37. Ein Artikel zu Purim
Ich hörte im Jahr 1948.
In der Megilla sind mehrere Einzelheiten zu klären:
1) Es steht geschrieben: „Nach diesen Ereignissen erhob der König Haman.“ (Ester 3,1) Wir müssen verstehen, was „nach diesen Ereignissen“ bedeutet. Nachdem Mordechai den König gerettet hatte, müsste der König der Vernunft nach Mordechai erheben. Doch was steht geschrieben? Dass er Haman erhob.
2) Als Ester zum König sagte: „Denn wir sind verkauft worden, ich und mein Volk“ (Ester 7,4), fragte der König: „Wer ist es, und wo ist er?“ (Ester 7,5) Daraus geht hervor, dass der König von nichts wusste. Es steht jedoch ausdrücklich geschrieben, dass der König zu Haman sagte: „Das Silber sei dir gegeben und auch das Volk, damit du mit ihm tust, was in deinen Augen gut ist.“ (Ester 3,11) Wir sehen also, dass der König sehr wohl von dem Verkauf wusste.
3) Über die Worte „nach dem Willen eines jeden“ (Ester 1,8) sagten unsere Weisen: „Rava sagte: zu handeln nach dem Willen Mordechais und Hamans.“ (Megilla 12a) Bekanntlich bezieht sich das Wort „König“, wenn es ohne nähere Bestimmung steht, auf den König der Welt. Wie kann es dann sein, dass der Schöpfer nach dem Willen eines Frevlers handelt?
4) Es steht geschrieben: „Und Mordechai wusste alles, was geschehen war.“ (Ester 4,1) Das klingt, als hätte nur Mordechai davon gewusst. Doch zuvor steht geschrieben: „Und die Stadt Shushan war bestürzt.“ (Ester 3,15) Demnach wusste die ganze Stadt Shushan davon.
5) Es steht geschrieben: „Denn eine Schrift, die im Namen des Königs geschrieben und mit dem Siegelring des Königs versiegelt wurde, kann nicht widerrufen werden.“ (Ester 8,8) Wie konnte er danach zweite Briefe ausstellen, die letztlich die ersten Briefe annullieren?
6) Was bedeutet die Aussage unserer Weisen: „Ein Mensch ist verpflichtet, sich an Purim zu berauschen, bis er nicht mehr zwischen ‚Verflucht sei Haman‘ und ‚Gesegnet sei Mordechai‘ unterscheiden kann“ (Megilla 7b)?
7) Was bedeutet die Aussage unserer Weisen zu den Worten „Und das Trinken war nach dem Gesetz“ (Ester 1,8)? Was heißt „nach dem Gesetz“? „Rabbi Chanan sagte im Namen von Rabbi Meir: nach dem Gesetz der Tora. Was ist die Ansicht der Tora? Mehr Essen als Trinken.“ (Megilla 12a)
Um das Gesagte zu verstehen, müssen wir zunächst die Angelegenheit von Haman und Mordechai verstehen. Unsere Weisen deuteten die Worte „nach dem Willen eines jeden“ auf Haman und Mordechai. Man kann erklären, dass Mordechais Wille „das Gesetz der Tora“ genannt wird: mehr Essen als Trinken. Hamans Wille ist das Gegenteil: mehr Trinken als Essen. Wir fragten: Wie kann es sein, dass er ein Festmahl nach dem Willen eines Frevlers veranstaltet? Die Antwort darauf steht gleich daneben: „Niemand wurde gezwungen.“ Das bedeutet, dass das Trinken nicht erzwungen war; dies ist die Bedeutung von „Niemand wurde gezwungen“.
Dies entspricht dem, was unsere Weisen über den Vers sagten: „Und Moshe verbarg sein Angesicht, denn er fürchtete sich hinzublicken.“ (2. Mose 3,6) Sie sagten: Als Lohn dafür, dass „Moshe sein Angesicht verbarg“, wurde er der Worte „Und das Bild des Ewigen schaut er“ (4. Mose 12,8) würdig (Brachot 7a). Das bedeutet: Gerade wenn er die Sache nicht benötigt – wenn er also einen Schirm (Massach) darüber errichten kann –, darf er empfangen.
