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Kabbala Bibliothek Startseite / Baal HaSulam / Shamati / Shamati 57. Er soll ihn nach seinem Willen darbringen

57. Er soll ihn nach seinem Willen darbringen

Ich hörte am 6. Februar 1944.

Zu dem Vers „Er soll ihn nach seinem Willen darbringen“​ (3. Mose 1,3) legten unsere Weisen aus: „Wie geschieht das? Man zwingt ihn, bis er sagt: ‚Ich will.‘“​ (Bawa Batra 47b, 48a) Ebenso müssen wir verstehen, was wir beten: „Möge es Wille sein.“ Denn „mehr als das Kalb saugen will, will die Kuh säugen“​ (Pessachim 112a). Wozu müssen wir dann beten: „Möge oben Wille sein“?

Um Fülle von oben herabzuziehen, muss zunächst eine Erweckung von unten (Itaruta de Letata) vorausgehen. Man muss fragen: Wozu brauchen wir eine Erweckung von unten? Darum beten wir: „Möge oben Wille sein.“ Das heißt, wir müssen den Willen oben erwecken, nach unten zu geben. Denn es genügt nicht, dass wir ein Verlangen haben; auch aufseiten des Gebenden muss ein guter Wille vorhanden sein.

Obwohl oben ein allgemeiner Wille besteht, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, wartet Er dennoch auf unser Verlangen, damit es Seinen Willen erweckt. Wenn wir nicht fähig sind, Seinen Willen zu erwecken, ist das ein Zeichen dafür, dass das Verlangen aufseiten des Empfangenden noch nicht vollkommen ist. Gerade dadurch, dass wir beten: „Möge oben Wille sein“, formt sich unser Verlangen und wird zu einem wahren Verlangen – zu einem geeigneten Gefäß (Kli), das die Fülle empfangen kann.

Zugleich müssen wir sagen, dass alle unsere Taten, die schlechten wie die guten, von oben ausgehen – dies ist die Persönliche Vorsehung – und dass der Schöpfer alles tut. Dennoch müssen wir die schlechten Taten bedauern, obwohl auch sie von oben ausgehen. Der Verstand gebietet, dass wir sie nicht bedauern dürfen, sondern das Urteil rechtfertigen müssen, durch das uns die schlechten Taten zukommen. Doch umgekehrt müssen wir bedauern, dass Er uns nicht erlaubt, gute Taten zu vollbringen. Das ist gewiss eine Strafe: Wir sind nicht würdig, dem König zu dienen. Wenn aber alles unter Vorsehung steht, wie kann man dann sagen, dass wir nicht würdig sind, da es unten überhaupt keine Handlung gibt? Deshalb werden uns schlechte Gedanken und Verlangen gegeben, die uns von der Arbeit für den Schöpfer entfernen, weil wir nicht würdig sind, Ihm zu dienen. Darum entsteht hierfür ein Gebet. Dieses Gebet ist der Ort der Korrektur: Dadurch werden wir würdig und fähig, die Arbeit für den König auf uns zu nehmen.

So wird uns auch verständlich, wie ein Gebet wegen irgendeiner Not – Gott bewahre – möglich ist. Die Not kommt gewiss als Strafe, und Strafen sind gewiss Korrekturen; denn es gilt die Regel, dass die Strafe eine Korrektur ist. Wie können wir dann beten, dass der Schöpfer unsere Korrekturen aufhebt? Unsere Weisen legten den Vers „damit dein Bruder nicht vor deinen Augen verächtlich werde“​ (5. Mose 25,3) so aus: Sobald er geschlagen wurde, ist er dein Bruder (siehe 5. Mose 25,3, Kommentar Rashi).

Man muss jedoch wissen, dass das Gebet den Menschen noch mehr korrigiert als Strafen. Wenn daher anstelle der Strafe das Gebet hervortritt, werden die Leiden beseitigt, und das Gebet tritt an ihre Stelle, um den Körper zu korrigieren. Das ist die Bedeutung dessen, was unsere Weisen sagten: „Wurde er würdig – durch die Tora; wurde er nicht würdig – durch Leiden.“ Man muss wissen, dass der Weg der Tora erfolgreicher ist und mehr Gewinn bringt als der Weg der Leiden. Denn die Gefäße, die geeignet werden, das Obere Licht zu empfangen, sind weiter; durch ihre Kraft kann man der Anhaftung (Dwekut) an Ihn würdig werden.

Dies ist die Bedeutung von „Man zwingt ihn, bis er sagt: ‚Ich will.‘“ Der Schöpfer sagt also: „Ich will die Taten der Unteren.“

Die Bedeutung des Gebets liegt in dem, was unsere Weisen sagten: „Der Schöpfer sehnt Sich nach dem Gebet der Gerechten“​ (Jewamot 64a). Durch das Gebet bereiten wir die Gefäße so vor, dass der Schöpfer anschließend die Fülle geben kann, denn nun gibt es ein geeignetes Gefäß, das die Fülle empfangen kann.

korrigiert, EY, Schreibnorm v1, 12.10.2026