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160. Und das ganze Volk steht über dir

„Und das ganze Volk steht vor dir vom Morgen bis zum Abend.“

Kann man das wirklich so verstehen? Vielmehr rechnet die Schrift jedem Richter, der auch nur eine Stunde lang ein wahrhaft wahres Urteil fällt, an, als würde er sich den ganzen Tag mit der Tora beschäftigen und als wäre er zum Partner des Schöpfers am Schöpfungswerk geworden, über das gesagt wurde: „Und es wurde Abend“ usw. Rashi erklärt: „Kannst du dir vorstellen, dass Moses den ganzen Tag dasitzt und Recht spricht? Wann wird dann seine Tora gelernt? Vielmehr soll dir dies sagen: Jeder Richter, der ein wahrhaft wahres Urteil fällt.“1

Im Traktat Sanhedrin2 heißt es: Rabbi Shmuel bar Nachmani sagte im Namen von Rabbi Yonatan: „Jeder Richter, der ein wahrhaft wahres Urteil fällt, lässt die Shechina (göttliche Gegenwart) in Israel wohnen, wie es heißt: ‚Gott steht in der Gemeinde Gottes; inmitten der Richter richtet Er.‘ Jeder Richter aber, der kein wahrhaft wahres Urteil fällt, bewirkt, dass sich die Shechina aus Israel zurückzieht, wie es heißt: ‚Wegen der Bedrückung der Armen, wegen des Seufzens der Bedürftigen werde Ich Mich jetzt erheben, spricht der Ewige‘“ usw.

Im Traktat Bava Batra3 heißt es: „Die Verständigen werden leuchten wie der Glanz des Himmelsgewölbes“ – damit ist ein Richter gemeint, der ein wahrhaft wahres Urteil fällt. In einer Baraita wird gelehrt: „Die Verständigen werden leuchten wie der Glanz des Himmelsgewölbes“ – damit sind ein Richter, der ein wahrhaft wahres Urteil fällt, und die Almosensammler gemeint. Rashi erklärt: „Almosensammler – diejenigen, die sich verständig um den Armen kümmern.“

Im Traktat Megilla4 heißt es: Rabbi Elasar sagte im Namen von Rabbi Chanina: „In der Zukunft wird der Schöpfer eine Krone auf dem Haupt jedes einzelnen Gerechten sein, wie es heißt: ‚An jenem Tag wird der Ewige Zewaot zur herrlichen Krone‘ …“

Was bedeuten „zur herrlichen Krone und zum prächtigen Kranz“? Für diejenigen, die Seinen Willen ausführen und auf Seine Pracht warten. Könnte dies für alle gelten? Deshalb heißt es: „für den Rest Seines Volkes“ – für den, der sich selbst wie einen Rest betrachtet. „Zum Geist des Rechts“ bezeichnet den, der über seinen Trieb richtet; Rashi erklärt: Er zwingt ihn zur Umkehr (Teshuwa). „Dem, der über dem Gericht sitzt“, bezeichnet den, der ein wahrhaft wahres Urteil fällt. „Und zur Stärke“ bezeichnet den, der seinen Trieb überwindet; Rashi erklärt: Er folgt ihm nicht, um eine Übertretung zu begehen.

Wir sehen bei demjenigen, der ein wahrhaft wahres Urteil fällt, vier Aspekte:

1) Im Traktat Schabbat: Es ist, als wäre er zum Partner des Schöpfers am Schöpfungswerk geworden.

2) Im Traktat Sanhedrin: Er lässt die Shechina in Israel wohnen.

3) Im Traktat Bava Batra: Er gehört zu den Verständigen, die wie der Glanz des Himmelsgewölbes leuchten werden.

4) Er wird der Stufe würdig, von der es heißt: „In der Zukunft wird der Schöpfer eine Krone auf dem Haupt jedes einzelnen Gerechten sein.“

All das müssen wir im Sinne der ethischen Lehre verstehen. Bei demjenigen, der ein wahrhaft wahres Urteil fällt, ist zu klären, was die Präzisierung „wahrhaft“ bedeutet. Gibt es denn zwei Arten von Wahrheit? Und was ist eine Wahrheit, die nicht wahrhaft ist?

