97. Über den Abfall von Dreschboden und Kelter
Ich hörte.
Goren (Dreschboden) bedeutet eine Verminderung guter Taten: Der Mensch empfindet gegenüber dem Schöpfer einen Zustand von Gronot (Hälsen), im Sinne von Ger’onot (Mängeln). Deshalb verringert er seine guten Taten. Danach gelangt er in den Zustand von Yekew (Kelter), entsprechend den Worten: „Wer den Namen des Ewigen lästert“ (3. Mose 24,16). Sukkot (Laubhüttenfest) steht für Freude – für freudebringende Gwurot (Kräfte des Gerichts). Darin liegt das Geheimnis der Umkehr aus Liebe, durch die vorsätzliche Vergehen für den Menschen zu Verdiensten werden. Dann gehen sogar Dreschboden und Kelter in die Heiligkeit (Kedusha) ein. Darin liegt das Geheimnis, dass Sukkot hauptsächlich Yizchak entspricht, wobei alle in ihm eingeschlossen sind. (Pessach [Passahfest] entspricht der Liebe, also der Rechten.) Darin liegt auch das Geheimnis der Worte: „Awraham zeugte Yizchak“ (1. Mose 25,19).
Denn Vater und Sohn verhalten sich wie Ursache und Folge, wie Grund und Ergebnis. Hätte es nicht zuerst den Zustand Awrahams gegeben, der das Geheimnis der Rechten ist, hätte man nicht zum Zustand Yizchaks gelangen können, der das Geheimnis der Linken ist. Vielmehr ist die Linke in die Rechte eingeschlossen. Darin liegt das Geheimnis der Worte: „Denn Du bist unser Vater“ (Jesaja 63,16). Awraham sagte: „Sie sollen um der Heiligkeit Deines Namens willen ausgelöscht werden.“ (Schabbat 89b) Ebenso sagte Yaakow, die Vergehen sollten um der Heiligkeit Deines Namens willen ausgelöscht werden. Bliebe es dabei, gäbe es in der Mitte eine Bresche: Die Vergehen innerhalb der Gesamtheit Israels wären wie eine Bresche in der Heiligkeit.
Yizchak hingegen sagte: „Die Hälfte liegt auf mir und die Hälfte auf Dir“ (Schabbat 89b) – ein Teil der Vergehen und ein Teil der Mizwot. Das bedeutet, dass beide in die Heiligkeit eingehen. Möglich wird dies durch Umkehr aus Liebe, durch die vorsätzliche Vergehen für den Menschen zu Verdiensten werden. Dann gibt es keine Bresche, wie geschrieben steht: „Kein Einbruch und kein Klagegeschrei“ (Psalm 144,14); vielmehr ist alles für die Heiligkeit korrigiert.
Darin liegt das Geheimnis der Worte unserer Weisen: „Größer sind der Mist und die Maultiere Yizchaks als das Silber und Gold Abimelechs.“ (siehe Bereshit Rabba 64,7) Mist bezeichnet etwas Niedriges, das keinerlei Wert besitzt. Das heißt: Der eigene Dienst gilt dem Menschen wie Mist. Danach kommt es zur Trennung. Weil er seine Arbeit nicht wertschätzt, gelangt er zur Trennung. Das wird „der Mist und die Trennungen Yizchaks“ genannt. Da Yizchak jedoch alles durch Umkehr aus Liebe korrigierte und seine vorsätzlichen Vergehen zu Verdiensten wurden, waren die Gewinne, die ihm durch seinen Mist und seine Maultiere zufielen, größer als das Silber und Gold Abimelechs.
Kesef (Silber) bedeutet Kissufim (Sehnsucht) nach dem Schöpfer. Sahaw (Gold) bedeutet Se Haw („Gib dies!“); damit ist die Sehnsucht nach der Tora gemeint, nämlich danach, die Tora zu erlangen. Da Yizchak alles korrigierte, also zur Umkehr aus Liebe gelangte, wurden auch seine vorsätzlichen Vergehen als Verdienste angerechnet. Dadurch wurde er sehr reich. Denn es gibt nicht mehr als 613 Mizwot, die man erfüllen kann; Übertretungen und vorsätzliche Vergehen dagegen sind grenzenlos. Deshalb wurde Yizchak reich, wie geschrieben steht: „Und er gewann hundertfach“ (1. Mose 26,12). Das bedeutet, dass er zu hundert Prozent in der Heiligkeit war, ohne jeglichen Abfall, denn auch der Abfall war bei ihm korrigiert worden.
Deshalb wird die Laubdecke der Sukka (Laubhütte) aus dem Abfall von Dreschboden und Kelter gefertigt. (Man kann dies auch auf die Worte unserer Weisen beziehen, dass Moshe durch Abfall reich wurde.) Deshalb entspricht Sukkot hauptsächlich Yizchak, dem Geheimnis der freudebringenden Gwurot. Zugleich wird Sukkot auch Moshe zugeordnet.
korrigiert, EY, Schreibnorm v1, 12.10.2026