80. Die Arten des Empfangens beim Menschen
Beim Empfangen des Menschen sind sieben Arten zu unterscheiden, von denen jede besondere Bedingungen hat:
1) Wer Almosen empfängt,
2) wer ein Geschenk empfängt,
3) wer durch einen Kauf gegen Geld empfängt,
4) wer durch Tausch empfängt,
5) wer Lohn für seine Arbeit empfängt,
6) wer die Rückzahlung einer Schuld empfängt,
7) wer ein Darlehen empfängt.
Beim Empfang einer Schuld ist nicht nur eine Schuld zu berücksichtigen, die ihm aus einem Darlehen zusteht, sondern auch ein Schaden: Wer einen Schaden verursacht hat, muss dem Geschädigten ersetzen, was er ihm zugefügt hat. Bei einem Kauf ist zu unterscheiden, ob man den Gegenstand gegen Geld oder im Tausch erhält. Bei Almosen und einem Geschenk gibt es dagegen keinerlei Gegenleistung.
Der Nachteil von Almosen besteht darin, dass der Mensch sich schämt, wenn er sie empfängt, und froh wäre, wenn er sie nicht annehmen müsste. Dennoch kann er über ihre Höhe verhandeln.
Bei einem Geschenk freut er sich dagegen über den Empfang. Der Nachteil besteht jedoch darin, dass man darüber nicht verhandeln und sagen kann: „Gib mir ein größeres Geschenk.“ Denn gewöhnlich bemisst man ein Geschenk und auch dessen Größe nach der Größe des Gebers. Bei Almosen hingegen richtet sich das Maß nach dem Wert der Sache und hat nichts mit der Größe des Gebers zu tun.
Wer die Rückzahlung einer Schuld empfängt, stellt weder in Bezug auf den Geber noch auf die Sache Berechnungen an. Zahlt dieser ihm seine Schuld ohne irgendeinen Gewinn zurück, ist er zufrieden. Erhält er dagegen mehr, als er ihm gegeben hat, heißt dies bereits Zins, und der ist nach der Tora verboten.
Beim Empfang durch Tausch können die beiden Dinge auf dem Markt einen unterschiedlichen Preis haben. Fehlt jedoch dem einen, was der andere besitzt, und fehlt ebenso dem anderen, was der erste besitzt, sagt man nicht mehr, einer habe den anderen getäuscht. Denn entscheidend ist der Bedarf an der Sache und nicht der Wert des Gegenstands.
Ein Gegenstand kann auf dem Markt wenig wert sein, für jemanden aber notwendig. Dann stimmt er von ganzem Herzen zu, dass der andere ihn ihm gibt, weil er diesen Gegenstand benötigt. Die Notwendigkeit fließt also in die Bedeutung des Gegenstands ein.
Ein Erwerb durch Tausch ist, wenn der Mensch dem Schöpfer Verfehlungen, Sünden und Verbrechen gibt und Er ihm dafür Vergebung, Verzeihung und Sühne gibt.1 Das sind Kli (Gefäß) und Licht, denn ohne eine Verfehlung kann es keine Vergebung geben.
Bei einem Menschen, der einen Gegenstand oder Geld empfängt, ist zu unterscheiden, ob er sich über den Empfang freut oder ob er zufriedener wäre, wenn er nichts empfangen müsste. Letzteres trifft auf jemanden zu, der Almosen oder ein Darlehen empfängt. Anders ist es beim Empfang eines Geschenks, bei der Rückzahlung einer Schuld, beim Lohn für eine Arbeit oder beim Empfang durch einen Kauf.
Beim Tausch kann man ebenfalls sagen, dass er zufriedener wäre, wenn er nicht tauschen müsste, sondern alles selbst besäße und seinen Freund nicht brauchte, der ihm den Gegenstand im Tausch gibt.
Ebenso ist zwischen dem Empfang eines Menschen und dem Empfang eines Gegenstands zu unterscheiden: dem Empfang von Gästen, der Begrüßung eines Menschen und dem Empfang eines Weisen.
Beim Empfang eines Weisen empfindet der Mensch Freude. Der Empfang von Gästen bereitet ihm dagegen schon Mühe, weil er sie bedienen muss. Er tut dies nur aufgrund einer Mizwa, ebenso wie es heißt: „Empfange jeden Menschen mit einem freundlichen Gesicht.“2 Auch der Körper hat nicht immer Freude daran. Manchmal kommt ein Mensch zu ihm, den er nicht ertragen kann, und dennoch muss er ihn freundlich empfangen.
In der spirituellen Arbeit wird der Glaube „Almosen“ genannt. Der Mensch wäre zufrieden, wenn er Wissen hätte. Ein Geschenk heißt Tora, die „Wissen“ genannt wird, und daran hat der Mensch Freude. Um ein Geschenk darf man jedoch nicht bitten, denn Geschenke gibt man denen, die man liebt. Nachdem der Mensch durch den Glauben zu einem Menschen geworden ist, der den Schöpfer liebt, empfängt er daher vom Schöpfer die Tora, die „Geschenk“ genannt wird.
Auch die Tora wird „Erwerb“ genannt, denn sie ist die Bezahlung für die Mühe, wie geschrieben steht: „Du hast dich bemüht und gefunden – glaube.“3 Seine Mühe bestand darin, dass er im Glauben nur geben wollte, und dadurch fand er später das Geschenk. Denn die Mühe, die er für den Erwerb der Tora aufwendet, gleicht dem Geld, das man für eine Sache bezahlt, die man durch einen Kauf gegen Geld erwirbt.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026