690. Diese Welt und die Zukunft
In dieser Welt baut ein Mensch ein Gebäude, und ein anderer nutzt es.
Damit ist gemeint: Alles, was ein Mensch tut und was den Charakter eines Bauwerks hat, besitzt Bestand. Wenn er zum Beispiel irgendeine körperliche Begierde auslebt, wird sie nicht als Bauwerk bezeichnet, weil sie nur vorübergehend ist. Sobald die Begierde vergeht, bleibt nichts von ihr übrig – so ist es etwa beim Essen, Trinken und dergleichen. Wenn er dagegen lernt oder betet, bleibt dies auch nach der Handlung bestehen.
Dies wird als Bauwerk bezeichnet. Doch dieses Bauwerk ist nicht für ihn selbst bestimmt; ein anderer nutzt es. Er baut also für einen anderen. Wie ein Bauunternehmer Häuser für andere baut, so ist es auch bei jemandem, der sich für andere mit Tora und Mizwot befasst. Dies heißt lo liShma. Somit ist es nicht für ihn selbst.
In der Zukunft dagegen werden sie nicht bauen, damit ein anderer darin wohnt. Das bedeutet: Wenn ein Mensch sich mit Tora und Mizwot liShma befasst – wobei gemeint ist, dass er sich jetzt mit Tora und Mizwot befasst, um zu liShma zu gelangen, und dessen er später gewürdigt wird –, dann wird dieser Zustand von liShma als „Zukunft“ bezeichnet. Dort baut er das Gebäude – also Tora und Mizwot – nicht, damit ein anderer darin wohnt, sondern er selbst wird darin wohnen, weil seine Beschäftigung mit Tora und Mizwot ihm selbst zugutekommt.
Darüber hinaus kann man sagen: Wenn ein Mensch sich um dieser Welt willen betätigt, also um zu empfangen, kann er daran keinen Genuss haben, weil auf dem Empfangen ein Zimzum (Einschränkung) liegt. Es folgt, dass „ein anderer darin wohnt“: Seine Anstrengung führt also zu dem, was geschrieben steht: „Wird er dessen würdig, nimmt er seinen Anteil und den Anteil seines Freundes im Garten Eden.“ Das heißt, der Mensch, der würdig wird, in den Garten Eden einzutreten, nimmt die Anstrengung, die andere in Tora und Mizwot aufgewandt haben.
Dies bedeutet, dass er die Tora und die Mizwot der Allgemeinheit emporhebt, gemäß dem Ausspruch: „Tausend treten in den Lehrraum ein, doch einer geht daraus als Lehrer hervor.“ In der Zukunft dagegen wird jemand, der sich anstrengt, um zu liShma zu gelangen, also mit der Absicht zu geben, selbst des Lohns für seine Anstrengung gewürdigt. Somit wird er selbst darin wohnen.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026