Darüber steht geschrieben: „Ich habe einem Helden Hilfe gewährt.“ (Psalm 89,20) Das heißt: Wer ein Held ist und auf den Wegen des Schöpfers gehen kann, dem gewährt der Schöpfer Hilfe. Deshalb steht geschrieben: „Und das Trinken war nach dem Gesetz.“ (Ester 1,8) Was heißt „nach dem Gesetz“? Weil es keinen Zwang gab. Das bedeutet, dass er das Trinken nicht benötigte. Nachdem sie jedoch zu trinken begonnen hatten, wurden sie vom Trinken mitgezogen. Sie waren nun an das Trinken gebunden und benötigten es; sonst konnten sie nicht weitergehen. Das heißt Zwang, und dies bedeutet, dass sie Mordechais Weg außer Kraft setzten.
Das ist die Bedeutung der Aussage unserer Weisen, jene Generation sei zur Vernichtung verurteilt worden, weil sie das Festmahl jenes Frevlers genossen hatte. Hätten sie, wie oben erklärt, das Trinken ohne Zwang angenommen, hätten sie Mordechais Willen nicht annulliert. Das ist der Weg Israels. Als sie das Trinken später jedoch unter Zwang annahmen, verurteilten sie selbst das Gesetz der Tora – die Eigenschaft Israel – zur Vernichtung. Das ist die Bedeutung von „mehr Essen als Trinken“. Denn Trinken bezeichnet die Enthüllung von Chochma, die „Wissen“ genannt wird. Essen hingegen heißt Licht von Chassadim, und dies ist Glaube.
Dies ist auch die Bedeutung von Bigtan und Teresh, die Hand an den König der Welt legen wollten (Ester 2,21). „Und die Sache wurde Mordechai bekannt; die Sache wurde untersucht und bestätigt.“ (Ester 2,22–23) Die Untersuchung geschah nicht auf einmal. Mordechai erlangte dies nicht leicht, sondern erst nach großer Arbeit wurde ihm dieser Makel enthüllt. Nachdem er ihm eindeutig enthüllt worden war, wurden beide gehängt. Das heißt: Nachdem der darin liegende Makel empfunden worden war, wurden sie gehängt – diese Handlungen und Verlangen wurden aus der Welt entfernt.
„Nach diesen Ereignissen“ bedeutet: nach all der Mühe und Anstrengung, die Mordechai durch seine Klärung aufgewandt hatte. Der König wollte ihn für seine Mühe belohnen, da er nur liShma und nicht zu seinem eigenen Nutzen arbeitete. Es gilt jedoch der Grundsatz, dass der Untere nichts empfangen kann, ohne es zu benötigen, denn „es gibt kein Licht ohne ein Kli“, und Kli bedeutet Mangel. Da Mordechai für sich selbst nichts benötigte, wie konnte man ihm etwas geben?
Angenommen, der König hätte Mordechai gefragt, was er ihm für seine Mühe geben solle: Mordechai war ein Gerechter, dessen ganze Arbeit nur auf das Geben ausgerichtet war. Er hatte kein Bedürfnis, in den Stufen aufzusteigen, sondern begnügte sich mit wenig. Der König aber wollte ihm das Licht von Chochma geben, das von der Linken Linie ausgeht, während Mordechais Arbeit ausschließlich von der Rechten Linie ausging.
Was tat der König? Er erhob Haman, das heißt, er machte die Linke Linie wichtig. Dies ist die Bedeutung von „Und er setzte seinen Sitz über alle Fürsten“ (Ester 3,1). Außerdem gab er ihm die Herrschaft: Alle Diener des Königs knieten vor Haman nieder und verneigten sich vor ihm, denn so hatte es der König angeordnet (Ester 3,2), damit Haman die Herrschaft empfinge. Und alle fügten sich ihm, denn das Niederknien bedeutet, die Herrschaft anzunehmen.
Hamans Weg in der Arbeit gefiel ihnen mehr als Mordechais Weg. Alle Juden in Shushan nahmen Hamans Herrschaft an, bis es ihnen schwerfiel, Mordechais Ansicht zu verstehen. Schließlich versteht jeder, dass die Arbeit, auf der Linken Linie zu gehen, die „Wissen“ genannt wird, der leichtere Weg ist, auf den Wegen des Schöpfers zu gehen.
