156. Die Heiligung des Mondes
Man muss verstehen, warum gerade der Mond geheiligt werden muss.
Bekanntlich weisen Sonne und Mond auf Seir Anpin und Malchut hin. Dem Verhältnis von Zweig und Wurzel entsprechend beten wir daher bei der Heiligung des Mondes: „Möge es Sein Wille sein, den Mangel des Mondes auszugleichen.“1 Man muss verstehen, warum es eine Rolle spielt, dass der Mond einen Mangel hat, sodass uns gegeben wurde, ihn zu heiligen und den Schöpfer darum zu bitten, seinen Mangel auszugleichen. Und worin besteht dieser Mangel?
Aus dem Ausspruch unserer Weisen: „Bringt für Mich Sühne dafür, dass Ich den Mond verkleinert habe“2 klingt es, als hätte der Schöpfer dadurch, dass Er den Mond verkleinerte, eine Sünde begangen. Man muss verstehen, was für eine Sünde dies ist, die korrigiert werden muss.
Bekanntlich weist der Mond auf Malchut hin, also auf das Königtum des Himmels. Obwohl wir glauben müssen, dass „die ganze Erde von Seiner Herrlichkeit erfüllt ist“3, erfolgten eine Einschränkung (Zimzum) und eine Verhüllung, sodass wir dies nicht empfinden.
Wir müssen über dem Verstand glauben, dass es so ist. Demnach ist es, als hätte diese Verhüllung, die der Schöpfer bewirkte, dazu geführt, dass die Geschöpfe wegen der Verhüllung das Königtum des Himmels nicht auf sich nehmen können. Und wer bewirkte die Verhüllung? Doch der Schöpfer. Somit gleicht dies dem Verbot: „Du sollst einem Blinden kein Hindernis in den Weg legen.“4
Warum aber bewirkte Er die Verhüllung? Mein Vater und Lehrer erklärte: Ohne die Verhüllung gäbe es keinerlei Möglichkeit, sich dafür zu entscheiden, mit der Absicht zu empfangen, um zu geben. Vielmehr würden alle Geschöpfe dem Schöpfer dienen, indem sie mit der Absicht empfangen, um zu empfangen. Da Er jedoch eine Verhüllung und eine Einschränkung bewirkte, gibt es Raum für die Wahl, sodass die Geschöpfe arbeiten können, um zu geben.
Daraus folgt: Wenn die Unteren ein Opfer darbringen, also sich selbst dem Schöpfer darbringen – und damit Gleichheit der Form erreichen –, dann erkennen alle, dass es dank der Verhüllung möglich wurde, Gleichheit der Form zu erreichen.
Daraus folgt, dass darin keine Sünde liegt, dass Er die Verhüllung bewirkte und Malchut einschränkte. Im Gegenteil: Nur die Verhüllung ermöglichte all dies. Somit ist der Mangel verschwunden. Daher heißt es: „Bringt für Mich Sühne.“ Der Begriff „Sühne“ hängt hier mit „Bösem“ zusammen, wie in dem Ausdruck: „meine Hände an jenem Menschen abwischen“5; das bedeutet, dass der ganze Mangel ausgelöscht wird.
Wenn der Mond geheiligt wird, zeigt sich daher: Durch den Mangel und die Verhüllung wurde es möglich, in die Arbeit einzutreten, um zu geben. Somit wird die Verhüllung in die Heiligkeit (Kedusha) einbezogen. Sie gilt dann nicht als Mangel oder Defizit, sondern als Korrektur. Dies heißt „Heiligung des Mondes“. Dadurch wird der Mangel ausgeglichen; das heißt, man erkennt, dass er überhaupt kein Mangel ist.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026