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159. Notwendigkeit und Bedeutung des Glaubensstudiums

„Und wähle das Leben.“ Der Tanna Rabbi Ishmael lehrte: Damit ist ein Handwerk gemeint. Daraus sagten die Weisen: Ein Mensch ist verpflichtet, seinen Sohn ein Handwerk zu lehren; hat er es ihn nicht gelehrt, muss er es selbst erlernen. Aus welchem Grund? Es steht geschrieben: „Damit du lebst.“1

Daraus folgt, dass es eine Mizwa ist, ein Handwerk zu erlernen. Dies fällt unter „Und wähle das Leben“. Warum gibt es dann in einer Jeschiwa keine solche Ordnung, nach der jeder Schüler ein Handwerk erlernt, und warum kümmert sich die Leitung der Jeschiwa nicht darum?

In Kiddushin heißt es: „Woher wissen wir, dass er ihn ein Handwerk lehren muss? Rabbi Chiskija sagte: Die Schrift sagt: ‚Sieh das Leben mit einer Frau, die du liebst.‘2 Ist mit ‚Frau‘ eine wirkliche Frau gemeint, so gilt: Wie er verpflichtet ist, ihn zu verheiraten, so ist er verpflichtet, ihn ein Handwerk zu lehren. Ist damit die Tora gemeint, so gilt: Wie er verpflichtet ist, ihn Tora zu lehren, so ist er verpflichtet, ihn ein Handwerk zu lehren.“ Warum achtet man dann nicht darauf?

In der Tosefta zum ersten Kapitel von Kiddushin heißt es: „Rabbi Jossi, Sohn von Rabbi Elieser, sagt im Namen von Rabban Gamliel: Wem gleicht jeder, der ein Handwerk beherrscht? Einem umzäunten Weinberg, in den weder Vieh noch wilde Tiere eindringen, in den keine Vorübergehenden eintreten und dessen Inneres niemand sieht.“

Man muss fragen: Welche Verbindung besteht zwischen einem Handwerk und einem umzäunten Weinberg, in den weder Vieh noch wilde Tiere eindringen? Was bedeutet außerdem, dass keine Vorübergehenden hineingehen, und wie hilft das Handwerk dabei? Ferner sieht niemand, was sich darin befindet. Was würde es schon ausmachen, wenn man sein Inneres sähe – so sehr, dass es sich deshalb lohnte, sich von den Worten der Tora abzuwenden und einem Handwerk nachzugehen?

In Kiddushin heißt es: „Rabbi Yehuda sagt: Wer seinen Sohn kein Handwerk lehrt, lehrt ihn Räuberei. Räuberei – kann das wirklich gemeint sein? Vielmehr ist es, als lehre er ihn Räuberei.“ Aus dem Jerusalemer Talmud folgt also, dass dies unter ein positives Gebot fällt, nämlich unter den Vers „Und wähle das Leben“. Rabbi Chiskija leitet es aus „Sieh das Leben“ ab, und aus Rabbi Yehudas Worten folgt, dass der Sohn gegen das Verbot „Du sollst nicht rauben“ verstoßen könnte, denn er sagte: „Es ist, als lehre er ihn Räuberei.“3

Beim Handwerk finden wir in den Worten unserer Weisen eine Meinungsverschiedenheit: „Bar Kappara lehrte: Ein Mensch soll seinen Sohn immer ein sauberes und leichtes Handwerk lehren. Welches ist das? Rav Yehuda sagte: die Furchennadel.“ Rashi erklärt: „Eine Nadel, deren Nähte Furche um Furche, Reihe um Reihe verlaufen wie die Furchen eines Pfluges.“

Im weiteren Verlauf der Gemara heißt es: „Es wurde gelehrt: Rabbi sagt: Kein Handwerk verschwindet aus der Welt“ – das bedeutet, dass jedes gebraucht wird. „Glücklich ist, wer seine Eltern bei einem hervorragenden Handwerk sieht; wehe dem, der seine Eltern bei einem mangelhaften Handwerk sieht.“

„Die Welt kann weder ohne einen Parfümeur noch ohne einen Gerber bestehen. Glücklich ist, wessen Handwerk die Parfümerie ist; wehe dem, wessen Handwerk die Gerberei ist. Die Welt kann weder ohne Männer noch ohne Frauen bestehen. Glücklich ist, wessen Kinder männlich sind; wehe dem, wessen Kinder weiblich sind.“ So weit seine Worte.

Man muss fragen:

1) Warum beginnt er mit den Eltern, spricht danach vom Menschen selbst und anschließend von seinen Kindern?

2) Was bedeutet „Glücklich ist, wessen Eltern …“, und was soll uns das lehren? Seine Eltern kann er doch nicht korrigieren. Somit wäre dies ein Klagen über die Vergangenheit. Die Weisen lehren uns jedoch, was wir korrigieren müssen; das betrifft nur Gegenwart und Zukunft, nicht aber die Vergangenheit.

