt die heilige Shechina am Leben. Er sieht also ihre Größe und Wichtigkeit.
Für jeden, der sich an diese Arbeit des Gebens anheftet, gibt es in ihr Leben. Er selbst aber stirbt, weil er die Lebenskraft, die er aus ihr gezogen hat, für sich selbst empfängt. Dann behauptet er, er könne in dieser Arbeit nicht weitermachen.
Er sagt, nur jemand, der mit einem scharfen Verstand, guten Eigenschaften und einem aufrechten Wesen geboren wurde, könne diese Arbeit fortsetzen. Er selbst sei jedoch mit schlechten Eigenschaften geboren worden und könne diese Arbeit deshalb nicht fortführen. Dies bedeutet, dass er gestorben ist: Ihm fehlt nun der Brennstoff, um seine Arbeit fortzusetzen und in ihr Leben zu haben.
Doch der Schöpfer belebt in Seiner großen Barmherzigkeit die Toten mit großem Erbarmen. Der Mensch steht wieder auf, bis er mehrere Lebenskreisläufe durchlaufen hat – sei es in einem Körper oder in mehreren Körpern –, entsprechend dem Geheimnis: „Kein Verstoßener wird von Ihm verstoßen.“ Schließlich wird er gewürdigt, sich dieser Stufe für immer anzuheften.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026