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66. Wehe denen, die auf den Tag des Ewigen warten

„Wehe denen, die auf den Tag des Ewigen warten! Er ist Finsternis und nicht Licht.“1 Ein Gleichnis von einem Hahn und einer Fledermaus, die beide auf das Tageslicht warteten. Der Hahn sagte zur Fledermaus: „Bei mir ist verständlich, dass ich warte, denn es ist mein Licht.“

Das bedeutet: Die Fledermaus hat keine Augen, um zu sehen. Was gewinnt sie also durch das Sonnenlicht?

Man muss verstehen:

1) Welchen Zusammenhang gibt es zwischen den Augen und dem Schauen auf das Licht des Schöpfers? Beim Sonnenlicht ist verständlich, dass man Augen braucht. Doch wie hängt das mit dem Licht des Schöpfers zusammen? Der Vers spricht sogar vom „Tag des Ewigen“. Das bedeutet: Wer keine Augen hat, bleibt ohne das Licht des Schöpfers in der Finsternis.

2) Was ist der Tag des Schöpfers und was ist die Nacht des Schöpfers? Welcher Unterschied besteht zwischen ihnen? Das menschliche Auge erkennt den Sonnenaufgang. Doch woran erkennt man den Tag des Schöpfers?

In Bezug auf den Schöpfer unterscheiden wir Tag und Nacht anhand von Offenbarung und Verhüllung. Als Tag des Schöpfers gilt die Offenbarung des Angesichts, das heißt, die Sache ist ihm so klar wie der Tag.

So legten unsere Weisen den Vers aus: „Im Licht steht der Mörder auf; er tötet den Armen und Bedürftigen, und in der Nacht ist er wie ein Dieb.“2 Die Gemara erklärt: Daraus, dass es heißt: „Und in der Nacht ist er wie ein Dieb“, folgt, dass mit „Licht“ der Tag gemeint ist. Dort ist Folgendes gemeint: Wenn dir die Sache so klar ist wie das Licht, nämlich dass er gekommen ist, um Menschen zu töten, dann ist dieser Dieb ein Mörder, und das Opfer darf durch Tötung des Angreifers gerettet werden. Wenn dir die Sache jedoch so zweifelhaft ist wie die Nacht, soll er in deinen Augen nur als Dieb gelten und nicht als Mörder; dann darf das Opfer nicht durch Tötung des Diebes gerettet werden.3

Tag bedeutet demnach, dass der Mensch die Offenbarung des Angesichts erfährt: Das Angesicht des Schöpfers ist offenbart, das heißt, der Schöpfer zeigt ihm Sein Angesicht als „gut und Gutes tuend“. Wenn er zum Beispiel betet, wird sein Gebet sofort erhört; er besitzt Reichtum, Söhne und Wohlbefinden, und überall, wohin er sich wendet, hat er Erfolg.

Nacht hingegen heißt Verhüllung des Angesichts. Dann hat er Zweifel und fremde Gedanken über die Vorsehung, weil die Verhüllungen Zweifel in ihm hervorrufen usw. Das wird Nacht genannt.

Wer auf das Licht des Schöpfers wartet, besitzt ein Empfinden und sicheres Wissen in Form von Glauben über dem Verstand: Der Schöpfer lenkt die Schöpfung als „gut und Gutes tuend“. Dass der Mensch die offenbare Vorsehung nicht mit eigenen Augen wahrnimmt, geschieht zu seinem Besten. Es folgt dem Weg der Korrektur, damit er das Licht des Schöpfers nicht durch seine Empfangsgefäße (Kelim) befleckt, denn sie bewirken Trennung.

Daher muss er viel arbeiten, bis er das Verlangen zu empfangen so umkehrt, dass es auf das Geben ausgerichtet ist. Durch Beharrlichkeit entsteht im Menschen eine zweite Natur.

Zuvor war es seine Natur, für sich selbst zu empfangen. Selbst wenn er etwas tut, das dem Geben dient, tut er es, weil er durch diese gebende Handlung irgendeine Gegenleistung erhalten wird. Mit anderen Worten: Er kann nichts tun, ohne für sich selbst irgendeine Gegenleistung zu erhalten. Und jeder Genuss, den er empfängt, trennt ihn dadurch von der Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer, denn Anhaftung wird nach der Gleichheit der Form bemessen.

Wir müssen sagen: Wenn der Schöpfer Gutes tun, also geben will, entspringt dies keinem Mangel, sondern gilt als „Spiel“, denn Spiel gilt nicht als Mangel. So erzählten unsere Weisen: Eine vornehme Römerin fragte, was der Schöpfer tut, nachdem Er die Welt erschaffen hat. Die abschließende Antwort der Gemara lautet: Der Schöpfer sitzt und spielt mit dem Leviathan.4

Leviathan bedeutet Verbindung, wie im Ausdruck „je nach dem verfügbaren Raum, mit Kränzen“5. Das Ziel der Verbindung des Schöpfers mit den Geschöpfen ist also ausschließlich Spiel und kein Verlangen, das aus einem Mangel hervorgeht.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026


  1. Amos 5:18. ↩

  2. Hiob 24:14. ↩

  3. Talmud, Traktat Pesachim 2a. ↩

  4. Talmud, Traktat Avoda Sara 3b. ↩

  5. 1. Könige 7:36. ↩