135. Die Gerechten (Zaddikim) nehmen mit starker Hand
Es gibt drei Arten des Empfangens:
1) Man empfängt Almosen.
2) Man empfängt ein Geschenk.
3) Man nimmt mit starker Hand, das heißt, man fordert, weil es einem zusteht.
1) Almosen. Beim Empfang von Almosen schämt man sich. Dennoch fordert der Mensch, obwohl er sich schämt.
2) Ein Geschenk. Es ist nicht üblich, um ein Geschenk zu bitten; vielmehr gibt man ein Geschenk, ohne dass der Empfänger es verlangt. Doch Menschen, die man liebt, beschenkt man gewöhnlich.
3) Man fordert mit starker Hand, das heißt, man schämt sich nicht zu bitten. Welcher Kategorie lässt sich dies zuordnen? Den Almosen – denn wenn man sie fordert, schämt man sich. Einem Geschenk lässt es sich jedoch nicht zuordnen, denn um ein Geschenk bittet man nicht.
Wenn ein Mensch jedoch um etwas Großes bittet und dabei nicht seinen eigenen Vorteil, sondern den Nutzen des Gebenden im Sinn hat, gilt dies nicht als Almosen: Es dient nicht seinem eigenen Nutzen, und deshalb gibt es hier keine Scham. Auch einem Geschenk gleicht es nicht, weil es nicht seinem eigenen Nutzen dient. Daher kann er bitten und schämt sich beim Empfangen nicht.
Daher gleicht es nicht den Almosen. Deshalb heißt dies das Empfangen der Gerechten: Sie nehmen mit starker Hand, also wie eine Schuld, die ihnen aufgrund des Schöpfungsziels zusteht – Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Das ist die Bedeutung von: „Das Begleichen einer Schuld ist eine Mizwa.“
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026