<- Kabbala Bibliothek
Weiterlesen ->
Kabbala Bibliothek

219. Die Selbsthingabe

Ich hörte.

Die Arbeit muss in Ehrfurcht und Liebe geschehen. Hinsichtlich des Aspekts der Liebe kann man nicht sagen, man müsse dafür Selbsthingabe aufbringen, denn sie ist etwas Natürliches. Starke Liebe ist geradezu ein Verzehren der Seele, wie geschrieben steht: „Stark wie der Tod ist die Liebe.“​ (Hoheslied 8,6) Die Selbsthingabe ist vielmehr vor allem im Aspekt der Ehrfurcht erforderlich. Das heißt, man empfindet in der Arbeit noch keinen Geschmack der Liebe, sondern die Arbeit geschieht für einen unter Zwang.

Es gilt die Regel, dass der Körper nichts empfindet, was unter Zwang geschieht, denn er ist auf dem Weg der Korrektur aufgebaut. Die Korrektur besteht darin, dass die Arbeit auch im Aspekt der Liebe geschehen muss. Das ist das Ziel der Anhaftung (Dwekut), wie geschrieben steht: „Wo es Mühe gibt, dort ist die Sitra Achra (die andere Seite).“​ (Einleitung in das Buch Sohar, Punkt 247)

Die Arbeit, die vor allem mit Selbsthingabe getan werden muss, betrifft den Aspekt der Ehrfurcht. Denn dann ist der ganze Körper mit seiner Arbeit nicht einverstanden, weil er keinerlei Geschmack an der Arbeit empfindet. Bei jeder einzelnen Handlung, die man ausführt, stellt der Körper die Rechnung auf, dass dies keine vollkommene Arbeit sei. Was wirst du also davon haben, dass du arbeitest? Da diese Arbeit keinen wirklichen Gehalt und keinen Geschmack besitzt, ist Überwindung nur durch Selbsthingabe möglich. Das heißt, man empfindet bei der Arbeit einen bitteren Geschmack; bei jeder Handlung, die man ausführt, empfindet man schreckliche Leiden, denn der Körper ist es gewohnt, nicht umsonst zu arbeiten. Aus dieser Anstrengung muss entweder für einen selbst oder für andere etwas Gutes hervorgehen.

Während der Katnut (Kleinsein) empfindet man für sich selbst nichts Gutes, weil man jetzt keinerlei Genuss an der Arbeit empfindet. Ebenso glaubt man nicht, dass daraus für andere etwas Gutes entstehen wird, denn da dies für einen selbst keine Bedeutung hat, welchen Genuss sollten dann andere daraus ziehen? Dann sind die Leiden schwer. Und in demselben Maß, in dem man arbeitet, mehren sich die Leiden, bis Leiden und Anstrengung sich zu einem bestimmten Maß angesammelt haben. Dann erbarmt Sich der Schöpfer (gepriesen sei Er) seiner und gibt ihm Geschmack an der Arbeit für den Schöpfer (gepriesen sei Er), wie geschrieben steht: „Bis der Geist aus der Höhe über uns ausgegossen wird.“​ (Jesaja 32,15)

korrigiert, EY, Schreibnorm v1, 12.10.2026