Wie geschrieben steht, fragten sie: „Warum übertrittst du das Gebot des Königs?“ (Ester 3,3) Als sie sahen, dass Mordechai an seiner Ansicht festhielt, auf den Wegen des Glaubens zu gehen, gerieten sie in Verwirrung und wussten nicht, wer recht hatte. Sie gingen zu Haman und fragten ihn, wer recht habe, wie geschrieben steht: „Und sie berichteten Haman, um zu sehen, ob Mordechais Worte Bestand haben würden, denn er hatte ihnen gesagt, dass er Jude sei.“ (Ester 3,4) Der Weg des Juden besteht also darin, dass das Essen das Trinken überwiegt – das heißt, die Hauptsache ist der Glaube. Darin liegt das ganze Fundament des Judentums.
Dies störte Haman sehr: Warum stimmte Mordechai seiner Ansicht nicht zu? Alle sahen nun Mordechais Weg: Er behauptete, nur er gehe auf dem Weg des Judentums, während jemand, der einen anderen Weg geht, bereits als Götzendiener gilt. Darauf bezieht sich, was geschrieben steht: „Doch all dies ist mir nichts wert, solange ich Mordechai, den Juden, im Tor des Königs sitzen sehe.“ (Ester 5,13) Denn Mordechai behauptet, nur sein Weg sei das Tor des Königs, nicht der Weg Hamans.
Damit verstehen wir, warum geschrieben steht: „Und Mordechai wusste“ – was bedeutet, dass gerade Mordechai wusste. Es steht doch geschrieben: „Und die Stadt Shushan war bestürzt.“ (Ester 3,15) Demnach wussten alle davon.
Doch wie oben erklärt, waren die Bewohner der Stadt Shushan bestürzt und wussten nicht, wer recht hatte. Mordechai aber wusste: Wenn Haman herrschen würde, bedeutete dies – Gott bewahre – die Vernichtung des Volkes Israel. Haman würde das ganze Israel aus der Welt auslöschen, also den Weg des Judentums im Volk Israel, dessen Arbeitsgrundlage der Glaube über dem Verstand ist, „bedeckte Chassadim“ genannt: mit geschlossenen Augen mit dem Schöpfer zu gehen und immer über sich selbst zu sagen: „Augen haben sie und sehen nicht.“ (Psalm 115,5) Denn Hamans ganzer Halt liegt in der Linken Linie, die „Wissen“ genannt wird und das Gegenteil des Glaubens ist.
Dies ist die Bedeutung davon, dass Haman Lose warf, ähnlich wie am Jom Kippur, wie geschrieben steht: „Ein Los für den Schöpfer und ein Los für Asasel.“ (3. Mose 16,8) Das Los für den Schöpfer ist die Rechte Linie, nämlich Chassadim, die „Essen“ genannt werden, und dies ist Glaube. Das Los für Asasel hingegen ist die Linke Linie. Sie ist an sich eine Eigenschaft, die für nichts taugt, und von hier geht die ganze Sitra Achra (andere Seite) aus. Daher geht von der Linken Linie eine Blockierung der Lichter aus, denn die Linke Linie lässt die Lichter erstarren.
Dies ist die Bedeutung von „Er warf Pur, das ist das Los.“ (Ester 3,7) Der Text erklärt also, was er warf, und sagt „Pur“, was Pi Or (Mund des Lichts) bedeutet – seiner Aussprache nach Pi Or. Durch das Los für Asasel wurden alle Lichter verschlossen; so warf er alle Lichter hinab. Haman dachte: „Der Gerechte bereitet vor, doch der Frevler kleidet sich damit.“ Haman meinte, er werde den Lohn an sich nehmen, der Mordechai und all seinen Freunden für ihre ganze Arbeit und Mühe zustand.
Das heißt, Haman dachte, er werde alle Lichter, die durch Mordechais Korrekturen enthüllt werden, in seine Herrschaft nehmen. All dies dachte er, weil er sah, dass der König ihm die Herrschaft gegeben hatte, das Licht von Chochma nach unten herabzuziehen. Als er deshalb zum König kam, um die Juden vernichten zu lassen – also die Herrschaft Israels, die Glaube und Chassadim ist, zu annullieren und das Wissen in der Welt offenzulegen –, antwortete ihm der König: „Das Silber sei dir gegeben und auch das Volk, damit du mit ihm tust, was in deinen Augen gut ist.“ (Ester 3,11) Das heißt: was in Hamans Augen gut ist, entsprechend seiner Herrschaft, die Linke und Wissen ist.