Um dies zu verstehen, schicken wir voraus, was unsere Weisen sagten: „Unsere Lehrer lehrten: Der Mensch soll sich immer so betrachten, als sei er zur Hälfte schuldig und zur Hälfte verdienstvoll. Hat er eine Mizwa erfüllt, ist er glücklich zu preisen, denn er hat sich selbst zur Seite des Verdienstes geneigt. Hat er eine Übertretung begangen, wehe ihm, denn er hat sich selbst zur Seite der Schuld geneigt, wie es heißt: ‚Ein einziger Sünder vernichtet viel Gutes.‘ Wegen einer einzigen Sünde, die er begangen hat, geht ihm viel Gutes verloren.“5

Wir müssen fragen: Wenn der Mensch von sich weiß, dass er wenige Verdienste und viele Übertretungen hat, wie kann man dann sagen, er sei halb und halb? Er weiß doch selbst, dass dies nicht wahr ist. Und überhaupt: Wie kann man ihn daran gewöhnen, eine Lüge zu sagen? Schließlich gilt: „Das Eingeständnis einer Prozesspartei wiegt wie hundert Zeugen.“ Wie konnten die Weisen also sagen, er solle sich als halb und halb betrachten?

Im Traktat Sukka führt die Gemara an: „In der Zukunft bringt der Schöpfer den Bösen Trieb (Jezer haRa) herbei und schlachtet ihn vor den Gerechten und vor den Frevlern. Den Gerechten erscheint er wie ein hoher Berg, den Frevlern wie ein Haar.“

Wir müssen verstehen, was die Wahrheit ist: Ist er wie ein Haar oder wie ein hoher Berg? Dort erzählt die Gemara auch eine Begebenheit mit Abaje: „Da kam jener Alte und lehrte ihn: Je größer ein Mensch als sein Freund ist, desto größer ist auch sein Trieb.“

Wir müssen fragen: Haben unsere Weisen nicht gesagt: „Eine Mizwa zieht eine weitere Mizwa nach sich“? Rabbenu Owadja aus Bartenura erklärt dazu: Wer eine Mizwa erfüllt, dem fällt es leichter, weitere zu erfüllen.6 Hier aber heißt es, dass bei jedem, der größer als sein Freund ist – Größe bedeutet zweifellos Größe in Mizwot –, auch sein Trieb größer ist. Wenn sein Trieb größer ist, fällt es ihm schwerer, Mizwot zu erfüllen. Wie konnten die Weisen dann sagen: „Eine Mizwa zieht eine weitere Mizwa nach sich“?

Bekanntlich wurde uns die Mizwa der freien Wahl gegeben. Durch diese Wahl können wir das Gute empfangen, das der Schöpfer für die Geschöpfe vorbereitet hat. Dies ist das Schöpfungsziel (Mattarat haBeria): Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Damit kein Brot der Schande (Nahama deKisufa) entsteht, wurde uns die Wahl in der Zeit der Verhüllung gegeben.

Wahl besteht gerade dann, wenn das Böse und das Gute gleichgewichtig sind. Dann liegt es in der Kraft des Menschen, die Entscheidung herbeizuführen. Ist das Böse dagegen größer als das Gute, gibt es keine Entscheidung mehr, denn dadurch, dass das Böse größer als das Gute ist, hat es bereits den Ausschlag gegeben, und der Mensch kann nicht mehr entscheiden.

Der Maimonides schreibt: „Diese Sache ist ein großer Grundsatz und eine Säule der Tora und der Mizwa, wie es heißt: ‚Siehe, Ich habe vorgelegt.‘ Das bedeutet: Die Entscheidung liegt in eurer Hand, und der Mensch kann von den menschlichen Handlungen alles tun, was er tun möchte. Der Schöpfer zwingt die Menschen nicht und bestimmt nicht über sie, ob sie Gutes oder Böses tun, sondern alles ist ihnen übergeben.“ Ende des Zitats.7 All das kann nur gelten, solange das Böse nicht mehr Kraft besitzt als das Gute.

Damit erklären wir die Aussage: „Der Mensch soll sich immer so betrachten, als sei er zur Hälfte schuldig und zur Hälfte verdienstvoll.“ Hier geht es nicht darum, wie er vor dem oberen Gericht dastehen wird, denn dort gilt für ihn eine andere Rechnung. Wenn man darüber richtet, wie viel Lohn und wie viel Strafe ihm zustehen, wird er nach den Übertretungen und Mizwot beurteilt, die er begangen beziehungsweise erfüllt hat.

