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191. Zeit des Abstiegs

Ich hörte am 13. Juni 1938.

Es ist schwer, sich den Zustand während eines Abstiegs vorzustellen. Dann gehen all die Arbeit und die Anstrengungen verloren, die man während der gesamten Zeit vom Beginn der Arbeit bis zu diesem Abstieg investiert hat. Man gleicht jemandem, der noch nie den Geschmack der Arbeit für den Schöpfer gekostet hat; es ist, als läge dies außerhalb seiner selbst. Das heißt, dies widerfährt Menschen auf hohen Stufen. Einfache Menschen dagegen haben keinerlei Verbindung zur Arbeit für den Schöpfer, sondern streben lediglich nach dem materiellen Verlangen zu empfangen, das im Strom dieser Welt liegt und die ganze Welt mit diesem Verlangen überflutet. Doch man muss verstehen, warum sie in einen solchen Zustand geraten sind. Denn ob der Mensch einverstanden ist oder nicht, ändert nichts an der Schöpfung von Himmel und Erde; vielmehr führt Er alles als der Gute, der Gutes tut. Was geht also aus einem solchen Zustand hervor?

Man muss vielmehr sagen, dass dieser Zustand dazu dient, Seine Größe erkennen zu lassen. Der Mensch darf damit nicht geringschätzig umgehen1. Vielmehr soll er Ehrfurcht vor Seiner Erhabenheit haben und erkennen, welcher Wert und welcher Abstand zwischen ihm und dem Schöpfer bestehen. Mit dem äußeren Verstand ist es schwer zu begreifen, wie eine Verbindung zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpf überhaupt möglich sein kann.

Während des Abstiegs empfindet der Mensch, dass es für ihn unmöglich ist, eine Verbindung und Zugehörigkeit zum Schöpfer in Form von Anhaftung (Dwekut) zu haben. Denn die Arbeit für den Schöpfer erscheint ihm als etwas, das der ganzen Welt fremd ist. Und in Wahrheit ist es so. Doch: „Am Ort Seiner Größe findest du Seine Demut.“​ (siehe Megilla 31a) Das bedeutet, dass dies über der Natur liegt: Der Schöpfer gab der Schöpfung dieses Geschenk, damit die Geschöpfe sich mit Ihm verbinden und Ihm anhaften können.

Wenn der Mensch wieder mit dem Schöpfer verbunden ist, soll er sich daher immer an seinen Zustand des Abstiegs erinnern. So kann er die Zeit der Anhaftung erkennen, verstehen, würdigen und wertschätzen. Dann weiß er, dass er jetzt auf eine Weise, die über der Natur liegt, Rettung erfahren hat.

korrigiert, EY, Schreibnorm v1, 12.10.2026


  1. Wörtl.: sich im Aspekt „sein Herz ist ihr gegenüber grob [d. h. der Ehefrau gegenüber]“ verhalten. ↩