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Kabbala Bibliothek Startseite / Baal HaSulam / Shamati / Shamati 5. Lishma ist eine Erweckung von oben. Warum brauchen wir eine Erweckung von unten?

5. Lishma ist eine Erweckung von oben. Warum brauchen wir eine Erweckung von unten?

Ich hörte im Jahr 1945.

Wie man li­Shma erreicht, das zu verstehen liegt nicht in der Hand des Menschen. Denn der menschliche Verstand vermag nicht zu ergründen, wie es so etwas auf unserer Welt geben kann. Denn bei allem, was man dem Menschen zu verstehen gibt – dass er etwas erlangt, wenn er sich mit Tora und Mizwot (Gebote) beschäftigt –, muss darin ein Eigennutzen liegen, weil der Mensch sonst nicht in der Lage ist, irgendetwas zu tun.

Vielmehr ist dies eine Erleuchtung von oben, und nur wer dies kostet, kann wissen und verstehen. Darum steht geschrieben: „Kostet und seht, dass der Ewige gut ist.“​ (Psalm 34,9) Demnach ist zu fragen, wozu der Mensch nach Rat und Mitteln suchen muss, wie er li­Shma erreichen kann. Letzten Endes werden ihm keine Ratschläge helfen. Denn wenn der Schöpfer dem Menschen nicht die zweite Natur gibt, die das Verlangen zu geben genannt wird, wird ihm keine Mühe helfen, li­Shma zu erlangen.

Die Antwort ist, wie unsere Weisen sagten: „Es liegt nicht an dir, die Arbeit zu vollenden, und du hast auch nicht die Freiheit, dich ihrer zu entledigen.“​ (Pirkei Awot 2,16) Das heißt: Dem Menschen obliegt es, die Erweckung von unten hervorzubringen, denn diese besteht im Gebet.

Ein Gebet bedeutet Mangel, und ohne Mangel gibt es auch keine Füllung. Wenn jemand daher das Bedürfnis nach li­Shma hat, dann kommt die Füllung von oben, und dann wird das Gebet Oben erhört und der Mensch erhält die Füllung seines Mangels. Um daher li­Shma vom Schöpfer zu erhalten, ist die Arbeit des Menschen nur in der Form des Mangels und eines Kli [Gefäß] nötig. Die Füllung kann der Mensch jedoch niemals von allein erlangen; vielmehr ist dies ein Geschenk Gottes.

Das Gebet muss jedoch vollkommen sein. Es muss aus der Tiefe des Herzens kommen. Der Mensch muss deshalb hundertprozentig sicher sein, dass ihm auf der Welt niemand außer dem Schöpfer selbst helfen kann.

Doch woher weiß man, dass niemand außer dem Schöpfer selbst einem helfen kann? Diese Erkenntnis erlangt man erst, wenn man alle Kräfte eingesetzt hat, die einem zur Verfügung stehen, und es nichts geholfen hat. Deshalb muss der Mensch alle in der Welt denkbaren Handlungen unternehmen, um die Stufe „um des Himmels willen“ zu erlangen. Dann kann er aus der Tiefe seines Herzens beten, und der Schöpfer erhört sein Gebet.

Wenn man sich anstrengt, zu li­Shma zu gelangen, muss man den Wunsch auf sich nehmen, die Arbeit ausschließlich dem Geben zuliebe zu verrichten, und zwar in vollkommener Weise, also nur zu geben und nichts zu empfangen. Erst dann beginnt man zu sehen, dass die Organe dieser Ansicht nicht zustimmen.

Daraus gelangt man zur Erkenntnis, dass es keinen anderen Rat gibt, als sein Flehen vor dem Schöpfer auszuschütten, damit Er einem helfen möge, den Körper dazu zu bringen, sich bedingungslos dem Schöpfer zu unterwerfen. Denn man sieht, dass man selbst nicht in der Lage ist, seinen Körper zu überzeugen, sich vollkommen zu annullieren. Es stellt sich heraus, dass genau dann, wenn man sieht, dass nicht zu hoffen ist, dass der Körper von sich aus einwilligt, für den Schöpfer zu arbeiten, das Gebet aus tiefstem Herzen kommen kann. Und ein solches Gebet wird erhört.

Man muss wissen, dass man durch die Erlangung von li­Shma seinen Bösen Trieb (Jezer haRa) tötet, weil der Böse Trieb das Verlangen zu empfangen darstellt. Und dadurch, dass man das Verlangen zu geben erlangt, wird das Verlangen zu empfangen aufgelöst und handlungsunfähig gemacht.

