85. Was bedeutet „die Frucht eines prächtigen Baumes“ in der Arbeit?
Ich hörte am 27. September 1942.
Es steht geschrieben: „Und ihr sollt euch am ersten Tag die Frucht eines prächtigen Baumes nehmen, Palmwedel, Zweige eines dicht belaubten Baumes und Bachweiden“ (3. Mose 23,40). Dies ist folgendermaßen zu erklären:
„Frucht eines prächtigen Baumes“: Der Baum steht für einen Gerechten, der „Baum des Feldes“ genannt wird.
„Frucht“ bezeichnet die Nachkommen des Baumes, also die Nachkommen der Gerechten: ihre guten Taten (1. Mose 6,9, Kommentar Rashis). Diese müssen dem Aspekt entsprechen, der „auf seinem Baum wohnt“ [ha-dar] (Sukka 35a).
„Von Jahr zu Jahr“ bedeutet: ein ganzes Jahr, nämlich „sechs Monate mit Myrrhenöl und sechs Monate mit wohlriechenden Gewürzen“ (Ester 2,12). Für den Verständigen genügt das. Die Frevler dagegen sind „wie Spreu, die der Wind verweht“ (Psalm 1,4).
„Palmwedel“ (kapot temarim) weist auf zwei kapot [Handflächen] hin. Dies ist das Geheimnis der beiden Hej: des ersten Hej und des letzten Hej. Dadurch wird man „einer Schale [kaf] von zehn Goldschekeln, gefüllt mit Räucherwerk“ würdig (4. Mose 7,14).
Der Ausdruck kapot bedeutet Kefija [Zwang]: Der Mensch nimmt das Königtum des Himmels unter Zwang auf sich, selbst wenn sein Verstand nicht zustimmt. Er geht über dem Verstand; das nennt man „Siwugim [Paarungen] unter Zwang“.
„Palmen“ (temarim) leitet sich von mora [Furcht] ab und steht für Ehrfurcht. Dies entspricht dem Vers: „Der Schöpfer hat es so gemacht, dass man Ihn fürchtet“ (Prediger 3,14).
Deshalb heißt es Lulaw [Palmzweig]1. Bevor ein Mensch dessen würdig wird, hat er zwei Herzen. Das wird lo lew [kein Herz] genannt, denn sein Herz war dem Schöpfer nicht geeint. Wenn er dagegen des Aspekts lo [Ihm] würdig wird, was „dem Schöpfer ein Herz“ bedeutet, dann ist dies Lulaw2.
Ebenso muss der Mensch sagen: „Wann werden meine Taten an die Taten meiner Urväter heranreichen?“ (Tanna de Bei Elijahu Rabba, 25) Dadurch wird man würdig, ein „Zweig der heiligen Urväter“ zu werden. Darin liegt das Geheimnis von „Zweige eines dicht belaubten Baumes“ (anaf ez awot); damit sind die drei Myrtenzweige gemeint.
Zugleich muss auch der Aspekt der „Bachweiden“ vorhanden sein, die weder Geschmack noch Duft besitzen. Der Mensch soll sich über diese Arbeit freuen, obwohl er darin weder Geschmack noch Duft empfindet. Dann wird diese Arbeit „die Buchstaben Deines geeinten Namens“ genannt; dadurch wird man der Vereinigung des Schöpfers in aller Vollkommenheit würdig.
korrigiert, EY, Schreibnorm v1, 12.10.2026