Der ganze Unterschied zwischen den ersten und den zweiten Briefen liegt in dem Wort „Juden“. In der Abschrift des Erlasses – Abschrift bedeutet der Inhalt, der vom König ausging; anschließend fügt man der Abschrift Erläuterungen hinzu, die die Absicht der Abschrift erklären – stand geschrieben: „In jeder Provinz als Gesetz zu erlassen, allen Völkern offenbar, damit sie für diesen Tag bereit seien.“ (Ester 3,14) Es stand jedoch nicht geschrieben, wer „bereit sein“ sollte.
Nur Haman gab der Abschrift ihre Auslegung, wie geschrieben steht: „Und es wurde alles geschrieben, was Haman geboten hatte.“ (Ester 3,12) In den zweiten Briefen dagegen steht das Wort „Juden“, wie geschrieben steht: „Die Abschrift des Schreibens, in jeder Provinz als Gesetz zu erlassen, allen Völkern offenbar; und die Juden sollten bereit sein für diesen Tag, um sich an ihren Feinden zu rächen.“ (Ester 8,13)
Als Haman daher vor den König trat, sagte der König zu ihm: Das Silber, das im Voraus bereitgestellt wurde, sei dir gegeben. Du brauchst also keine weitere Handlung hinzuzufügen, denn auch das Volk ist dir gegeben, „damit du mit ihm tust, was in deinen Augen gut ist“. Das Volk will bereits tun, was in deinen Augen gut ist; es will deine Herrschaft annehmen. Der König hatte ihm jedoch nicht gesagt, Mordechais und der Juden Herrschaft zu annullieren. Vielmehr war im Voraus vorbereitet worden, dass gerade jetzt Chochma enthüllt würde – dies bedeutet „wie einer, der Anmut in deinen Augen findet“.
In der Abschrift des Erlasses stand: „In jeder Provinz als Gesetz zu erlassen, allen Völkern offenbar.“ Das Gesetz bestand also darin, dass es offenbar werden sollte: Die Enthüllung von Chochma ist für alle Völker bestimmt. Es stand jedoch nicht geschrieben, dass die Eigenschaft Mordechais und der Juden – der Glaube – annulliert werden sollte. Die Absicht war vielmehr, Chochma zu enthüllen und sie dennoch Chassadim wählen zu lassen.
Haman sagte: Da jetzt die Zeit der Enthüllung von Chochma ist, wurde Chochma gewiss nicht enthüllt, damit man sie nicht nutzt. Denn wer tut etwas, das nicht genutzt werden soll? Würde man sie nicht nutzen, wäre die Handlung umsonst gewesen. Sicherlich ist dies also der Wille des Schöpfers: Der Schöpfer bewirkte diese Enthüllung, damit Chochma genutzt werde.
Mordechais Argument lautete dagegen: Die Enthüllung dient nur dazu, zu zeigen, dass sie die Rechte Linie – bedeckte Chassadim – nicht deshalb auf sich nehmen, weil sie keine Wahl haben. Sonst sähe ihr Weg wie Zwang aus: Sie hätten keine andere Möglichkeit, weil Chochma derzeit nicht enthüllt wäre. Jetzt aber, da Chochma enthüllt ist, können sie aus freiem Willen wählen. Sie ziehen den Weg von Chassadim der Linken, also der Enthüllung von Chochma, vor. Die Enthüllung erfolgte demnach nur, damit sie die Bedeutung von Chassadim offenbaren können: Chassadim sind ihnen wichtiger als Chochma.
Darüber sagten unsere Weisen: „Bis hierher unter Zwang, von hier an aus freiem Willen.“ Dies ist die Bedeutung von „Die Juden bestätigten und nahmen es auf sich“ (siehe Ester 9,27). Die ganze Enthüllung von Chochma erfolgte jetzt also nur, damit sie den Weg des Juden aus freiem Willen annehmen konnten.
Darin bestand der Streit zwischen Mordechai und Haman. Mordechai sagte: Dass wir jetzt sehen, wie der Schöpfer die Herrschaft von Chochma enthüllt, geschieht nicht, damit sie Chochma empfangen, sondern damit Chassadim an Bedeutung gewinnen. Nun können sie zeigen, dass sie Chassadim aus freiem Willen empfangen. Es besteht die Möglichkeit, Chochma zu empfangen, denn jetzt herrscht die Linke Linie, die Chochma leuchten lässt; dennoch wählen sie Chassadim. Indem sie jetzt Chassadim empfangen, zeigen sie, dass die Rechte über die Linke herrscht. Die Hauptsache ist also das Gesetz der Juden.