Das bedeutet, dass man ihn tötet. Wenn der Böse Trieb seiner Aufgabe entledigt wurde und er nichts mehr zu tun hat, weil man sich seiner nicht mehr bedient, wird dies als seine Tötung definiert.

Und wenn der Mensch sich selbst Rechenschaft ablegt: „Welchen Lohn hat der Mensch von der Arbeit unter der Sonne?“, wird er sehen, dass es gar nicht so schwer ist, sich der Arbeit für den Schöpfer zu unterwerfen. Das hat zwei Gründe:

Einerseits muss jeder, ob er will oder nicht, sich in dieser Welt anstrengen. Doch was bleibt von all diesen investierten Mühen?

Andererseits empfängt jeder, der li­Shma arbeitet, während seiner Arbeit auch Genuss. Wie im Gleichnis des Maggid von Dubno1, das von folgendem Vers handelt: „Aber nicht Mich hast du angerufen, Yaakow, dass du dich um Mich bemüht hättest, Israel.“​ (Jesaja 43,22)

Er sagt, dies gleiche einem reichen Mann, der aus dem Zug steigt und nur eine kleine Tasche hat. Er legt sie an die Stelle, an der alle Kaufleute ihr Gepäck abstellen. Die Kofferträger nehmen die Gepäckstücke von dort und bringen sie in das Hotel, in dem sich die Kaufleute aufhalten.

Da der Gepäckträger dachte, der reiche Mann würde seine kleine Tasche selber tragen und keinen Träger benötigen, nahm er sich eines großen und schweren Koffers an. Als der reiche Mann dem Träger aus Gewohnheit ein kleines Entgelt gab, wollte dieser es nicht annehmen und sagte: „Ich habe einen großen und schweren Koffer in das Lager des Hotels getragen, bin dadurch sehr müde geworden, und es hat mich viel Mühe gekostet, Ihren Koffer zu schleppen. Und jetzt wollen Sie mich mit einem solch kleinen Entgelt entlohnen?“

Die Auslegung des Gleichnisses lautet: Wenn jemand behauptet, er hätte viele Mühen und Anstrengungen in die Erfüllung von Tora und Mizwot investiert, sagt der Schöpfer zu ihm: „Aber nicht Mich hast du angerufen, Yaakow.“ Das heißt, nicht meinen Koffer hast du getragen, sondern das Gepäck von jemand anderem. Da du gesagt hast, dass du große Anstrengungen in Tora und Mizwot investiert hast, war deine Arbeit sicherlich für einen anderen Geschäftsherrn. Geh deshalb zu ihm, damit er dich entlohnt.

Das ist die Bedeutung von: „dass du dich um mich bemüht hättest, Israel.“ Das heißt: Wer für den Schöpfer arbeitet, empfindet keine Mühe, sondern im Gegenteil Genuss und große Begeisterung.

Wer aber für andere Ziele arbeitet als für den Schöpfer, kann sich nicht beim Schöpfer beklagen, dass Er ihm keine Lebenskraft (Chajut) für seine Arbeit gibt. Denn er arbeitete nicht für den Schöpfer, damit dieser ihm den Lohn für seine Arbeit bezahlen möge. Stattdessen kann sich der Mensch bei denen beklagen, für die er gearbeitet hat, damit sie ihm Lebenskraft und Genuss geben.

Da es viele Ziele in lo li­Shma gibt, sollte der Mensch von dem Ziel, für das er gearbeitet hat, Lohn verlangen, das heißt Genuss und Lebenskraft. Darüber wird gesagt: „Die sie gemacht haben, sollen ihrem Machwerk gleichen – alle, die auf sie vertrauen.“​ (Psalm 115,8)

Aber demnach ist das schwer zu verstehen, denn wir sehen doch, dass sogar einer, der das Joch des Königtums des Himmels ohne eine andere Absicht [als für den Schöpfer] auf sich nimmt, dennoch keinerlei Lebenskraft spürt, sodass man sagen könnte, dass ihn diese Lebenskraft verpflichten würde, das Joch des Himmlischen Königreichs auf sich zu nehmen. Doch er nimmt das Joch des Himmlischen Königreichs nur wegen des Glaubens über dem Verstand auf sich, das heißt, er tut es durch Überwindung mit Zwang und gegen seinen Willen.

Wenn dem so ist, stellt sich die Frage, warum jemand dennoch Mühe in dieser Arbeit empfindet, bei der sein Körper jeden Augenblick danach trachtet, sich dieser Arbeit zu entledigen, zumal er keine Lebenskraft darin spürt?

