211. Wie jemand, der vor einem König steht
Ich hörte am 28. August 1938.
Wer zu Hause sitzt, ist nicht wie jemand, der vor einem König steht (Shulchan Aruch, Orach Chaim 1,1). Das heißt, der Glaube muss so beschaffen sein, dass er den ganzen Tag spürt, er stehe vor dem König. Dann besitzt er gewiss vollkommene Liebe und Ehrfurcht. Solange er den Aspekt eines solchen Glaubens nicht erreicht hat, darf er weder ruhen noch stillstehen, denn „dies ist unser Leben und die Länge unserer Tage“1; und er soll keinerlei Entschädigung auf der Welt annehmen wollen. Der Mangel an Glauben muss in seine Glieder eingewoben sein, bis die Gewohnheit zur zweiten Natur wird – bis zu dem Maß: „Wenn ich daran denke, lässt es mich nicht schlafen.“2 Doch alle materiellen Angelegenheiten löschen diesen Mangel aus. Denn bei allem, woraus er Genuss empfängt, hebt dieser Genuss den Mangel und den Schmerz auf.
Vielmehr soll er keinerlei Trost annehmen wollen. Bei allem Materiellen, das er empfängt, muss er darauf achten, dass es seinen Mangel nicht aufhebt. Das erreicht er, indem er darüber Schmerz empfindet, dass ihm durch jenen Genuss Funken und Kräfte der Gefäße der Heiligkeit (Kedusha) fehlen, also Mängel der Heiligkeit. Durch diesen Schmerz kann er sich davor bewahren, Gefäße der Heiligkeit zu verlieren.
korrigiert, EY, Schreibnorm v1, 12.10.2026