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Kabbala Bibliothek Startseite / Baal HaSulam / Shamati / Shamati 233. Zum Thema Verzeihung, Vergebung und Sühne

233. Zum Thema Verzeihung, Vergebung und Sühne1

Ich hörte.

„Verzeihung“ (Mechila) leitet sich von „zum Guten verwandeln“​ (Awoda Sara 39a) ab. Das bedeutet: Gerade durch Umkehr (Teshuwa) aus Liebe, wenn vorsätzliche Verfehlungen ihm zu Verdiensten werden, verwandelt er die vorsätzlichen Verfehlungen zum Guten, also in Verdienste.

„Vergebung“ (Slicha) leitet sich von „und er lässt sein Vieh frei“​ (2. Mose 22,4) ab, wobei die Buchstaben Samech und Shin einander ersetzen. Das bedeutet, dass er die vorsätzlichen Verfehlungen von sich fortschickt und sagt, dass er von heute an nur noch Verdienste erwerben wird. Dies gilt als Umkehr aus Ehrfurcht, bei der vorsätzliche Verfehlungen ihm zu unbeabsichtigten Verfehlungen werden.

„Sühne“ (Kapara) leitet sich von „und er entsühnt den Altar“​ (3. Mose 16,33) sowie von „er will seine Hände an diesem Mann abwischen“​ (Gittin 56a) ab. Wenn ein Mensch weiß, dass er beschmutzt ist, besitzt er daher weder den Mut noch die Unverfrorenheit, den Palast des Königs zu betreten. Wenn er seine schlechten Taten sieht und sich an sie erinnert – Taten, die dem Willen des Königs widersprechen –, fällt es ihm deshalb schwer, sich mit Tora und Mizwot zu beschäftigen. Umso schwerer fällt es ihm, den König darum zu bitten, Ihm anhaften und sich mit Ihm vereinen zu dürfen.

Deshalb braucht er Sühne: Er soll seinen elenden Zustand nicht sehen, nicht darauf blicken, wie tief er erniedrigt ist, und sich nicht an seinen Zustand erinnern. So entsteht in ihm Raum, Freude zu empfangen, weil er sich mit der Tora und der Arbeit beschäftigen kann. Wenn er dann Freude hat, kann er den König darum bitten, sich mit Ihm zu verbinden, denn „die Shechina (göttliche Gegenwart) ruht nur an einem Ort der Freude“​ (siehe Schabbat 30b). Daher braucht es zuerst Sühne. Wenn man danach Umkehr aus Ehrfurcht vollzieht, wird man mit Vergebung belohnt; und durch Umkehr aus Liebe wird man mit Verzeihung belohnt.

Man muss glauben, dass alles, was in unserer Welt geschieht, unter der Vorsehung steht und es, Gott bewahre, keinen Zufall gibt. Ebenso muss man wissen, dass alles, was in der Zurechtweisung2 geschrieben steht, also die Flüche in den Worten „Wenn ihr nicht hört …“​ (3. Mose 26,14), schreckliche Leiden bezeichnet. Es ist nicht so, wie die Menschen denken. Manche sagen nämlich, dies seien Segnungen und keine Flüche. Als Beleg führen sie an, dass der Maggid von Koschnitz3 beim Wochenabschnitt mit den Zurechtweisungen immer zur Tora aufgerufen wurde4. Er sagt jedoch, dass es sich um wirkliche Flüche und Nöte handelt. Wir sehen ja selbst, dass Flüche tatsächlich existieren: In dieser Welt empfindet man den Geschmack schrecklicher Leiden, die nicht zu ertragen sind. Doch wir müssen glauben, dass all diese Leiden der Vorsehung zuzuschreiben sind, denn Er erschafft alles. Moshe, unser Lehrer – Friede sei mit ihm –, nahm diese Flüche und vereinte sie mit dem Schöpfer (gepriesen sei Er). Das ist das Geheimnis von „und all dem großen Schrecken“​ (5. Mose 34,12). Wenn man daran glaubt, glaubt man auch daran, dass „es ein Gericht und einen Richter gibt“. Deshalb wurde der Maggid beim Wochenabschnitt mit den Zurechtweisungen zur Tora aufgerufen: Nur er konnte die Flüche und Leiden mit dem Schöpfer (gepriesen sei Er) vereinen, weil er daran glaubte, dass „es ein Gericht und einen Richter gibt“. Dadurch erwuchsen aus all diesen Flüchen wirkliche Segnungen, denn „Gott hat es so gemacht, dass man Ehrfurcht vor Ihm hat“​ (Prediger 3,14).

Das ist die Bedeutung von „Aus dem Schlag selbst wird der heilende Verband bereitet“5. Von demselben Ort, an dem Frevler straucheln, gehen die Gerechten weiter. Wenn man an einen Ort gelangt, an dem es keine Stütze gibt, kann sich die Sitra Achra (andere Seite) dort festhalten. Dann straucheln die Frevler daran. Der Frevler, der nicht über dem Verstand gehen kann, fällt, weil er keinerlei Stütze hat. So bleibt er zwischen Himmel und Erde, denn Frevler können nur innerhalb des Verstandes handeln, im Sinne von „bösem Auge und hochmütigen Augen“​ (Psalm 101,5).

Die Gerechten dagegen, die dem Ausspruch „Meine Augen waren nicht hochmütig, und mein Herz war nicht stolz“​ (siehe Psalm 131,1) entsprechen, gehen dort weiter. So werden daraus Segnungen: Indem der Mensch alle Leiden mit der Vorsehung vereint und alles über dem Verstand nimmt, bilden sich in ihm geeignete Gefäße, um Segnungen zu empfangen.

korrigiert, EY, Schreibnorm v1, 12.10.2026


  1. Aus den Gebeten des Jom Kippur. ↩

  2. Der Teil des Buches Wajikra (3. Mose, Wochenabschnitt Bechukotai), in dem von den Flüchen und Segnungen die Rede ist, wird üblicherweise „Tochecha“ (Zurechtweisung) genannt. ↩

  3. Der Maggid von Koschnitz, R. Israel von Koschnitz (1737–1814), bedeutender chassidischer Lehrer, Schüler des Maggid von Mesritsch. ↩

  4. Der Aufstieg (Aufruf) zur Tora – das Aufrufen eines Menschen zur öffentlichen Lesung eines Tora-Abschnitts im Bethaus. ↩

  5. Aus den Slichot für die Fasttage nach Pessach und Sukkot. ↩