87. Schabbat Shekalim
Ich hörte am 7. März 1948.
Am Schabbat Shekalim (dem Schabbat, an dem der Abschnitt Shekalim gelesen wird), als er zum Kiddush (Segensspruch über den Wein) hereinkam, sagte er: „Bei den Admorim (chassidischen geistlichen Führern) in Polen gab es den Brauch, dass alle Wohlhabenden am Schabbat Shekalim zu ihrem Lehrer kamen, um von ihm Shekalim (Schekelmünzen) zu empfangen.“
Er sagte, dies weise darauf hin, dass Amalek nicht ohne Shekalim ausgelöscht werden kann. Denn bevor man Shekalim empfängt, gibt es die Klipa (Schale) Amaleks noch nicht. Nimmt man jedoch Shekalim, erscheint die große Klipa, die Amalek genannt wird. Dann beginnt die Arbeit, Amalek auszulöschen; vorher gibt es nichts auszulöschen.
Er fügte eine Erklärung zu den Worten des Maggid von Koschnitz1 über das Ne’ila-Gebet (Schlussgebet an Jom Kippur) hinzu: „Du hast den Menschen vom Anfang an ausgesondert und ihn erkannt, damit er vor Dir stehe.“ Der Maggid fragte: „Wie kann man ohne Rosh (Kopf; Anfang) stehen?“ Denn die Bedeutung ist, dass Er den Kopf vom Menschen getrennt hat. Wie kann es einen solchen Zustand geben? Die Antwort liegt in dem Vers: „Wenn du die Häupter der Kinder Israels erhebst“ (2. Mose 30,12). Dadurch zieht man den Aspekt Rosh heran: Gibt man den halben Schekel (2. Mose 30,12, Kommentar Rashi), wird man dadurch des Aspekts Rosh würdig.
Danach fragte er, warum man für den Kiddush mehr zu trinken als zu essen vorbereitet. Das entspricht nicht der Ordnung; denn es sollte „mehr Essen als Trinken“ geben, weil das Trinken das Essen lediglich ergänzt, wie es heißt: „Und du wirst essen und satt werden und segnen“ (5. Mose 8,10). Anders ist es, wenn das Trinken das Essen überwiegt. Er erklärte, dass Essen auf Chassadim und Trinken auf Chochma hinweist.
Weiter sagte er, dass der Schabbat vor dem Monat Adar den ganzen Monat Adar in sich einschließt. Deshalb heißt es: „Wenn Adar beginnt, mehrt man die Freude“ (Taanit 29a). Zwischen Schabbat und einem Jom Tow (Feiertag) besteht ein Unterschied: Schabbat wird als Liebe bezeichnet, Jom Tow als Freude. Liebe ist das Wesen, während Freude nur eine Folge ist, die aus einer Ursache hervorgeht. Die Ursache ist das Wesen; die Folge ist lediglich dessen Hervorbringung. Deshalb heißt Schabbat „Liebe und Wohlwollen“, Jom Tow dagegen „Freude und Frohlocken“.
Außerdem erklärte er die Antwort, die Rabbi Yochanan ben Sakkai seiner Frau gab: „Ich bin wie ein Fürst vor dem König, er aber – Rabbi Chanina ben Dosa – ist wie ein Diener vor dem König“ (Brachot 34b). Deshalb könne Rabbi Chanina beten. Auf den ersten Blick müsste es umgekehrt sein: Ein Fürst sollte doch mehr Einfluss auf den König ausüben können als ein Diener.
Ein „Fürst“ ist jedoch jemand, der bereits der Persönlichen Vorsehung würdig wurde. Dann sieht er keinen Raum für ein Gebet, weil alles gut ist. Ein „Diener“ dagegen befindet sich auf der Stufe von Belohnung und Strafe. Deshalb hat er Raum für ein Gebet, denn er sieht, dass er noch etwas zu korrigieren hat.
