192. Über die Lose
Ich hörte im Jahr 1949.
Beim Losentscheid sind beide [Möglichkeiten] gleichwertig, und mit dem Verstand lässt sich nicht klären, welche von ihnen wichtiger ist. Deshalb muss das Los entscheiden. Im Sohar, im Abschnitt Emor (Sohar, Emor, Punkt 236), wird gefragt: „Wie können der Ziegenbock für den Schöpfer und der Ziegenbock für Azazel gleichwertig sein?“
Der Ziegenbock für den Schöpfer entspricht der rechten Linie, der Ziegenbock für Azazel der linken Linie. Dort gibt es GaR de Chochma. Darüber heißt es: „Wurden sie dessen würdig – gut; wurden sie dessen nicht würdig – schlecht.“ Das bedeutet: Malchut der Eigenschaft des Gerichts (Midat haDin) wird enthüllt. Sie entspricht der Manula (dem Schloss), die die Lichter verschließt. Die Manula befindet sich an der Stelle von Chase (Brust) in jedem Parzuf. Daher kann Chochma bis zur Manula leuchten; an der Stelle von Chase endet ihr Leuchten jedoch. Denn jeder Zimzum (jede Einschränkung) wirkt nur von seinem Ort abwärts und nicht aufwärts.
Der Ziegenbock für den Schöpfer schließt die linke Linie des Ziegenbocks für Azazel ein, also Chochma. Doch diese Linke wirkt nicht wie bei Azazel von oben nach unten. Dort endet das Licht, weil die Manula wirksam wird. Hier wirkt sie vielmehr nur von unten nach oben; dann ist die Manula verborgen und die Maftecha (der Schlüssel) enthüllt.
Hinsichtlich Chochma besitzt der Ziegenbock für Azazel also Chochma in Form von GaR, während der Ziegenbock für den Schöpfer WaK entspricht. WaK kann jedoch leuchten, während das Leuchten von GaR enden muss. Deshalb gibt man den Ziegenbock für Azazel hin, damit Satan keine Anklage erhebt. Er klagt an, weil sein einziges Verlangen darin besteht, Chochma herabzuziehen, die zu Bchina Dalet (der vierten Phase) gehört; durch keine andere Stufe wird er vervollständigt, denn sein ganzer Ursprung ist Bchina Dalet. Wenn er nicht in seine Stufe empfängt, wird er daher nicht vervollständigt. Deshalb verführt er den Menschen immer dazu, Licht in Bchina Dalet herabzuziehen. Weigert sich der Mensch, wendet Satan alle möglichen Listen an, um ihn dazu zu zwingen. Gibt man ihm jedoch einen Anteil an Chochma, klagt er Israel nicht an, denn er fürchtet, die Fülle, die er bereits besitzt, könnte ihm entzogen werden.
Wenn er jedoch GaR de Chochma herabzieht, zieht Israel zugleich WaK de Chochma herab. Dieses Licht von Chochma heißt „Licht der Vergebung der Vergehen“. Durch dieses Licht wird man der Umkehr (Teshuwa) aus Liebe würdig, bei der vorsätzliche Vergehen zu Verdiensten werden. Dies ist das Geheimnis dessen, dass der Ziegenbock für Azazel die Vergehen der Söhne Israels auf sich trug: Alle Vergehen Israels sind nun zu Verdiensten geworden.
Dazu führt der Sohar das Gleichnis vom königlichen Narren an. Man gibt ihm Wein und erzählt ihm von allen Taten, die er begangen hat – sogar von schlechten Taten, die der Mensch begangen hat. Doch er erklärt sämtliche Taten für gut und behauptet, niemand in der ganzen Welt komme ihm gleich. Wie oben erklärt, wird Satan „der Unvernünftige“ genannt. Man gibt ihm Wein, also Chochma, und wenn er sie herabzieht, ist sie das Licht der Vergebung der Vergehen, durch das diese zu Verdiensten werden.
Daher bezeichnet er alle schlechten Taten als gut, denn die vorsätzlichen Vergehen werden zu Verdiensten. Und weil Satan seinen Anteil erhalten will, klagt er Israel nicht an. Darin liegt die Anklage, die es in Ägypten gab. Er fragte: „Wodurch unterscheiden sich diese von jenen? Entweder soll auch Israel wie die Ägypter sterben, oder Israel soll nach Ägypten zurückkehren.“
Ägypten ist nämlich die Quelle, aus der Chochma herabgezogen wird; dort liegt Chochma jedoch in Form von GaR vor. Als Israel in Ägypten war, stand es unter der Herrschaft der Ägypter.
korrigiert, EY, Schreibnorm v1, 12.10.2026