Hier in dieser Welt aber, wo gesagt wurde, der Mensch solle sich als zur Hälfte schuldig und zur Hälfte verdienstvoll betrachten, geht es darum, wie er sich in dieser Welt verhalten soll. Er könnte sagen: Da ich viele Verfehlungen habe, ist mein Böses ohnehin größer als mein Gutes. Deshalb kann ich nicht mehr zur Seite des Guten entscheiden, denn das Böse hat das Gute bereits zur Seite des Bösen geneigt.

Man muss ihm jedoch sagen: In der spirituellen Arbeit entspricht die Wahrheit nicht dem, was er sieht. Es stimmt zwar, dass er viele Übertretungen hat, doch in Wahrheit – soweit es die Wahl betrifft – besitzt das Böse in ihm nicht mehr Kraft als das Gute. Wenn sein Gutes sehr klein ist, ist auch die Kraft des Bösen nicht größer als die des Guten, denn die Kräfte müssen gleich sein; andernfalls gäbe es keine Wahl. Deshalb wurde seinem Bösen nicht mehr Kraft gegeben als seinem Guten.

Dies ist die Bedeutung von „Jeder Richter, der ein wahrhaft wahres Urteil fällt“. Denn im Sinne der ethischen Lehre befindet sich ein Richter in jedem einzelnen Menschen aus Israel, wie im Artikel „Kein Unglück kommt in die Welt außer wegen der Richter Israels“ erklärt wird.

Wenn ein Mensch etwas tun muss, beispielsweise einer Einrichtung eine große Spende geben soll, stehen zwei Auffassungen vor ihm.

Die eine Seite behauptet: Diese Einrichtung ist lebenswichtig. Man muss sich darum bemühen, dass sie bestehen bleibt, denn viele Menschen haben Nutzen von ihr. Jetzt benötigt sie umfangreiche Unterstützung; andernfalls droht ihr der Zusammenbruch, und nach all der großen Mühe, die in sie investiert wurde, wäre sie zum Untergang verurteilt.

Nur wenn er jetzt eine große Spende leistet – sowohl durch persönlichen Einsatz als auch mit seinem Vermögen –, kann die Einrichtung weiterbestehen. Deshalb lohnt es sich für ihn, diese Mühe auf sich zu nehmen.

Die andere Seite behauptet: Er ist mit seinen eigenen Angelegenheiten sehr beschäftigt. Wenn er sich zugunsten der Einrichtung anstrengt, werden seine Geschäfte zugrunde gehen.

Wie sehr hat er sich angestrengt, um seine jetzige Stellung zu erreichen! Wie viel Blut und Schweiß und wie viel Demütigung seiner eigenen Würde hat es ihn gekostet, dass er sich vor Verwandten und Freunden kleinmachen musste, damit sie ihm halfen. Der Schöpfer sei Dank hatte er Erfolg, und inzwischen zählt er zu den angesehenen Menschen seiner Stadt. Wer weiß, in welche Lage er geraten könnte, wenn er seine Geschäfte vernachlässigt?

Selbst wenn er sich nicht entschließt, der Leitung der Einrichtung beizutreten, sondern nur eine große Spende leistet – sich also allein mit seinem Vermögen beteiligt und nicht persönlich in der Einrichtung tätig wird –, wie kann er eine große Summe aus der Kasse nehmen?

Wenn er eine beträchtliche Summe entnimmt, wird sie ihm im Geschäftsablauf fehlen. In ein Geschäft muss man immer Geld einbringen und darf es nicht herausnehmen. Bekanntlich kann man Waren mit Bargeld günstiger kaufen. Auch wenn man Waren bei einer Fabrik bestellt, erhält man die Bestellung bei Barzahlung früher. Deshalb darf er sich nicht einmal nur mit einer Geldspende beteiligen.

Der Mensch muss nun ein Urteil fällen, denn er ist jetzt zum Richter geworden, der zwischen den beiden Seiten entscheidet und bestimmt, bei wem Recht und Gerechtigkeit (Zedaka) liegen. Gewiss ist die Entscheidung schwer, da beide Seiten Argumente haben und auf den ersten Blick beide recht haben. Deshalb muss er ein wahrhaft wahres Urteil fällen, also auf das Innere der Dinge schauen und prüfen, ob es sich lohnt, das Einzelne zugunsten der Allgemeinheit zu annullieren.