Gemäß dem oben Gesagten folgt, dass, während man in Demut arbeitet und kein anderes Ziel als die Absicht zu geben verfolgt, die Frage lautet: „Warum gibt der Schöpfer ihm nicht Geschmack und Lebenskraft in der Arbeit?“

Die Antwort ist: Man muss wissen, dass diese Angelegenheit eine große Korrektur ist. Würden Licht und Lebenskraft sofort leuchten, sobald man beginnt, das Joch des Himmlischen Königreichs auf sich zu nehmen, dann hätte man Lebenskraft in der Arbeit. Mit anderen Worten: Das Verlangen zu empfangen hätte dieser Arbeit auch zugestimmt. Und warum stimmt es zu? Sicherlich deshalb, weil es seine Begierde erfüllen will, das heißt, man würde um des eigenen Nutzens willen arbeiten. Wäre das der Fall, wäre es nie möglich gewesen, li­Shma zu erreichen.

Denn man wäre gezwungen, für den eigenen Nutzen zu arbeiten, da man in der Arbeit für den Schöpfer mehr Genuss als in körperlichen Begierden fühlen würde. Also müsste man in lo li­Shma verbleiben, weil man Erfüllung in der Arbeit gefunden hätte. Dort, wo es Erfüllung gibt, kann der Mensch nichts tun, denn ohne Gewinn kann man nicht arbeiten. Daraus folgt: Würde man Erfüllung in dieser Arbeit von lo li­Shma erhalten, müsste man in diesem Zustand verbleiben.

Es ist vergleichbar mit dem, was die Leute sagen: Wenn Menschen einem Dieb hinterherjagen, um ihn zu fangen, läuft auch der Dieb mit und ruft: „Haltet den Dieb!“ Dann ist es unmöglich zu erkennen, wer der wahre Dieb ist, um ihn zu fangen und ihm das Gestohlene wegzunehmen.

Aber wenn der Dieb, das heißt das Verlangen zu empfangen, keinen Geschmack und keine Lebenskraft spürt in der Arbeit, das Joch des Himmlischen Königreichs auf sich zu nehmen, und wenn man in diesem Zustand mit Glauben über dem Verstand arbeitet, sich dazu zwingt, und der Körper sich an diese Arbeit gewöhnt – also gegen den Wunsch des eigenen Verlangens zu empfangen –, dann hat man die Mittel zur Arbeit, die das Ziel verfolgt, „seinem Erschaffer Wohlgefallen zu bereiten“.

Dies deshalb, weil die hauptsächliche Forderung an einen Menschen darin liegt, durch die eigene Arbeit zur Anhaftung (Dwekut) mit dem Schöpfer zu kommen, die als Gleichheit der Form bezeichnet wird, sodass alle seine Taten in der Absicht zu geben erfolgen. Es ist so, wie der Vers sagt: „Dann wirst du dich am Schöpfer ergötzen.“​ (Jesaja 58,14) Die Deutung von „dann“ ist, dass man zuvor, am Anfang der Arbeit, keinen Genuss hatte, sondern sie unter Zwang verrichtete.

Aber nachher, wenn man sich an die Arbeit in der Absicht zu geben gewöhnt hat und nicht auf sich selbst schaut, ob man Geschmack in der Arbeit empfindet, sondern daran glaubt, dass man durch seine Arbeit seinem Erschaffer Wohlgefallen bereitet, dann muss der Mensch glauben, dass der Schöpfer die Arbeit der Unteren akzeptiert, unabhängig von der Menge und Form ihrer Arbeit. In allem prüft der Schöpfer die Absicht, und das bringt dem Schöpfer Wohlgefallen. Dann wird der Mensch gewürdigt, sich am Schöpfer zu ergötzen (siehe Psalm 37,4, Kommentar Rashi).

Sogar während der Arbeit für den Schöpfer wird der Mensch bereits Gutes und Genuss empfinden, weil er nun tatsächlich für den Schöpfer arbeitet. Die Anstrengungen, die der Mensch in der Phase der Arbeit unter Zwang unternahm, qualifizieren ihn zur aufrichtigen Arbeit für den Schöpfer. Es ergibt sich, dass auch dann der Genuss, den der Mensch empfängt, sich auf den Schöpfer bezieht, das heißt gerade für den Schöpfer.

korrigiert, EY, Schreibnorm v1, 12.10.2026


  1. Yaakow Kranz (1741–1804), Kabbalist und Gesetzeslehrer, den man wegen seiner Redekunst und seines hingebungsvollen Wirkens „Maggid“ (Prediger) nannte. ↩