Dazu führte er eine Begebenheit aus dem Talmud an: (Bawa Mezia 85a) Ein Kalb, das zur Schlachtung geführt wurde, barg den Kopf im Gewand Rabbis und weinte. Rabbi sagte zu ihm: „Geh, dazu wurdest du erschaffen.“ Daraufhin hieß es: „Weil er kein Erbarmen zeigte, sollen Leiden über ihn kommen.“ Die Worte „Dazu wurdest du erschaffen“ bezeichnen die Persönliche Vorsehung, der nichts hinzuzufügen und nichts zu nehmen ist; dort werden selbst die Leiden als Vorzüge angesehen. Daher zog er Leiden auf sich. Die Gemara berichtet, dass er durch eine Tat von den Leiden befreit wurde. Eines Tages fegte Rabbis Magd das Haus und wollte junge Wiesel fortschaffen, die sich dort befanden. Er sagte zu ihr: „Lass sie; es steht geschrieben: ‚Und Seine Barmherzigkeit ist über all Seinen Werken‘“ (Psalm 145,9). Damals erlangte er, dass auch der Aspekt des Gebets ewig bestehen bleibt. Nun hatte er Raum für ein Gebet, und deshalb wichen die Leiden von ihm.
Am Ausgang des heiligen Schabbat erklärte er, was der heilige Sohar zu dem Vers sagt: „Denn Yaakow erwählte sich den Ewigen“ (Psalm 135,4). Wer erwählte wen? Der Sohar antwortet: „Denn der Schöpfer erwählte Yaakow“ (Sohar, WaYeze, Punkt 307; Bereshit 161b). Die Frage des Sohar lautet: Wenn der Schöpfer Yaakow erwählte, dann tat Yaakow selbst nichts, sondern alles geschah unter Persönlicher Vorsehung. Wenn hingegen Yaakow erwählte, bedeutet dies, dass Yaakow der Handelnde ist – also im Rahmen von Belohnung und Strafe.
Er antwortete: Zunächst muss der Mensch auf dem Weg von Belohnung und Strafe beginnen. Wenn er diese Stufe vollendet, wird er dessen würdig und erkennt, dass alles unter Persönlicher Vorsehung steht: „Er allein vollbringt und wird alle Taten vollbringen.“ (Dreizehn Glaubensgrundsätze des Rambam, Grundsatz 1) Bevor der Mensch jedoch seine Arbeit in Belohnung und Strafe vollendet, kann er die Persönliche Vorsehung nicht verstehen.
In der Nacht zum Sonntag, nach dem Unterricht, erklärte er den Aspekt der List Yaakows. Über Yaakow steht geschrieben: „Dein Bruder kam mit List“ (1. Mose 27,35). Gewiss handelte es sich nicht um eine Lüge; sonst hätte die Schrift Yaakow nicht als den „Auserwählten unter den Urvätern“ bezeichnet, wenn er ein Lügner gewesen wäre. List bedeutet vielmehr: Ein Mensch vollbringt eine weise Handlung, doch nicht um der Weisheit selbst willen, sondern um daraus einen Nutzen zu ziehen, den er benötigt. Er sieht, dass er sein Ziel auf direktem Weg nicht erreichen kann. Deshalb handelt er weise, um das zu erlangen, was er braucht. Das wird „Weisheit“ genannt.
Dies ist die Bedeutung von „Sei listig mit Verstand“ (vgl. Sprüche 13,16): Weisheit durch den Verstand. Der Mensch möchte Weisheit nicht um der Weisheit willen erlangen, sondern weil etwas anderes ihn dazu zwingt, Chochma heranzuziehen. Er muss sie heranziehen, um Chassadim zu vervollständigen.
Bevor Chassadim Chochma erlangen, befinden sie sich im Aspekt von Katnut. Zieht der Mensch danach Chochma heran und zieht dennoch Chassadim der Chochma vor, wird erkennbar, dass Chassadim wichtiger sind als Chochma. Dies wird GaR de Bina genannt: Er verwendet Chassadim aus freier Wahl. Das ist Chochma durch Daat: In ISHSuT offenbart sich Chochma im Aspekt von WaK; in AwI offenbart sich Chochma dadurch, dass sie Chassadim aufwerten und bei Chassadim bleiben. Zwar befindet sich Bina in der Korrektur von Chafez Chessed; doch ihre Wahl von Chassadim ist wegen Zimzum Bet, wo keine Chochma vorhanden ist, nicht erkennbar. In Gadlut hingegen, wenn Chochma kommt, verwendet sie Chassadim aus freier Wahl.
korrigiert, EY, Schreibnorm v1, 12.10.2026
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Der Maggid von Koschnitz, R. Israel von Koschnitz (1737–1814), bedeutender chassidischer Lehrer, Schüler des Maggid von Mesritsch. ↩