Eine Entscheidung ist nur möglich, wenn zwei gleich starke Kräfte einander gegenüberstehen. Keine Seite darf hinsichtlich der Notwendigkeit ihres Fortbestands stärker sein als die andere. Erst dann kann man sagen, dass er entscheiden muss, wem er seine Hilfe besser geben soll. Ist dagegen eine Seite schwächer, gibt es keinen Streitfall, in dem er bestimmen müsste, wer im Recht ist, denn selbstverständlich muss man dem helfen, von dem man glaubt, dass er die Hilfe nötiger braucht.

Ebenso ist es hier: Wenn ein Mensch seinen Trieb überwinden muss und sieht, dass er viele Übertretungen und wenige Mizwot hat, denkt er: Da ich viele Übertretungen und wenige Verdienste habe, besitzt das Böse bereits die Kraft, über mich zu herrschen, denn die Mehrheit setzt sich durch.

Demnach braucht er sich überhaupt nicht anzustrengen, das Böse in sich zu überwinden, weil er die Mehrheit ohnehin nicht überwinden kann. Folglich wäre seine Arbeit vergeblich.

Deshalb kamen unsere Weisen und sagten: Es stimmt zwar, was er sieht – wegen seiner bisherigen Handlungen erscheint ihm der größere Teil böse und der kleinere gut, und gemessen an den Handlungen hat er mehr schlechte als gute Taten.

Doch in Wahrheit, wenn er also auf das Innere der Handlungen schaut, bezeugen uns die Weisen, dass man dem Bösen von oben nicht mehr Kraft gibt, als das Gute in ihm besitzt. Das Gewicht muss gleich sein, damit er die Waage entscheiden kann.

Dafür, dass er viele schlechte Taten begangen hat, wird er in der Kommenden Welt gerichtet. Wenn man ihn für seine Taten bestrafen will, berücksichtigt man also die Menge der Taten.

Wenn der Mensch aber in dieser Welt auf den Wegen des Schöpfers gehen soll, besitzt er Wahl, solange er sich in dieser Welt befindet. Der Schöpfer hat dem Bösen nicht mehr Kraft gegeben, als sein Gutes besitzt. Deshalb befinden sich beide immer im Zustand „halb und halb“.

Damit verstehen wir die Aussage unserer Weisen: „In der Zukunft bringt der Schöpfer den Bösen Trieb herbei und schlachtet ihn vor den Gerechten und vor den Frevlern. Den Gerechten erscheint er wie ein hoher Berg, den Frevlern wie ein Haar.“

Wir fragten, welches seine wahre Gestalt ist. Nach dem Gesagten ist es einfach zu verstehen: Der Schöpfer gab dem Bösen nur so viel Kraft, wie es der Größe des Guten entspricht. Die Gerechten besitzen viele Verdienste; damit das Gewicht gleich bleibt, muss deshalb auch das Böse in ihnen – also der Böse Trieb – so groß sein wie das Gute. Daher sagten die Weisen: „Er erscheint ihnen wie ein hoher Berg.“

Bei den Frevlern dagegen ist das Gute nur „wie ein Haar“. Daher ist auch ihr Böser Trieb nicht größer als „ein Haar“.

Damit verstehen wir auch, was jener Alte Abaje lehrte: „Je größer ein Mensch als sein Freund ist, desto größer ist auch sein Trieb.“ Wir fragten: Es gilt doch der Grundsatz (Klal) „Eine Mizwa zieht eine weitere Mizwa nach sich“. Wer groß geworden ist, hat dies gewiss dadurch erreicht, dass er eine Mizwa erfüllt hat. Warum hat sich dann das Böse bei ihm vermehrt? Nach dem Gesagten hätte doch das Gute stärker werden müssen.

Doch die Wahl muss erhalten bleiben. Würde man das Böse in ihm nicht entsprechend der Größe des Guten vermehren, auf deren Stufe er jetzt steht, hätte das Gute bereits den Ausschlag gegeben, sodass er nur noch Gutes tun würde. Dann hätte er keine Arbeit der Wahl mehr. Die ganze Größe des Menschen zeigt sich aber darin, dass er die Kraft besitzt, die Wahl immer weiter zu vergrößern.

Dies ist die Bedeutung der Aussage: „Nach der Mühe richtet sich der Lohn.“ Mühe gibt es nur während der Wahl. Deshalb muss man ihm jedes Mal mehr Böses hinzufügen, damit er etwas hat, worüber er entscheiden kann.

