126. Der Weise kommt in die Stadt
Ich hörte im Jahr 1947.
„Der Weise kommt in die Stadt.“ (vgl. Sprüche 21, 22)
„Der Weise“ bezeichnet den Schöpfer. Er kommt in die Stadt: An Schawuot offenbart Er Sich der Welt.
„Der Faule sagt: Ein Löwe ist auf dem Weg (Sprüche 26, 13). Vielleicht ist der Weise nicht zu Hause, vielleicht ist die Tür verschlossen.“ (vgl. Midrash Rabba, Dwarim 8) In Wahrheit unsere Weisen sagten: „Wenn du dich bemüht und nicht gefunden hast, glaube es nicht.“ (Megilla 6b) Wenn jemand also sieht, dass er die Nähe zum Schöpfer noch nicht gefunden hat, sagt man ihm, er habe sich gewiss nicht in der richtigen Weise bemüht. Deshalb nennt ihn der Vers einen „Faulen“.
Warum hat er sich nicht bemüht? Wenn er doch die Nähe zum Schöpfer sucht, weshalb will er keine Anstrengung auf sich nehmen? Selbst etwas Materielles erlangt man schließlich nicht ohne Anstrengung. In Wahrheit will er sich anstrengen, nur sagt er: „Ein Löwe ist auf dem Weg.“ Damit ist die Sitra Achra gemeint, wie geschrieben steht: „Ein Löwe lauert im Verborgenen.“ (Klagelieder 3, 10) Wer den Weg des Schöpfers beginnt, begegnet dem Löwen, der auf diesem Weg liegt. Und wer an ihm scheitert, kann sich nicht wieder erheben.
Deshalb fürchtet er sich anzufangen, denn wer könnte den Löwen besiegen? Man sagt ihm darauf: „Es gibt keinen Löwen auf dem Weg“, denn es steht geschrieben: „Es gibt nichts außer Ihm.“ Außer Ihm gibt es keine andere Kraft, gemäß dem Geheimnis des Verses: „Gott hat es so gemacht, dass man Ihn fürchte.“ (Prediger 3,14)
Dann bringt er einen anderen Vorwand vor: Vielleicht ist der Weise nicht zu Hause. Sein Haus bezeichnet Nukwa, die heilige Shechina. Er kann also nicht mit Sicherheit wissen, ob er auf dem Weg der Heiligkeit (Kedusha) geht oder nicht.
Darum sagt er, vielleicht sei der Weise – also der Schöpfer – nicht zu Hause. Mit anderen Worten: Dieses Haus gehört nicht Ihm, es gehört nicht zur Heiligkeit. Woher soll er wissen, dass er auf dem Weg der Heiligkeit geht? Darauf sagt man ihm: „Der Weise ist zu Hause“, wie es heißt: „Die Seele des Menschen wird ihn lehren.“1 So wird er schließlich erkennen, dass er auf dem Weg der Heiligkeit geht.
Nun sagt er: „Vielleicht ist die Tür verschlossen“, sodass man nicht in das Innere des Palastes eintreten kann, gemäß dem Ausspruch: „Nicht jeder, der den Schöpfer annehmen will, kann kommen und Ihn annehmen.“ (Brachot 16b) Darauf antwortet man ihm: „Die Tür ist nicht verschlossen.“ Wir sehen doch, dass viele Menschen würdig wurden, in das Innere des Palastes einzutreten.
Dann erwidert er: „So oder so werde ich nicht gehen.“ Das bedeutet: Wenn er faul ist und sich nicht bemühen will, wird er scharfsinnig und beginnt zu argumentieren, weil er meint, man erschwere ihm damit nur die Arbeit.
In Wahrheit sieht jemand, der sich bemühen will, genau das Gegenteil: Er sieht, dass viele Erfolg hatten. Wer sich dagegen nicht bemühen will, sieht, dass es Menschen gibt, die keinen Erfolg hatten. Doch auch ihr Misserfolg beruht darauf, dass sich an ihnen zeigte, dass sie sich nicht bemühen wollten. Weil er aber faul ist und sein Handeln nur rechtfertigen und als richtig darstellen will, stellt er so viele kluge Untersuchungen an wie ein Weiser. In Wahrheit muss man das Joch von Tora und Mizwot ohne jegliche Einwände und Streitgespräche auf sich nehmen. Dann wird man Erfolg haben.
korrigiert, EY, Schreibnorm v1, 12.10.2026
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Aus den Aussprüchen des Baal Shem Tov. ↩