193. Eine Mauer dient beiden
Der Begriff Achoraim bezieht sich hauptsächlich auf den Mangel an Licht von Chochma. Dieses Licht ist das Wesen der Lebenskraft (Chajut) und wird direktes Licht (Or Yashar) genannt. Auf dieses Licht wurde die Einschränkung (Zimzum) angewandt, damit es nicht, Gott bewahre, zu einer Abweichung der Form kommt. Deshalb besitzen Seir Anpin und Nukwa (SoN), solange sie nicht korrigiert sind, keinen Aspekt von GaR, damit Sitra Achra (die andere Seite) nicht von ihnen saugt.
Da jedoch GaR fehlt, besteht dennoch die Gefahr, dass die äußeren Kräfte sich festhalten. Denn sie ziehen aus jedem Ort Nutzen, an dem es irgendeinen Mangel in der Heiligkeit (Kedusha) gibt. Sie kommen und stellen die Frage „Wo?“. Diese Frage zu beantworten, bevor der Aspekt Chochma vorhanden ist, ist unmöglich. Deshalb gibt es für SoN eine Korrektur: Sie steigen auf und werden in Bina eingeschlossen. Bina entspricht dem Aspekt „denn Er begehrt Barmherzigkeit“ (Chafez Chessed) und weist Chochma zurück. Bina selbst benötigt Chochma nicht, denn ihr Wesen ist Chochma.
Dies heißt, alles nach der Auffassung ihres Lehrers zu tun, denn ihre gesamte Grundlage ist ihre Wurzel, also die Auffassung ihres Lehrers. Dort stellt sich die Frage „Wo ist der Ort Seiner Herrlichkeit?“1 nicht.
Sie bleiben in Bina, bis sie durch das Erheben von MaN mittels ihrer Kräfte und Anstrengungen korrigiert und vom Aspekt des Empfangens für sich selbst gereinigt sind. Dann sind sie geeignet, Chochma zu empfangen. Erst jetzt dürfen sie ihren eigenen Aspekt offenlegen – nämlich ihren Mangel daran, dass sie keine Chochma besitzen – und die Antwort empfangen. Das bedeutet, das Licht von Chochma herabzuziehen, damit es in ihnen als Leuchten von Chochma erstrahlt. Dann stehen sie unter ihrer eigenen Herrschaft und nicht unter der Herrschaft von Bina, denn sie besitzen das Licht von Chochma. Das Licht verbrennt und vertreibt die äußeren Kräfte. Vielleicht ist dies die Bedeutung von: „Wisse, was du einem Ketzer2 antworten sollst.“ (Awot 2,14)
Dies wird „eine Mauer“ genannt, nämlich Achoraim von Bina, das beiden genügt und einen Schild gegen Sitra Achra bildet. Solange der Mensch sich auf die Auffassung seines Lehrers stützt, ist er eins mit seinem Lehrer. Dieselbe Mauer, die sein Lehrer besitzt – der Aspekt Chafez Chessed –, genügt auch ihm. Anders ist es später, wenn sie sich trennen: Der Mensch zieht dann das Leuchten von Chochma herab und kann bereits unter seiner eigenen Herrschaft stehen, weil er nun alle Fragen von Sitra Achra beantworten kann.
korrigiert, EY, Schreibnorm v1, 12.10.2026