121. Zwei Kräfte im Menschen
Der Mensch unterscheidet in der Welt zwei Kräfte:
1) eine Kraft, die den Menschen abstößt, sodass er sich aus dem Zustand herausbewegt, in dem er sich befindet.
2) eine anziehende Kraft, die den Menschen anzieht, und aus diesem Grund muss er sich aus dem Zustand herausbewegen, in dem er sich befindet.
Die abstoßende Kraft heißt Leiden. Dass er in dem Zustand leidet, in dem er sich befindet, bringt ihn dazu, diesen Ort zu verlassen und nach einem Ort zu suchen, an dem er die Möglichkeit hat, das Leben zu genießen.
Die anziehende Kraft heißt Genuss. Wenn der Mensch sieht, dass es einen Ort gibt, an den er gehen kann und dort mehr Genuss empfangen wird, als er an diesem Ort hat, dann verlässt er seinen Ort und geht dorthin – auch wenn er auch hier Genüsse hat –, denn er sieht, dass er an einem anderen Ort das Leben mehr genießen kann.
Doch eine dieser beiden Kräfte allein genügt nicht, denn es gibt eine Situation, in der er in dem Zustand, in dem er sich befindet, keine Befriedigung hat, aber keinen Ort sieht, an dem es ihm besser gehen würde. Das ist wie das Gleichnis, das unsere Weisen von einer Taube anführen: Unter dem Stein war eine Schlange, und draußen war ein Habicht – wohin kann man da gehen? So war es auch bei Israel, als sie aus Ägypten auszogen: Vor ihnen war das Meer, und hinter ihnen waren der Pharao und die Ägypter.
Und manchmal könnte er zwar größeren Genuss empfangen, doch dafür müsste er Anstrengung aufbringen. Deshalb fürchtet sich der Mensch, seinen Ort zu verlassen, damit er nicht hier wie dort leer ausgeht.
Wenn es jedoch eine abstoßende Kraft und eine anziehende Kraft gibt, dann kann der Mensch sich von seinem Ort wegbewegen. Das heißt: Wenn der Mensch Leiden in dem Zustand empfindet, in dem er sich befindet, und glaubt, dass es einen Ort gibt, an den er gehen kann, um Genuss zu empfangen, dann geht er vorwärts. Das nennt man: „Wende dich vom Bösen ab und tue Gutes.“
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026