<- Kabbala Bibliothek
Weiterlesen ->
Kabbala Bibliothek

20. Zum Thema liShma

Ich hörte im Jahr 1945.

Zum Thema li­Shma: Damit der Mensch li­Shma erlangt, braucht er eine Erweckung von oben, denn dies ist ein Leuchten von oben. Der menschliche Verstand kann es nicht begreifen; nur wer davon gekostet hat, weiß es. Darüber heißt es: „Kostet und seht, dass der Ewige gut ist.“​ (Psalm 34,9)

Deshalb muss der Mensch das Joch des Königtums des Himmels in äußerster Vollkommenheit auf sich nehmen: Er muss ganz auf das Geben ausgerichtet sein und darf nichts empfangen. Wenn er sieht, dass seine Glieder dieser Auffassung nicht zustimmen, bleibt ihm kein anderer Rat als das Gebet: Er soll vor dem Schöpfer sein Herz ausschütten und Ihn bitten, ihm zu helfen, damit sein Körper zustimmt, sich dem Schöpfer zu unterwerfen.

Man soll nicht sagen: Wenn li­Shma eine Gabe von oben ist, was nützen dann seine Überwindung, seine Arbeit und all die besonderen Mittel und Korrekturen, die er einsetzt, um li­Shma zu erreichen, wenn es doch vom Schöpfer abhängt? Darauf antworteten unsere Weisen: „Du bist nicht frei, dich ihr zu entziehen.“​ (Pirkei Awot 2,16) Vielmehr obliegt es dem Menschen, die Erweckung von unten hervorzubringen. Und diese besteht im Gebet.

Doch ein wahres Gebet ist unmöglich, wenn er nicht zuvor weiß, dass li­Shma ohne Gebet nicht zu erlangen ist. Daher bilden sich durch die Handlungen und besonderen Mittel, die er einsetzt, um li­Shma zu erlangen, in ihm korrigierte Gefäße, die „li­Shma“ empfangen wollen.

Dann, nach all seinen Handlungen und besonderen Mitteln, kann er ein wahres Gebet sprechen. Denn er hat gesehen, dass ihm all seine Handlungen überhaupt nicht geholfen haben. Erst dann kann er aus der Tiefe seines Herzens wahrhaft beten. Daraufhin hört der Schöpfer sein Gebet und gibt ihm die Gabe li­Shma.

Man muss auch wissen, dass er durch das Erlangen von li­Shma den Bösen Trieb (Jezer haRa) tötet. Denn als böser Trieb gilt das Empfangen zum eigenen Nutzen. Wenn er des Gebens würdig wird, annulliert er seinen eigenen Nutzen. Sterben bedeutet, dass er seine Empfangsgefäße nicht mehr zum eigenen Nutzen verwendet. Da er die Funktion des bösen Triebs annulliert hat, gilt dieser als tot.

Wenn der Mensch sich Rechenschaft darüber ablegt, was ihm all seine Mühe bringt, mit der er sich unter der Sonne abmüht, erkennt er, dass es aus zwei Gründen gar nicht so schwer ist, sich dem Schöpfer zu unterwerfen:

1) Ob er will oder nicht: Er muss sich in dieser Welt ohnehin abmühen;

2) Auch während der Arbeit empfängt er, wenn er in li­Shma arbeitet, Genuss aus der Arbeit selbst.

Dies entspricht dem Gleichnis des Predigers von Dubno über den Vers: „Nicht Mich hast du gerufen, Yaakow; denn du hast dich an Mir abgemüht, Israel.“​ (Jesaja 43,22) Das bedeutet: Wer für den Schöpfer arbeitet, empfindet keinerlei Mühe. Im Gegenteil, er empfindet Genuss und innere Erhebung.

Wer jedoch nicht für den Schöpfer arbeitet, sondern für andere Ziele, kann beim Schöpfer nicht Klage führen, weshalb Er ihm bei der Arbeit keine Lebenskraft (Chajut) gibt; denn er arbeitet für ein anderes Ziel. Nur bei dem, für den er arbeitet, kann er Klage führen und verlangen, dass dieser ihm während der Arbeit Lebenskraft und Genuss gibt. Über ihn heißt es: „Ihnen gleich werden, die sie machen, jeder, der auf sie vertraut.“​ (Psalm 115,8)

Man soll sich auch nicht fragen, warum der Mensch, wenn er das Joch des Königtums des Himmels auf sich nimmt – also arbeiten will, um dem Schöpfer zu geben –, dennoch keinerlei Lebenskraft empfindet, die ihn dazu zwingen würde, dieses Joch auf sich zu nehmen. Stattdessen muss er es gegen seinen Willen annehmen, obwohl es ihm nicht recht ist; der Körper stimmt dieser Arbeit also nicht zu. Warum gibt ihm der Schöpfer dann keine Lebenskraft und keinen Genuss?

Der Grund ist, dass dies eine große Korrektur ist. Wäre es anders und würde das Verlangen zu empfangen dieser Arbeit zustimmen, könnte der Mensch niemals li­Shma erreichen. Er würde vielmehr immer um seines eigenen Nutzens willen arbeiten, also um sein Verlangen zu stillen. Es ist, wie die Leute sagen: Der Dieb selbst ruft: „Haltet den Dieb!“ Dann lässt sich nicht erkennen, wer der wahre Dieb ist, um ihn zu fassen und ihm das Gestohlene abzunehmen.

Wenn aber der Dieb, also das Verlangen zu empfangen, keinen Geschmack an der Arbeit findet, das Joch des Königtums des Himmels auf sich zu nehmen, gewöhnt sich der Körper daran, gegen seinen Willen zu arbeiten. Dadurch erhält der Mensch die Mittel, zu einer Arbeit zu gelangen, deren einziges Ziel es ist, seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten. Denn seine ganze Absicht muss ausschließlich dem Schöpfer gelten, wie geschrieben steht: „Dann wirst du dich am Ewigen erfreuen.“​ (Jesaja 58,14) Zuvor, als er für den Schöpfer arbeitete, empfand er keinen Genuss an seiner Arbeit; vielmehr verrichtete er sie unter Zwang.

Hat er sich jedoch bereits daran gewöhnt, zu arbeiten, um zu geben, wird er dessen würdig, sich am Schöpfer zu erfreuen: Die Arbeit selbst bereitet ihm Genuss und Lebenskraft. Das bedeutet, dass dann auch der Genuss ausschließlich dem Schöpfer gilt.

korrigiert, EY, Schreibnorm v1, 12.10.2026