Haman behauptete das Gegenteil: Der Schöpfer enthüllt jetzt die Linke Linie, die Chochma ist, damit Chochma genutzt werde. Andernfalls hätte der Schöpfer eine Handlung umsonst vollbracht – Er hätte etwas getan, ohne dass jemand davon Genuss hätte. Daher solle man nicht darauf achten, was Mordechai sagt; alle müssten auf Haman hören und die jetzt enthüllte Chochma nutzen.
Demnach hoben die zweiten Briefe die ersten nicht auf, sondern gaben eine Erläuterung und Auslegung der ersten Abschrift: „allen Völkern offenbar“ bedeutet, dass die jetzt leuchtende Chochma für die Juden enthüllt wurde. Dadurch sollten die Juden Chassadim aus freiem Willen wählen können und nicht, weil es keine Wahl gäbe, einen anderen Weg zu gehen. Deshalb steht in den zweiten Briefen geschrieben: „Und die Juden sollten bereit sein für diesen Tag, um sich an ihren Feinden zu rächen.“
Wie oben erklärt, herrscht Chochma jetzt, um zu zeigen, dass sie Chassadim Chochma vorziehen. Das heißt, „sich an ihren Feinden zu rächen“, denn ihre Feinde wollen gerade Chochma, während die Juden Chochma zurückweisen.
Damit verstehen wir unsere Frage zu den Worten des Königs: „Wer ist es, und wo ist der, dessen Herz sich erfüllt hat, dies zu tun?“ (Ester 7,5) Warum fragte er? Der König selbst hatte doch zu Haman gesagt: „Das Silber sei dir gegeben und auch das Volk, damit du mit ihm tust, was in deinen Augen gut ist.“ (Ester 3,11) (Wie oben erklärt, bedeutet dies: Chochma wurde enthüllt, damit das Volk tut, was in deinen Augen gut ist, sodass Raum für eine Wahl besteht. Dies heißt: „auch das Volk, damit du mit ihm tust, was in deinen Augen gut ist“. Denn ohne Enthüllung von Chochma gibt es keinen Raum für eine Wahl; dann scheint es, als würden sie Chassadim nur deshalb annehmen, weil es keine andere Möglichkeit gibt.) All dies geschah also kraft des Gebots des Königs, dass jetzt die Zeit der Enthüllung von Chochma sein sollte.
Die Absicht war, dass die Linke der Rechten dienen sollte. Dadurch sollte allen sichtbar werden, dass die Rechte wichtiger ist als die Linke, denn deshalb wählen sie Chassadim. Dies ist das Geheimnis der Megillat Ester (Ester-Rolle). Auf den ersten Blick ist dies ein Widerspruch: Megilla bedeutet, dass sie allen offenbart ist, während Ester bedeutet, dass eine Verhüllung besteht. Wie oben erklärt, dient jedoch die ganze Enthüllung dazu, Raum für die Wahl der Verhüllung zu geben.
Nun verstehen wir die Aussage unserer Weisen: „Ein Mensch ist verpflichtet, sich an Purim zu berauschen, bis er nicht mehr zwischen ‚Verflucht sei Haman‘ und ‚Gesegnet sei Mordechai‘ unterscheiden kann.“ (Megilla 7b) Die Geschichte von Mordechai und Ester ereignete sich vor dem Bau des Zweiten Tempels. Der Bau des Tempels bezeichnet das Ausdehnen von Chochma, und Malchut wird „Tempel“ genannt.
Dies ist die Bedeutung davon, dass Mordechai Ester aufforderte, zum König zu gehen und für ihr Volk zu bitten. Sie antwortete: „Alle Diener des Königs … jeder, der ungerufen kommt: Ein Gesetz gilt für ihn – er muss sterben … und ich bin seit dreißig Tagen nicht gerufen worden, zum König zu kommen.“ (Ester 4,11) Bekanntlich ist es verboten, GaR von Chochma nach unten herabzuziehen. Wer dennoch GaR ausdehnt – drei Sefirot, von denen jede zehn umfasst, zusammen also dreißig –, wird zum Tod verurteilt, denn die Linke Linie bewirkt eine Trennung vom Leben der Leben. „Nur der, dem der König das goldene Zepter entgegenstreckt, bleibt am Leben.“ Gold bezeichnet Chochma und GaR.