„Rabbi Nehorai sagt: Ich lasse jedes Handwerk der Welt beiseite und lehre meinen Sohn nur Tora. Denn jedes Handwerk der Welt trägt ihn nur in seiner Jugend; im Alter aber liegt er hungernd da. Mit der Tora ist es anders: Sie trägt den Menschen in seiner Jugend und gibt ihm Zukunft und Hoffnung im Alter.“

Rashi erklärt: Kein Handwerk bringt erst später Lohn; sein Lohn findet sich nur zu seiner jeweiligen Zeit. Der Lohn der Tora hingegen kommt mit der Zeit von selbst; selbst ein Kranker oder alter Mensch, der sich jetzt nicht mit ihr beschäftigen kann, ernährt sich von dem, was er früher erworben hat.4

Man muss fragen: Welchen Lohn hat ein Mensch davon, dass er sich in seiner Jugend und ebenso im Alter mit der Tora beschäftigt, sodass man sagen kann, er könne sich davon ernähren? Noch schwerer wiegt: Nach dem Gesagten scheint er die Tora zu einem Werkzeug zu machen, mit dem er gräbt5, entgegen den Worten unserer Weisen. Wir wollen all dies im Sinne der ethischen Lehre erklären, denn die Weisen lehren uns, wie wir auf den Wegen der Arbeit gehen sollen.

Bevor wir das Gesagte erklären, müssen wir das Schöpfungsziel verstehen, um dessentwillen der Mensch erschaffen wurde. In den heiligen Büchern wird erklärt, dass es darin besteht, Seinen Geschöpfen Genuss zu bereiten, denn es liegt in der Natur des Guten, Gutes zu tun.

Auch im Midrash Rabba wird erklärt: „Die dienenden Engel sagten vor dem Schöpfer: ‚Was ist der Mensch, dass Du seiner gedenkst, und des Menschen Sohn, dass Du Dich seiner annimmst? Wozu diese Mühe, ihn zu erschaffen?‘ Ein Gleichnis von einem König, der einen Turm voller Güter, aber keine Gäste hatte. Welche Freude hat der König daran? Sie sagten vor Ihm: ‚Gebieter der Welt, tue, was Dir gut und wohlgefällig ist.‘“6

Daraus wird deutlich, dass der Mensch erschaffen wurde, weil der Schöpfer den Geschöpfen Gutes tun will; deshalb erschuf Er sie. Dazu fragten sie: Wenn das Ziel darin besteht, Gutes zu tun, warum erleiden die Geschöpfe dann Leiden und Schmerz und werden nicht des Guten und des Genusses würdig, die der Schöpfer ihnen geben will?

Der Sohar erklärt: „Wer isst, was nicht sein Eigen ist, schämt sich, dem Gebenden ins Gesicht zu sehen.“ Das heißt, jedem unentgeltlichen Geschenk haftet der Makel der Scham an.

Damit es kein Brot der Schande (Nahama deKisufa) gibt, das Geschenk des Schöpfers also vollkommen und ohne jeden Mangel ist, gab uns der Schöpfer einen Ort der Arbeit, die „Arbeit der Wahl“ heißt. Durch sie kann der Mensch all Sein Gutes empfangen, ohne irgendeine Scham zu empfinden.

Wenn der Mensch Tora und Mizwot erfüllt, obwohl er noch keinen Geschmack an der Arbeit empfindet, muss er alles allein im Glauben erfüllen. Denn wenn die Führung der Welt unter der Verhüllung des Angesichts steht, können Tora und Mizwot auf der Grundlage des Glaubens erfüllt werden.

In einer solchen Zeit gibt es Raum für die Wahl: das Böse zu verabscheuen und das Gute zu wählen. Indem der Mensch die Wahl vollzieht, kann er sich so korrigieren, dass er alle Handlungen nicht ausführt, um Lohn zu empfangen, sondern allein mit der Absicht für den Schöpfer.

Wenn man keinen Geschmack an der Arbeit empfindet, gewöhnt sich der Mensch bereits daran, Handlungen sogar ohne Lohn auszuführen. Wenn er später des Inneren der Tora und des Lichtes des Genusses würdig wird und sich somit in einem Zustand der Offenbarung des Angesichts befindet, kann er diese Genüsse dennoch allein um der Mizwa willen empfangen.

Denn die Absicht des Schöpfers ist, dass der Mensch die höheren Genüsse empfängt; das ist das Schöpfungsziel. Er soll sie jedoch nicht um seiner selbst willen empfangen. Sein Wunsch nach den Genüssen soll also nicht daraus entstehen, dass er sich selbst erfreuen will; seine Absicht besteht vielmehr darin, zu empfangen, um zu geben. Darin liegt der ganze Zweck, für den ein Ort der Verhüllung geschaffen wurde.

