240. Suche doch jene, die Dich suchen, wenn sie Dein Angesicht suchen
„Suche doch jene, die Dich suchen, wenn sie Dein Angesicht suchen; wende Dich ihnen zu aus den Himmeln Deiner Wohnstatt, und verschließe Dein Ohr nicht vor dem Schrei ihres Flehens.“ (Selichot für den ersten Tag, 6) Bekanntlich besteht das Schöpfungsziel darin, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Damit die Korrektur jedoch in jeder Hinsicht vollkommen ist, muss das Maß des Gerichts durch Barmherzigkeit gemildert werden. Das Gericht entspricht der Gadlut (Erwachsensein). Damit es dadurch aber nicht zu einer Verschiedenheit der Form kommt, bedarf es einer Art Ausgleich: Nach dem Maß des Gerichts wäre der Empfang größer, doch dabei bestünde weiterhin die Gefahr, zu einer Verschiedenheit der Form zu gelangen. Wenn das Gericht jedoch mit dem Maß der Barmherzigkeit vermischt ist, wird die Gadlut des Lichts nicht empfangen, und so kann Gleichheit der Form erreicht werden. Die Korrektur besteht darin, dass sich die Empfangsgefäße in Gefäße verwandeln, die empfangen, um zu geben.
Wenn der Mensch daher beginnt, den Schöpfer zu suchen, ist er noch an die Eigenschaft des Empfangens angehaftet. Wer die Eigenschaft des Empfangens besitzt, gilt als bedürftig und als verflucht, und der Verfluchte haftet nicht am Gesegneten (siehe Bereshit Rabba 59,9). Wer dagegen empfängt, um zu geben, wird „gesegnet“ genannt, denn ihm wird nichts fehlen, sodass er nichts für sich selbst empfangen muss. Die ganze Schwierigkeit besteht also nur darin, dass der Mensch zur Eigenschaft des Gesegneten gelangt. Denn nur durch die Kraft von Tora und Mizwot können die Empfangsgefäße in Gefäße des Gebens verwandelt werden. Darum beten wir: „Suche doch jene, die Dich suchen.“
Es gibt zwei Arten von Suchenden. Manche suchen nur um Deines Angesichts willen; ihr ganzes Suchen ist allein auf das Geben gerichtet. Wenn sie also darum bitten, eine Rettung zu empfangen, geschieht dies nur um Deines Angesichts willen. Darüber heißt es: „wenn sie Dein Angesicht suchen“. Über jene, die um Deines Angesichts willen suchen, heißt es: „Wende Dich ihnen zu aus den Himmeln Deiner Wohnstatt.“ Das bedeutet, dass sich die Himmel Deiner Wohnstatt enthüllen, denn sie werden oben keinen Makel mehr verursachen, weil sie von der Eigenschaft des Empfangens bereits gereinigt sind. „Vor dem Schrei ihres Flehens“ bezeichnet dagegen jene, deren Gebete und Bitten noch ihrem eigenen Nutzen gelten: Sie wollen dem Schöpfer nahekommen und sind somit noch nicht von der Eigenschaft des Empfangens gereinigt.
Denn es gibt zwei Eigenschaften in der Arbeit für den Schöpfer. Manche wollen, dass sich die Göttlichkeit in der Welt offenbart, sodass alle wissen, dass es Göttlichkeit in der Welt gibt. Dann steht der Mensch selbst nicht im Mittelpunkt; er wünscht dies einfach. Daher kann man nicht sagen, dass er die Eigenschaft des Empfangens besitzt, denn er betet nicht darum, selbst dem Schöpfer näherzukommen, sondern nur darum, dass sich die Herrlichkeit des Himmels in der Welt offenbart. Ein anderer betet dagegen darum, selbst dem Schöpfer näherzukommen. Damit steht er bereits im Mittelpunkt, und man kann von einem Empfangen für sich selbst sprechen, denn er will Fülle empfangen, um dem Schöpfer näherzukommen. Dies wird „ihr Flehen“ und ebenso „Schrei“ genannt. Wer sich noch in der Eigenschaft „ihres Flehens“ befindet, also selbst näherkommen will, kann einen Schrei ausstoßen; über diese Menschen heißt es: „Verschließe Dein Ohr nicht.“
Denn nur wer einen Mangel hat, schreit. Wenn es jedoch um einen anderen geht, kann man nicht von einem Schrei sprechen, sondern nur von einem Nachfragen (Drisha), wie in der Wendung Drishat Shalom1. Deshalb gehört zum Angesicht nur die Eigenschaft des Suchens.
„Aus den Himmeln Deiner Wohnstatt“ bezeichnet die Augen (Eynaim), das Licht Chochma, damit sie das Wesen der Fülle empfangen, denn ihre Gefäße befinden sich bereits in der Eigenschaft des Empfangens, um zu geben. Über jene dagegen, die sich in der Eigenschaft „ihres Flehens“ befinden, heißt es: „Verschließe Dein Ohr nicht.“ Das Ohr (Osen) bezeichnet Bina. Sie müssen Kraft herabziehen, damit sie die Eigenschaft des Gebens erlangen … auf das Licht von Chassadim.
korrigiert, EY, Schreibnorm v1, 12.10.2026
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Ausdruck mit der Bedeutung „Grüße übermitteln“. Die ursprüngliche Bedeutung ist, sich nach der Gesundheit und dem Befinden eines Menschen zu erkundigen. ↩