70. Mit starker Hand und ausgegossenem Grimm
Ich hörte am 28. Juni 1943.
Um zu verstehen, was geschrieben steht: „Mit starker Hand und ausgegossenem Grimm werde Ich über euch herrschen“ (Hesekiel 20,33), muss man Folgendes klären: Es gibt doch den Grundsatz (Klal), dass es im Spirituellen keinen Zwang gibt, wie geschrieben steht: „Nicht Mich hast du angerufen, Yaakow, denn du hast dich an Mir abgemüht, Israel.“ (Jesaja 43,22) Und die Erklärung des Predigers von Dubna ist bekannt. Was bedeutet dann: „Mit starker Hand und ausgegossenem Grimm werde Ich über euch herrschen“?
Er sagte: Man muss wissen, dass nicht jeder, der in die Arbeit für den Schöpfer eintreten will, um Ihm wahrhaft anzuhaften und in den Palast des Königs zu gelangen, eingelassen wird. Vielmehr prüft man ihn: Hat er kein anderes Verlangen als das Verlangen nach Anhaftung (Dwekut), wird er eingelassen.
Und wie prüft man, ob ein Mensch nur dieses eine Verlangen hat? Man gibt ihm Hindernisse, das heißt, man schickt ihm fremde Gedanken und fremde Boten, die ihn stören sollen, damit er diesen Weg verlässt und den Weg aller Menschen einschlägt.
Wenn der Mensch jedoch alle Schwierigkeiten überwindet und alle Zäune durchbricht, die ihm als Hindernisse errichtet werden, und wenn Kleinigkeiten ihn nicht zurückstoßen können, dann schickt ihm der Schöpfer mächtige Klipot (Schalen) und Merkawot (Streitwagen). Sie sollen ihn irreführen und davon abhalten, einzutreten und sich allein an den Schöpfer – und an nichts anderes – anzuhaften. Das nennt man: „Mit starker Hand stößt der Schöpfer ihn zurück.“ Denn wenn der Schöpfer Seine starke Hand nicht zeigt, ist es schwer, ihn zurückzustoßen, weil er ein starkes Verlangen hat, sich allein an den Schöpfer und an nichts anderes anzuhaften.
Hat jemand dagegen kein so starkes Verlangen, dann stößt ihn der Schöpfer, wenn Er ihn zurückstoßen will, schon durch eine Kleinigkeit zurück: Er gibt ihm eine große Begierde nach dem Materiellen, und der Mensch verlässt bereits die gesamte Heilige Arbeit. Es ist nicht nötig, ihn mit starker Hand zurückzustoßen.
Wenn der Mensch hingegen die Schwierigkeiten und Hindernisse überwindet, kann man ihn nicht leicht zurückstoßen, sondern nur mit starker Hand. Und wenn er sogar die starke Hand überwindet, unter keinen Umständen vom Ort der Heiligkeit weichen will, sondern gerade danach verlangt, sich Ihm wahrhaft anzuhaften, und dennoch sieht, dass er zurückgestoßen wird, dann sagt er, dass „Grimm über ihn ausgegossen ist“. Sonst würde man ihn eintreten lassen. Doch weil vom Schöpfer her „Grimm über ihn ausgegossen ist“, lässt man ihn nicht in den Palast des Königs eintreten und sich Ihm anhaften.
Bevor der Mensch so weit ist, dass er von seinem Platz nicht weichen will, sondern sich Bahn bricht und eintreten will, kann man folglich nicht sagen, dass er spürt, wie „ausgegossener Grimm auf ihm ruht“. Erst nach all den Zurückweisungen – wenn man ihn zurückstößt und er dennoch nicht von seinem Platz weicht, wenn sich also die starke Hand und der ausgegossene Grimm bereits an ihm gezeigt haben – erfüllt sich: „Ich werde über euch herrschen.“ Denn nur durch sein Vordringen und seine großen Anstrengungen wird ihm das Königtum des Himmels offenbart, und er wird dessen würdig, in das Innere des Palasts des Königs einzutreten.
korrigiert, EY, Schreibnorm v1, 12.10.2026