195. Sind sie würdig, werde Ich es beschleunigen
Ich hörte im Jahr 1938.
„Sind sie würdig – werde Ich es beschleunigen“ (Jesaja 60,22), das bedeutet: auf dem Weg der Tora. „Sind sie nicht würdig – durch Leiden“; das ist der Weg der Entwicklung, auf dem letztlich alles zur vollkommenen Vollendung gelangt.
Der Sinn des Weges der Tora besteht darin, dass einem gewöhnlichen Menschen besondere Hilfsmittel (Segulot) gegeben werden, mit denen er sich dafür geeignete Gefäße (Kelim) bereiten kann. Gefäße entstehen durch die Ausbreitung des Lichts und seinen Rückzug. Als Kli (Gefäß) wird ausschließlich das Verlangen zu empfangen bezeichnet. Das bedeutet, dass dem Menschen etwas fehlt. Denn „es gibt kein Licht ohne ein Kli“: Das Licht muss in einem Kli aufgenommen werden, damit es darin Halt findet. Ein gewöhnlicher Mensch kann jedoch keinen Mangel an erhabenen Dingen empfinden, denn vor einer Erfüllung kann kein Mangel entstehen, wie geschrieben steht: „die Ausbreitung des Lichts usw.“. Ein Beispiel: Wenn ein Mensch tausend Lira besitzt, ist er reich und zufrieden. Verdient er später mehr, bis er fünftausend Lira besitzt, verliert danach aber so viel, dass ihm nur zweitausend bleiben, empfindet er bereits einen Mangel. Nun hat er Gefäße für dreitausend Lira, denn diesen Betrag hatte er schon besessen; gerade das frühere Erfülltsein wurde aufgehoben.
Dafür gibt es den Weg der Tora. Wenn der Mensch daran gewöhnt ist, auf dem Weg der Tora zu gehen und die Geringfügigkeit der Erlangung zu bedauern, erhält er jedes Mal gewisse Leuchten, die sich aufteilen. Dadurch empfindet er mehr Schmerz und bildet mehr Gefäße.
Das bedeutet: Jedes Kli bedarf des Lichts, mit dem es nicht erfüllt wurde – seines ihm fehlenden Lichts. Wo immer dieses Licht fehlt, entsteht ein Ort für den Glauben. Wäre das Kli dagegen erfüllt, gäbe es weder ein Kli noch einen Ort für den Glauben.
korrigiert, EY, Schreibnorm v1, 12.10.2026