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Kabbala Bibliothek Startseite / Rabash / Aufzeichnungen / 97. Die Tora muss mit beiden Händen empfangen werden

97. Die Tora muss mit beiden Händen empfangen werden

Es wird gesagt, dass man die Tora mit beiden Händen empfangen muss. Der Vers lautet: „Langes Leben ist in ihrer Rechten, und in ihrer Linken sind Reichtum und Ehre.“1

Im Sinne der ethischen Lehre bedeutet langes Leben, dass der Mensch die Arbeit für den Schöpfer nicht unterbricht, sondern immer in Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer bleibt. Die rechte Seite heißt Chessed (Gnade), weil sie für die Annullierung der Existenz steht: Der Mensch will nur dem Schöpfer Wohlgefallen bereiten.

Der Begriff „Existenz“ lässt sich auf zwei Arten erklären:

1) in materieller Hinsicht,

2) in spiritueller Hinsicht.

In materieller Hinsicht bedeutet das schlicht, dass der Mensch dem Schöpfer mit Selbstaufopferung dient. Mit der spirituellen Existenz sind die Lebenskraft (Chajut) und der Genuss gemeint, die er bei seiner Arbeit empfindet.

Wenn seine Absicht um des Himmels willen ist, wünscht er die Annullierung der Existenz. Das heißt, er ist bereit, dem Schöpfer ohne jede Lebenskraft und ohne jeden Genuss zu dienen – eine wirkliche Annullierung der spirituellen Existenz. Dann erhält er gewiss keinerlei Gegenleistung für seine Arbeit. Daher kann er sicher sein, dass er dem Schöpfer nur mit der Absicht zu geben dient; dies wird Chessed genannt.

Folglich kann es bei ihm keinen Abstieg in der Arbeit geben. Denn alle Abstiege entstehen dadurch, dass er keinen Genuss und keine Lebenskraft hat und deshalb seine Arbeit nicht fortsetzen kann. Wenn er jedoch bereit ist, in einem solchen Zustand zu arbeiten, und sich sogar danach sehnt, kann es bei ihm keine Unterbrechung der Arbeit geben. Das gilt als langes Leben.

So lässt sich der Vers „Und meine Seele sei allem gegenüber wie Staub“2 erklären: Seine Seele, also die Lebenskraft, die bei ihm in Tora und Mizwot eingekleidet ist, soll sich in einem Zustand der Annullierung der Existenz befinden – im Zustand „Staub“, in dem es keinerlei Geschmack gibt.

„Allem gegenüber sei sie“: „allem“ meint sowohl die Tora als auch die Mizwa. Der Mensch ist bereit, eine solche Annullierung zu erreichen. Wer eine solche Stufe erreicht, kann die Arbeit für den Schöpfer nicht unterbrechen. Diese Arbeit wird als „Tag“ bezeichnet, und das gilt als langes Leben.

„Und in ihrer Linken sind Reichtum und Ehre“ bezeichnet die Linke Linie und damit die Aufrechterhaltung der Existenz. Ehre wird als Neshama (Seele) bezeichnet, wie zu dem Vers „So gib Deinem Volk Ehre“3 geschrieben steht. Reichtum wird als Tora bezeichnet, wie unsere Weisen sagten: „Niemand ist arm außer an Verstand.“4 Das heißt „mit beiden Händen“. Dann befindet sich die Tora für ihn auf der Mittleren Linie.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026


  1. Sprüche 3:16. ↩

  2. Aus dem Schlussgebet der Amida: „Mein Gott, bewahre meine Zunge vor Bösem“ (Berachot 17a). ↩

  3. Shaar HaKawanot (Tor der Absichten), Gebet zu Rosch HaSchana. ↩

  4. Talmud, Traktat Nedarim 41a. ↩