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24. Aus der Hand der Frevler rettet Er sie

Ich hörte am 25. Juli 1944.

In der Schrift heißt es: „Die ihr den Ewigen liebt, hasst das Böse … aus der Hand der Frevler rettet Er sie.“​ (Psalm 97,10) Und er fragte: Welcher Zusammenhang besteht zwischen „hasst das Böse“ und „aus der Hand der Frevler rettet Er sie“?

Um dies zu verstehen, müssen wir zunächst die Worte unserer Weisen anführen: „Die Welt wurde nur entweder für vollkommene Gerechte oder für vollkommene Frevler erschaffen.“​ (Brachot 61b) Und er fragte: Soll sich die Erschaffung der Welt für vollkommene Frevler gelohnt haben, für einen nicht vollkommenen Gerechten aber nicht?

Er antwortete, dass es vom Schöpfer aus nichts in der Welt gibt, das zwei Bedeutungen hat; dies besteht nur vonseiten der Empfangenden, also gemäß ihrer Empfindung. Mit anderen Worten: Die Empfangenden verspüren in der Welt entweder einen guten Geschmack oder einen schlechten und bitteren Geschmack. Denn bevor man etwas tut, bedenkt man die Handlung im Voraus, da niemand ohne Ziel handelt: Man will entweder seinen gegenwärtigen Zustand verbessern oder jemandem schaden. Belanglose Dinge aber sind eines zielgerichtet Handelnden nicht würdig.

Daher hängt die Beurteilung der Wege, auf denen der Schöpfer die Welt lenkt, von der Empfindung der Empfangenden ab; danach bestimmen sie, ob diese gut oder schlecht sind.

Und deshalb verstehen die Menschen, die den Schöpfer lieben, dass das Schöpfungsziel darin bestand, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Damit sie dies empfinden können, erkennen sie, dass dieses Empfinden gerade durch Anhaftung (Dwekut) und Annäherung an den Schöpfer erlangt wird. Wenn sie daher irgendeine Entfernung seitens des Schöpfers empfinden, nennen sie dies schlecht. In einem solchen Zustand betrachtet der Mensch sich als Frevler, denn einen Zwischenzustand gibt es nicht. Entweder empfindet er die Wirklichkeit des Schöpfers und Seine Vorsehung, oder – Gott bewahre – es scheint ihm, als sei „die Erde in die Hand eines Frevlers gegeben“​ (Hiob 9,24).

Da er in sich spürt, dass er ein wahrhaftiger Mensch ist – dass er sich also nicht selbst täuschen und behaupten kann, er empfinde etwas, obwohl er es nicht empfindet –, beginnt er sogleich zum Schöpfer zu schreien, Er möge Sich seiner erbarmen und ihn aus dem Netz der Sitra Achra (der anderen Seite) und von allen fremden Gedanken befreien. Und da sein Schrei aus der Wahrheit kommt, hört der Schöpfer sein Gebet. (Vielleicht ist dies die Bedeutung von „Der Schöpfer ist allen nahe, die Ihn in Wahrheit anrufen“​ (Psalm 145,18).) Dann „rettet Er sie aus der Hand der Frevler“.

Solange er sein wahres Wesen – also das Ausmaß des Bösen in ihm – nicht in einem Maß empfindet, das ausreicht, ihn wegen der großen Leiden, die er bei der Erkenntnis seines Bösen fühlt, zum Schrei an den Schöpfer zu bewegen, ist er noch nicht würdig, gerettet zu werden. Denn er hat das Gefäß (Kli), durch das das Gebet erhört werden kann und das „aus der Tiefe des Herzens“ genannt wird, noch nicht enthüllt; er meint nämlich, in ihm sei noch etwas Gutes.

Das heißt, er dringt nicht bis in die Tiefe seines Herzens vor. Tief in seinem Herzen meint er, noch etwas Gutes zu besitzen, und achtet nicht darauf, mit welcher Liebe und Ehrfurcht er sich zur Tora und zu den Mizwot verhält. Deshalb sieht er die Wahrheit nicht.

korrigiert, EY, Schreibnorm v1, 12.10.2026