Nur durch eine Erweckung von oben kann man also am Leben bleiben, das heißt in der Anhaftung, die „Leben“ genannt wird; nicht aber durch eine Erweckung von unten. Obwohl Ester Malchut ist und Chochma benötigt, darf dies nur durch eine Erweckung von oben geschehen. Dehnt sie selbst Chochma aus, verliert sie ihre ganze Eigenschaft.
Darauf antwortete Mordechai ihr: (wenn) „Rettung und Befreiung werden den Juden von einem anderen Ort erstehen.“ Das heißt, sie würden die Linke Linie vollständig annullieren, und den Juden bliebe allein die Rechte Linie – Chassadim. Dann aber „wirst du samt dem Haus deines Vaters zugrunde gehen“ (Ester 4,14). Denn nach dem Geheimnis „Der Vater gründete die Tochter“ muss Chochma in ihr sein. Das Essen muss jedoch das Trinken überwiegen. Wenn die Juden aber keinen Ausweg haben, werden sie gezwungen sein, die Linke Linie vollständig zu annullieren. Dann würde Esters ganze Eigenschaft annulliert.
Darauf sagte sie: „Wenn ich umkomme, so komme ich um.“ (Ester 4,16) Das heißt: Wenn ich gehe, bin ich verloren, denn ich könnte in die Trennung geraten. Wie oben erklärt, bewirkt eine Erweckung von unten eine Trennung vom Leben der Leben. Wenn ich aber nicht gehe, dann „werden Rettung und Befreiung den Juden von einem anderen Ort erstehen“ – auf einem anderen Weg, indem sie die Linke Linie vollständig annullieren, wie Mordechai ihr gesagt hatte.
Deshalb wählte sie Mordechais Weg und lud Haman zum Festmahl ein. Das bedeutet, dass sie die Linke Linie herabzog, wie Mordechai ihr geboten hatte. Danach schloss sie die Linke in die Rechte ein. Auf diese Weise können die Lichter unten enthüllt werden, während man zugleich in Anhaftung bleibt. Dies ist das Geheimnis der Megillat Ester: Obwohl das Licht von Chochma bereits enthüllt ist, wählt sie dennoch die dort vorhandene Verhüllung, denn Ester bedeutet Verhüllung.
Die Bedeutung von „nicht unterscheiden“ wird im Talmud Esser haSefirot (Teil 15, S. 1817, Or Pnimi) erklärt. Obwohl die Lichter von Chochma leuchteten, können sie ohne das Licht von Chassadim nicht empfangen werden, denn dies führt zur Trennung. Doch „es geschah ein Wunder durch die Worte des Fastens und ihr Schreien“: Sie zogen das Licht von Chassadim aus und konnten daraufhin das Licht von Chochma empfangen. Vor dem Ende der Korrektur gibt es so etwas nicht. Da diese Eigenschaft jedoch vom Ende der Korrektur stammt, wenn bereits alles korrigiert sein wird, wie im Sohar geschrieben steht: „Samael wird künftig ein heiliger Engel sein“ (Sohar, Noach, Punkt 130), besteht dann kein Unterschied zwischen Haman und Mordechai. Auch Haman wird korrigiert sein. Darauf weist die Aussage hin: „Ein Mensch ist verpflichtet, sich an Purim zu berauschen, bis er nicht mehr zwischen ‚Verflucht sei Haman‘ und ‚Gesegnet sei Mordechai‘ unterscheiden kann.“ (Megilla 7b)
Zu den Worten „Dann hängten sie“ ist hinzuzufügen: Dies weist auf „Sie hängten sie an einen Baum“ hin. Sie verstanden, dass dies dieselbe Sünde wie die Sünde am Baum der Erkenntnis war, denn auch dort lag der Makel in GaR. Zu „im Tor des Königs sitzend“ (Ester 5,13) kann man hinzufügen: Es weist darauf hin, dass er sitzt und nicht steht, denn Sitzen heißt WaK, Stehen aber GaR.
korrigiert, EY, Schreibnorm v1, 12.10.2026