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706. Im Schweiß deines Angesichts

„Und Gott sprach: ‚Die Erde lasse … Fruchtbäume hervorsprießen, die nach ihrer Art Frucht tragen.‘“ Rashi erklärt zu „Fruchtbaum“, dass der Baum ebenso schmecken sollte wie seine Frucht. Doch die Erde tat dies nicht, sondern: „Und die Erde brachte … Bäume hervor, die Frucht tragen“, nicht aber Bäume, die selbst Frucht sind. Als Adam wegen seiner Sünde verflucht wurde, wurde daher auch die Erde für ihre Sünde zur Rechenschaft gezogen.

„Und zu Adam sprach Er: … ‚Verflucht sei der Erdboden um deinetwillen; mit Mühsal wirst du von ihm essen alle Tage deines Lebens. Dornen und Disteln wird er dir wachsen lassen, und du wirst das Kraut des Feldes essen.‘“ Rabbi Yehoshua ben Levi sagte: „Als der Schöpfer zu Adam sprach: ‚Dornen und Disteln wird er dir wachsen lassen‘, liefen ihm die Tränen aus den Augen. Er sprach zu Ihm: ‚Herrscher der Welt, werden mein Esel und ich aus derselben Krippe essen?‘ Als Er zu ihm sprach: ‚Im Schweiß deines Angesichts wirst du Brot essen‘, beruhigte er sich.“1

1) Wie kann die Erde gegen den Willen des Schöpfers verstoßen? Besitzt sie etwa Entscheidungsfreiheit?

2) Warum wurde sie nicht sofort für ihre Sünde zur Rechenschaft gezogen? Warum wartete Er mit dem Fluch bis nach der Sünde am Baum der Erkenntnis?

3) Warum sagte Adam, sein Esel und er würden aus derselben Krippe essen? Ist es etwa angemessen, dem Schöpfer zu sagen, dass er bessere Nahrung möchte? Unsere Weisen sagten doch: Deshalb wurde der Mensch erst nach allen Tieren erschaffen. Wenn er überheblich werden will, sagt man ihm: „Die Mücke war vor dir da.“ Im Sinne der ethischen Lehre ist daher zu fragen: Was soll uns das im täglichen Leben lehren?

Der Baum, der die Frucht hervorbringt: Wir sehen, dass ein Gedanke eine Handlung hervorbringt. Der Gedanke soll der Handlung entsprechen, denn an einer Handlung, die ein Mensch ordnungsgemäß ausführt, gibt es nichts hinzuzufügen. Selbst der Gerechte seiner Generation wird die Tefillin (Gebetsriemen) nicht am rechten Arm anlegen. Im Gedanken jedoch unterscheidet sich ein Mensch vom anderen.

Der Wille des Schöpfers besteht darin, dass der Baum ebenso schmeckt wie die Frucht, dass also der Gedanke ebenso vollkommen ist wie die Handlung. „Der Mensch ist ein Baum des Feldes.“ Deshalb gab Er durch die Erde einen Hinweis darauf, wie sich der Mensch verhalten wird. Die Erde zeigte, dass der Gedanke nicht der Handlung entsprechen wird, dass er also lo liShma sein wird.

Danach kam Adam haRishon (der erste Mensch) und sündigte, das heißt, er handelte lo liShma. Dafür wurde er bestraft. Dieselbe Strafe musste auch die Erde treffen, damit der Mensch erkennt, dass die Strafe bereits in ihr angedeutet war. Deshalb wurde die Erde erst nach der Sünde zur Rechenschaft gezogen, als Adam verflucht wurde. Die Erde besitzt also keine Entscheidungsfreiheit. Es war vielmehr der Wille des Schöpfers, dass sie sowohl die Form des Menschen als auch die Strafe versinnbildlicht.

Ramban (Nachmanides) schreibt, dass alles die Form einer Vereinigung hat. Deshalb dient auch der Fluch der Korrektur.

„Dornen und Disteln“ bedeutet, dass der Mensch nicht würdig ist, Genuss zu empfinden. Wenn er die Mizwot lo liShma erfüllt, schmecken sie nach Dornen und Disteln; sein ganzer Genuss liegt dann im Materiellen, wie beim Esel.

„Im Schweiß deines Angesichts wirst du Brot essen“ – das heißt: durch Umkehr (Teshuwa).

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026


  1. Traktat Pesachim 118a. ↩