152. Denn Bestechung blendet die Augen der Weisen
Ich hörte am 6. Januar 1948.
„Denn Bestechung blendet die Augen der Weisen.“
Wenn ein Mensch beginnt, die Arbeit und ihre Bedingungen zu prüfen, gelangt er zu dem Schluss, dass er die Arbeit aus zwei Gründen nicht auf sich nehmen kann:
A. Der Lohn für die Arbeit ist nicht hundertprozentig sicher. Er sieht niemanden, der bereits eine Bezahlung erhalten hat. Wenn er die Menschen prüft, die ihre Schulter hingehalten haben, um das Joch der Arbeit zu tragen, sieht er nicht, ob sie für ihre Arbeit bereits einen Lohn erhalten haben. Fragt er sich: „Warum haben sie nichts erhalten?“, kann er dafür bestenfalls die erhabenste Erklärung finden: Sie haben die Bedingungen der Arbeit nicht vollständig erfüllt. Wer die festgelegte Ordnung vollständig einhält, erhält seinen Lohn in voller Höhe.
Dann stellt sich die zweite Frage: Woher weiß er, dass er die Bedingungen der Arbeit besser erfüllen kann als sein Freund und dass es ihm gelingen wird, sich an alle ihre Anforderungen anzupassen? Daraus folgt, dass er hundertprozentig sicher ist, niemand könne ihn dafür kritisieren, dass er sich der Arbeit entzieht; vielmehr sei er hundertprozentig im Recht.
B. Wenn dem so ist, stellt sich die Frage: Wer die Arbeit beginnt, ist gewiss alle diese Berechnungen durchgegangen. Trotzdem hat er die Arbeit auf sich genommen. Wie hat er all diese Einwände für sich beantwortet?
Um die Wahrheit zu erkennen, muss man mit offenen Augen sehen. Andernfalls meint man nur zu erkennen, wer im Recht ist: der Gerechte oder die Welt. In Wahrheit erkennt man nicht, wo das Recht liegt. Um offene Augen zu haben, muss man sich vor Bestechung hüten, „denn Bestechung blendet die Augen der Weisen und verdreht die Worte der Gerechten“ (5. Mose 16,19).
Die eigentliche Bestechung ist das Verlangen zu empfangen. Daher gibt es keinen anderen Rat: Zuerst muss man die Arbeit mit all ihren Bedingungen annehmen, ohne jede verstandesmäßige Überlegung, sondern im Glauben über dem Verstand. Erst danach, wenn man vom Verlangen zu empfangen frei ist und dann Prüfungen vornimmt, besteht die Hoffnung, die Wahrheit der Sache erkennen zu können. Wer daher nur auf Sicherheiten schaut, kann gewiss nichts infrage stellen. Denn tatsächlich ist das Recht auf seiner Seite, und er wird in der Auseinandersetzung immer gewinnen, da er die Wahrheit nicht erkennen kann.
korrigiert, EY, Schreibnorm v1, 12.10.2026