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696. Deine Kraft für die Tora

Als stark gilt, wer ein starkes Verlangen hat – nicht, wer starke Glieder besitzt. So heißt es: „Wer ist stark? Wer seinen Trieb bezwingt.“ Das lässt sich mit der Kraft starker Glieder vergleichen.

Angenommen, jemand möchte an einen bestimmten Ort gehen. Doch andere Menschen hindern ihn daran, den von ihm gewählten Weg zu nehmen, und jeder zieht ihn dorthin, wohin er selbst will. Wenn der Betreffende ihnen nicht widerstehen und sie nicht bezwingen kann, wird er von seinem eigenen Ziel fortgezogen – an den Ort, den der Stärkste unter ihnen will. Denn dieser bezwingt alle anderen, weil er Kraft besitzt.

Ebenso verhält es sich mit den seelischen Kräften. Der Mensch besteht aus vielen Verlangen. Jedes von ihnen will die anderen bezwingen und den Körper auf seine Seite ziehen.

Auch hier setzt sich das stärkste Verlangen durch. Sind jedoch alle Verlangen eines Menschen gleich stark und besitzt keines mehr Kraft als die anderen, kann er sich in einem Zustand völliger Ruhe befinden. Denn kein Verlangen ist stark genug, die übrigen zu bezwingen. So stehen sie alle da und ziehen am Körper, während dieser in der Mitte bleibt und sich kein Stück bewegt – weder hierhin noch dorthin –, weil alle mit gleicher Kraft ziehen.

Dann bleibt er zwangsläufig ohne jede Bewegung an seinem Platz. Auch wenn in ihm starke Kräfte wirken, sind sie doch alle gleich stark, sodass keine die andere bezwingen kann. Nur wenn er eine einzige starke Kraft besitzt, kann diese Kraft wirken; dann werden alle Verlangen vor ihr annulliert.

Daraus folgt: Wenn der Mensch in der Tora erfolgreich sein will, muss er darauf achten, dass sein Verlangen, sich mit der Tora zu beschäftigen, stärker ist als alle anderen Verlangen in ihm. Dann ordnen sie sich ihm unter, denn der Starke hat die Kraft, den Schwachen zu bezwingen. So bezwingt das starke Verlangen das Verlangen nach Faulheit, das Verlangen nach Ehre und alle übrigen Begierden.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026