73. Der Geschmack der Tora
Man isst, um Kraft für die Arbeit zu haben, und man arbeitet, um etwas zu essen zu haben. Man isst, damit man Kraft zum Arbeiten hat. Und so geht es immer weiter.
Man muss verstehen, was die Hauptsache und was nebensächlich ist. Das ist einfach: Man fragt einen Menschen: „Auf welches von beidem willst du verzichten?“ Das heißt, man will dir nur eines von beidem geben und nicht, dass du das eine mit dem anderen verknüpfst.
Natürlich wird er sagen, dass er auf die Arbeit verzichtet und nicht auf das Essen, denn beim Essen empfindet er einen angenehmen Geschmack, während er bei der Arbeit einen unangenehmen Geschmack empfindet. Wenn er also auf eine der beiden Tätigkeiten verzichten könnte, würde er auf die Arbeit verzichten und das Essen wählen.
Manchmal gibt es jedoch Menschen, die keinen Geschmack am Essen finden. Alles, was sie essen, essen sie nur aus Notwendigkeit, denn sonst könnte ihr Körper nicht bestehen und sie könnten nicht arbeiten.
Wozu müssen sie dann arbeiten? Weil sie bei der Arbeit Erfüllung finden. Bei der Arbeit empfinden sie Geschmack, denn sie sehen, dass sie etwas tun. Am Essen dagegen finden sie keinen Geschmack. Das liegt an einer Krankheit oder am Alter, wie unsere Weisen sagten: „Bei einem Alten gibt es keinen Geschmack.“1
Ebenso wird in der Arbeit für den Schöpfer das „Essen“ Tora genannt. Manche essen, um danach Kraft zum Arbeiten zu haben, und arbeiten, damit sie essen können, also damit sie Geschmack an der Tora finden. Wenn sie sehen, dass sie die Tora noch nicht verstehen, müssen sie die Tora als besonderes Mittel lernen. Durch die Kraft der Tora sollen sie also Kraft zum Arbeiten erhalten, denn „das Licht in ihr führt ihn zum Guten zurück“.2
Daraus folgt, dass er von der Tora isst, um Kraft zum Arbeiten zu haben. Demnach arbeitet er danach, um des Essens würdig zu werden, also um die Tora im Sinne des Geschmacks der Tora zu verstehen. Und wenn er noch keinen Geschmack an ihr findet, lernt er die Tora, damit er arbeiten kann. Somit ist die Tora nur ein Mittel, das ihm die Arbeit ermöglicht, während die Arbeit die Hauptsache ist. Manchmal ist jedoch die Tora selbst die Hauptsache, nämlich wenn er des Geschmacks der Tora würdig wird.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026