Damit können wir die Aussage unserer Weisen erklären: „Jeder Richter, der ein wahrhaft wahres Urteil fällt – es ist, als wäre er zum Partner des Schöpfers am Schöpfungswerk geworden.“ So steht im Sohar: „‚Und zu Zion zu sagen: Du bist Mein Volk‘.8 Lies nicht ‚Du bist Mein Volk‘, sondern ‚Du bist mit Mir‘, um Mein Partner zu sein. So wie Ich Himmel und Erde durch Meine Worte erschaffen habe, wie es heißt: ‚Durch das Wort des Ewigen wurden die Himmel geschaffen‘, so hast auch du durch deine Worte der Weisheit neue Himmel und eine neue Erde geschaffen. Glücklich sind jene, die sich in der Tora abmühen.“9

Die Bedeutung ist: Indem der Mensch ein wahrhaft wahres Urteil fällt, kann er die Entscheidung zugunsten des Guten herbeiführen. Dann wird er des Guten und des Genusses würdig, die der Schöpfer für die Geschöpfe vorbereitet hat. Darin liegt der Grund für die Erschaffung der Welt. Der Mensch wird also zum Partner des Schöpfers: Der Schöpfer will geben, und die Geschöpfe werden fähig zu empfangen. Dadurch entsteht die Partnerschaft.

Wenn sie dagegen nicht wie oben beschrieben ein wahrhaft wahres Urteil fällen, können sie ihre Handlungen nicht korrigieren und folglich nicht die Wohltat empfangen, mit der der Schöpfer Seinen Geschöpfen Genuss bereiten will. Daher bleibt die obere Fülle oben, und den Unteren wird der Name „gut und Gutes tuend“ nicht offenbart. Dann gelangt das Schöpfungsziel nicht zur Vollendung.

Wenn die Unteren dagegen fähig sind, die vollkommene Wohltat zu empfangen, gelangt die Schöpfung zu ihrer Vollkommenheit. Der Mensch wird also zum Partner des Schöpfers, indem er empfängt, was der Schöpfer geben will.

Auf diese Weise verstehen wir auch die Aussage unserer Weisen: „Jeder Richter, der ein wahrhaft wahres Urteil fällt, lässt die Shechina in Israel wohnen.“ Die Erklärung entspricht dem Gesagten: Indem er seine Handlungen korrigiert, bewirkt er, dass die Shechina in Israel wohnt. Darüber wurde gesagt: „Hat er eine Mizwa erfüllt, ist er glücklich zu preisen, denn er hat sich selbst und die ganze Welt zur Seite des Verdienstes geneigt.“ Durch seine Handlungen bewirkt er, dass sich die obere Fülle den Unteren offenbart.

Damit wird auch die Aussage erklärt: „Jeder Richter, der ein wahrhaft wahres Urteil fällt … sie werden leuchten wie der Glanz des Himmelsgewölbes.“ Durch die Korrektur ihrer Handlungen werden sie würdig, dass die obere Fülle gegeben wird, und sie wird über ihnen leuchten wie der Glanz des Himmelsgewölbes.

Ebenso wird er dessen würdig, dass der Schöpfer „eine Krone auf dem Haupt jedes einzelnen Gerechten“ sein wird. Denn jeder, der die Entscheidung zugunsten des Guten herbeiführt, wird der oberen Vollkommenheit würdig: Der Schöpfer wird über ihm wohnen, und er wird sehen, dass Er ihn bedeckt, umgibt und beschützt.

Bekanntlich will der Schöpfer den Geschöpfen alles Gute geben, doch wir sind nicht fähig, es zu empfangen. Der Schöpfer will, dass Seine Gabe keinen Mangel aufweist. Deshalb will Er, dass wir nur durch unsere Arbeit empfangen.

Wenn wir jedoch nicht viele Verdienste erwerben, fällt es uns schwer, die Entscheidung zugunsten des Guten herbeizuführen, weil das Böse in uns bereits sein größtes Maß erreicht hat. Deshalb nahm der Schöpfer eine Korrektur vor, durch die das Böse und das Gute immer gleich sein werden.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026


  1. Schabbat 10a. ↩

  2. Traktat Sanhedrin, 7a. ↩

  3. Traktat Bava Batra, 8b. ↩

  4. Traktat Megilla, 15b. ↩

  5. Kiddushin 40b. ↩

  6. Awot 4. ↩

  7. Kapitel 5 der Gesetze der Umkehr. ↩

  8. Jesaja 51:16. ↩

  9. BeReshit 5a. ↩