110. Ein Feld, das der Ewige gesegnet hat
Ich hörte im Jahr 1943.
„Ein Feld, das der Ewige gesegnet hat.“ (1. Mose 27,27) Die heilige Shechina (göttliche Gegenwart) wird „Feld“ genannt. Manchmal wird aus dem Feld (Sade, שדה) eine Lüge (Sheker, שקר)1. Denn das Waw (ו) im Hej (ה) steht für die Seele, während das Dalet (ד) für die heilige Shechina steht. Wenn die Seele in sie gekleidet ist, heißt sie Hej. Wenn der Mensch jedoch dem Glauben etwas hinzufügen will, zieht er das Waw nach unten, und daraus wird ein Kuf (ק). Dann wird aus dem Dalet ein Resh (ר): Aus dem Zustand eines Armen und Bedürftigen, der etwas hinzufügen will, wird Resh. Das ist das Geheimnis des Verses: „In seinem Königtum wird ein Armer geboren“ (Prediger 4,14) – aus dal (arm) wird rash (mittellos). Das geschieht, weil der Mensch ein böses Auge in sich aufnimmt, sowohl in Mocha (Verstand) als auch in Liba (Herz). Darin liegt das Geheimnis von „Das Wildschwein aus dem Wald zerwühlt ihn“ (Psalm 80,14): Das Auge ist schwebend, denn es kehrt zu den Resten zurück; die Sitra Achra (die andere Seite) wird künftig zu einem heiligen Engel.
Das ist das Geheimnis des Verses: „Die Herrlichkeit des Ewigen währe ewig.“ (Psalm 104,31) Denn der Mensch gelangt in den Zustand der „Tiere des Waldes“ (chajto ya’ar) (Psalm 104,20) – ya’ar (Wald) im Sinne von iro, „seine Stadt“ –, das heißt, seine ganze Lebenskraft (Chajut) wird ausgegossen, und er stärkt sich jedes Mal aufs Neue; so wird er des Zustands „ein Feld, das der Ewige gesegnet hat“ würdig. Dann wird aus einem bösen Auge ein gutes Auge.
Das ist die Bedeutung des „schwebenden Auges“: Es hängt in der Schwebe und bleibt ungewiss, ob es ein böses oder ein gutes Auge ist. Darin liegt auch die Bedeutung, dass es zu den Resten zurückkehrt. Das ist das Geheimnis von „Eins gegenüber dem anderen“. Unsere Weisen sagten dazu: „Vor Ihm gab es keine solche Freude wie an dem Tag, an dem Himmel und Erde erschaffen wurden.“ (Megilla 10b)
Der Grund ist, dass am Ende „der Ewige Einer sein wird und Sein Name einer“ (Sacharja 14,9). Das ist das Schöpfungsziel. Beim Schöpfer (gepriesen sei Er) sind Vergangenheit und Zukunft gleich. Daher betrachtet der Schöpfer die Schöpfung in ihrer endgültigen Form, so wie sie am Ende der Korrektur (Gmar Tikun) sein wird. Bereits in der Welt Ejn Sof (Unendlichkeit) sind alle Seelen mit ihrer ganzen Vollkommenheit eingeschlossen, die sie am Ende der Korrektur erlangen werden. Ihre vollkommene Form ist dort schon vorhanden, und nichts fehlt.
Nur bei den Empfangenden zeigt sich, dass sie noch vollenden müssen, was ihnen zu vollenden auferlegt ist. Das ist die Bedeutung von „was Gott erschaffen hat, um zu machen“ (1. Mose 2,3): die Mängel und der Zorn. Darin liegt das Geheimnis dessen, was unsere Weisen sagten: „Ein Jähzorniger erlangt nichts außer seinem Jähzorn.“ (Kidushin 41a) Ebenso sagten sie: „Jeder Gierige wird zornig.“ Denn dies zeigt die wahre Gestalt des Verlangens zu empfangen – wie verwerflich es in seiner eigentlichen Form ist.
Alle Korrekturen dienen dazu, das Verlangen zu empfangen so umzuwandeln, dass es mit der Absicht zu geben arbeitet; darin besteht die gesamte Arbeit der Unteren. Bevor die Welt erschaffen wurde, galt: „Er und Sein Name sind Eins.“ Obwohl Sein Name bereits aus „Er“ hervorgegangen war, sich nach außen offenbart hatte und schon „Sein Name“ genannt wurde, blieb alles dennoch eins. Das ist das Geheimnis von „Eins gegenüber dem anderen“.
korrigiert, EY, Schreibnorm v1, 12.10.2026
-
Zieht man in der hebräischen Schreibweise des Wortes „Feld“ (שדה) den Strich (bzw. den Buchstaben Waw) im Buchstaben Hej nach unten, so wird aus dem Hej ein Kuf; aus dem Dalet wird ein Resh. Es entsteht das Wort שקר – Lüge. ↩