695. Und sie sollen dir reines Olivenöl bringen
„Und sie sollen dir reines Olivenöl bringen.“ Rabbi Shmuel bar Nachmani sagte: „Zu dir und nicht zu Mir; Ich brauche ihr Licht nicht.“1
„Außerhalb des Vorhangs des Zeugnisses im Zelt der Begegnung“ – dies ist ein Zeugnis für alle Bewohner der Welt, dass die Shechina (göttliche Gegenwart) in Israel weilt. Wenn du sagst: „Brauche Ich etwa ihr Licht?“ Schließlich ging Israel während der ganzen vierzig Jahre in der Wüste nur in Seinem Licht. Vielmehr ist dies ein Zeugnis für alle Bewohner der Welt, dass die Shechina in Israel weilt. Worin besteht ihr Zeugnis? Rava sagte: „Es ist die westliche Lampe. Man gab ebenso viel Öl hinein wie in die anderen; von ihr aus zündete man die anderen an, und mit ihr beendete man das Entzünden.“2
Es stellen sich folgende Fragen:
1) Welcher Unvernünftige könnte behaupten, der Schöpfer brauche Israel, damit es Ihm Licht gibt? Braucht der Schöpfer etwa materielles Licht?
2) Warum muss als Beweis angeführt werden, dass Israel in der Wüste im Licht der Feuersäule ging? Was hätte ich ohne diesen Beweis angenommen?
Das Ziel besteht darin, Gutes zu tun. Die Empfangenden nehmen dieses Gute an, das heißt, sie empfangen das Licht des Schöpfers. Dieses Licht wird durch die Arbeit der Unteren herabgezogen. Das wird „Licht vonseiten Israels“ genannt, also die Kräfte des Volkes Israel. Wenn die Unteren keine Vorbereitung leisten, gibt der Schöpfer ihnen die obere Fülle nicht.
Es ist jedoch unzulässig, Ihn einzuschränken und zu sagen, dass Er ihnen ohne diese Vorbereitung nichts geben kann. Als Beweis wird die Wüste angeführt, wo der Schöpfer ihnen ohne ein Erwachen leuchtete. Deshalb aßen sie Brot vom Himmel, also ohne Arbeit. Erst als sie ins Land kamen, wurde ihnen die Vollkommenheit gegeben, die „Brot von der Erde“ heißt.
Deshalb wurde Israel selbst dann, als es den Leuchter im Heiligtum anfertigte, ein Zeugnis gegeben, damit es wusste, dass die Shechina in Israel weilt – sogar ohne Itaruta deLetata (Erwachen von unten). Denn der Schöpfer ist auf das Licht Israels, also auf seine Vorbereitung, nicht angewiesen: „Wenn du gerecht bist, was gibst du Ihm?“ Dies dient vielmehr nur dem Wohl des Menschen, damit es kein Brot der Schande (Nahama deKisufa) gibt.
Daher kam das Zeugnis von der westlichen Lampe, die auf wundersame Weise leuchtete. Denn ein Wunder steht über der Natur. Der Schöpfer hat die Welt in einer Naturordnung erschaffen, nach der die Menschen Genuss nur entsprechend ihrer Arbeit empfangen können.
Wenn man also ein halbes Log Öl hineingibt, entspricht der damit verbundene Aufwand einem halben Log. Die Weisen schätzten diese Menge so ein, dass sie ausreicht, damit die Lampe vom Abend bis zum Morgen brennt. Die westliche Lampe brannte jedoch länger, als es dem Maß dieses Aufwands entsprach. Sie leuchtete somit bereits auf wundersame Weise und nicht entsprechend dem Aufwand. Daran sieht man, dass der Schöpfer Fülle sogar ohne die Handlungen der Unteren geben kann.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026