146. Leiden und Freude
Leiden bezeichnet die Linke Linie. Das heißt: Wenn der Mensch seine Handlungen prüft, ob sie dem Weg der Wahrheit entsprechen – mit der Absicht zu geben –, sieht er all seine Mängel. Das nennt man Leiden: Es schmerzt ihn, dass er beim Geben so schwach ist.
Denn dann erkennt er die Wahrheit: Er ist nicht fähig, mit der Absicht zu geben irgendetwas zu tun, und hat keine Möglichkeit, aus seinem Zustand herauszukommen. Vielmehr sieht er, dass nur der Schöpfer ihm helfen kann. Daher hat er dann Raum für das Gebet, also dafür, aus tiefstem Herzen zum Schöpfer zu beten.
Wenn der Mensch sich mit Tora und Gebet beschäftigt, muss er „Dient dem Ewigen mit Freude“1 erfüllen; darum muss er zur Rechten Linie übergehen, die Vollkommenheit heißt.
Vielmehr muss er sich darüber freuen, wie viel Halt er an der Heiligkeit (Kedusha) hat, denn selbst ein einziger Augenblick am Tag gilt ihm als großer Besitz. Denn wenn von wichtigen Dingen die Rede ist – von Heiligkeit, also Tora und Mizwot –, kann der Mensch selbst etwas quantitativ und qualitativ Geringes nicht ermessen.
Er muss dem Schöpfer dafür danken, dass Er ihn damit gewürdigt hat, ihm einen Gedanken und ein Verlangen nach einem geringen Maß an Heiligkeit zu geben. Denn er sieht, dass er keine größeren Vorzüge und keine größere Bedeutung als andere Menschen hat und der Schöpfer ihn dennoch damit gewürdigt hat. Daher verpflichtet ihn auch ein solcher Zustand, dem Schöpfer zu danken. Das bedeutet: Dann ist es Zeit, dem Schöpfer Loblieder, Gesänge und Lobpreis darzubringen.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026
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Psalm 100:2. ↩