77. Die Griechen scharten sich gegen mich
„Die Griechen scharten sich gegen mich, damals, in den Tagen der Hasmonäer.“1
Die Griechen sind die Klipa (Schale), die der Heiligkeit (Kedusha) entgegensteht. Heiligkeit ist Glaube über dem Verstand, während die Griechen gerade innerhalb des Verstandes vorgehen. Die Griechen kommen ausgerechnet in den Tagen der Hasmonäer, also genau dann, wenn der Mensch auf dem Weg der Heiligkeit gehen will. Davor hingegen ist kein Raum für die Griechen, denn „der Schöpfer hat das eine dem anderen gegenüber erschaffen“.2 Darin liegt die Bedeutung der Worte: „Wer größer ist als sein Freund, dessen Trieb ist größer als er selbst.“
So steht geschrieben: „Wer kommt, um sich zu reinigen, dem wird geholfen.“ Warum erhält er keine Hilfe von oben, bevor er kommt?
Die Antwort lautet: Bevor er kommt, um sich von seinem Gefäß (Kli) des Empfangens zu reinigen, glaubt der Mensch zwar, dass der Schöpfer hilft. So sagten unsere Weisen: „Der Trieb des Menschen überwältigt ihn jeden Tag; und wenn der Schöpfer ihm nicht helfen würde, könnte er ihm nicht standhalten.“ Der Mensch muss glauben, dass es so ist. Vom Standpunkt des Verstandes aus sieht er jedoch, dass der Mensch ohnehin alles selbst tut.
Wer hingegen kommt, um sich von seinem Gefäß des Empfangens zu reinigen, sieht, dass dies nicht in der Hand des Menschen liegt, sondern dass ein Wunder vom Himmel geschehen muss. Wenn dieses Wunder nicht geschieht, ist er verloren. Innerhalb des Verstandes sieht er, dass er Hilfe von oben braucht; denn innerhalb des Verstandes gibt es keine Möglichkeit, der Herrschaft des Verlangens zu empfangen zu entkommen.
Wenn der Mensch auf dem Weg der Heiligkeit gehen will, kommen also die Griechen und fragen, wie geschrieben steht: „Warum sollen die Völker sagen: ‚Wo ist ihr Gott?‘“3 Dann darf man nicht innerhalb des Verstandes antworten, sondern muss über dem Verstand antworten. Denn nur der Schöpfer, der über dem Verstand steht und den Verstand erschaffen hat, kann alle Fragen beantworten, die sie mit „Wo?“ stellen.
Das sehen wir am Schabbat in der Kedusha von Keter. Der heilige ARI sagt dort, dass im Wort „Wo?“ das Licht des Schabbat leuchtet, das Mochin de Chaja genannt wird. Gerade auf das Über-dem-Verstand-Stehen gegenüber den Griechen, die „Wo?“ hören, kommt die Antwort des Schabbat-Lichts: Es leuchtet und annulliert alle Dinim (Urteile), wie geschrieben steht: „Und die Urteile weichen von ihr.“4
Durch Griechenland (Jawan), also die Klipa Griechenlands, die dem Verstand folgt, steigt man demnach in die Tiefe hinab und kann nicht wieder aufsteigen. So steht geschrieben: „Ich versank in tiefem Schlamm.“5 Nur von oben kann er wieder hinaufgehoben werden.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026
-
Aus dem Chanukka-Lied Maos Zur, Strophe „Die Griechen scharten sich gegen mich“. ↩
-
Prediger 7:14. ↩
-
Psalm 115:2. ↩
-
Der hebräische Ausgangstext führt dieses Zitat ohne nähere Stellenangabe an. ↩
-
Psalm 69:3. Im Hebräischen beruht die Auslegung auf dem Wortspiel zwischen Jawan (Griechenland) und jawen (Schlamm). ↩