Deshalb gibt es während der Verhüllung Raum für die Arbeit, die Ehrfurcht vor dem Himmel auf sich zu nehmen, „wie ein Ochse das Joch und wie ein Esel die Last“, um sich daran zu gewöhnen, dem Schöpfer nicht um des Lohnes willen zu dienen.

Nach dem Gesagten ist die Hauptarbeit, die uns gegeben wurde, der Glaube, der die Ehrfurcht vor dem Himmel bezeichnet. Die Ehrfurcht vor dem Himmel zu erlangen, ist etwas sehr Großes, wie unsere Weisen sagten: „Ist etwa die Ehrfurcht vor dem Himmel eine Kleinigkeit?“

Das bedeutet: Zuerst müssen wir lernen, was Ehrfurcht vor dem Himmel ist; danach beginnt die Arbeit, sie auf sich zu nehmen. Wie oben gesagt wurde: „Für Moses ist sie eine Kleinigkeit.“ Daraus folgt, dass sie für jemanden, der nur wenig unter der Stufe von Moses steht, etwas Großes ist, obwohl wir nicht verstehen können, wie die Ehrfurcht vor dem Himmel etwas so Großes sein kann.

Denn wer besitzt keine Ehrfurcht vor dem Himmel? Schon von jemandem, der nur einmal am Tag betet und koschere Speisen isst, sagen wir, er besitze Ehrfurcht vor dem Himmel. Daher muss man hier sagen: Die Weisen wussten wirklich, was Ehrfurcht vor dem Himmel ist; deshalb bestimmten und sagten sie, dass sie etwas Großes ist.

Wir hingegen müssen zuerst lernen, was Ehrfurcht vor dem Himmel ist. Sie ist so groß, dass unsere Weisen sagten: „Das Endergebnis von allem: Fürchte den Schöpfer und halte Seine Mizwot, denn das ist der ganze Mensch.“ Was bedeutet „denn das ist der ganze Mensch“? Rabbi Elasar sagte: Der Schöpfer sprach: „Die ganze Welt wurde nur dafür erschaffen; dies wiegt die ganze Welt auf; die ganze Welt wurde nur erschaffen, um diesem zu dienen.“

Daraus folgt, dass unser ganzes Leben vom Glauben an den Schöpfer abhängt. Er wird Gefäß (Kli) genannt, durch das wir alles in dieser Welt erwerben können, in der uns die Arbeit in Tora und Mizwot gegeben wurde. Alles hängt vom Maß des Glaubens ab, den wir erwerben.

Damit verstehen wir die Worte unserer Weisen und Rashis Erklärung: „Der Schöpfer rechnete es Abraham als Verdienst und als Gerechtigkeit an“ – wegen seines Glaubens an Ihn. Wir müssen verstehen, warum der Glaube Gerechtigkeit (Zedaka) heißt und welche Verbindung zwischen Gerechtigkeit und Glauben besteht.

Wenn ein Mensch arbeitet, um zu geben, und nicht, um zu seinem eigenen Genuss zu empfangen, gleicht er jemandem, der seinem Freund hundert Lira gibt und dafür keinerlei Gegenleistung will. Demgegenüber gibt jemand seinem Freund hundert Lira und will dafür einen Anzug oder einen Kleiderschrank erhalten. Niemand wird von demjenigen, der hundert Lira für einen Anzug gibt, sagen, er sei besonders großzügig und so gutherzig, dass er dem Händler hundert Lira geben könne. Denn er erhält eine Gegenleistung für seine Mühe.

Wer seinem Freund dagegen hundert Lira gibt und dafür keinerlei Gegenleistung erhalten will, ist gewiss freigebig und will Almosen geben.

Wer dem Schöpfer auf der Grundlage des Glaubens dient, arbeitet daher nicht, um Lohn zu empfangen. Andernfalls, wenn seine Grundlage nicht der Glaube ist, gehört er gerade zu denen, die für ihre Mühe Lohn empfangen wollen. Denn er sehnt sich immer danach, sich vom Glauben zu befreien, und will nur auf der Grundlage des Wissens arbeiten.

Wenn man dem Schöpfer dient, um zu geben und keinerlei Gegenleistung zu empfangen, heißt dies Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer. Dadurch haftet man am Leben der Leben an. Unsere Weisen sagten: „Hafte an Seinen Eigenschaften: Wie Er barmherzig ist, so sei auch du barmherzig.“ Wie der Schöpfer den Unteren gibt, so muss auch der Mensch arbeiten, um zu geben.

Wenn der Mensch einen Zustand erreicht hat, in dem er dem Schöpfer mit dieser Absicht dienen kann, wird er der spirituellen Genüsse würdig, die der Schöpfer in Seiner Absicht, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, vorgesehen hat.

Denn dann ist das Geschenk des Schöpfers vollkommen und ohne den erwähnten Makel des Brotes der Schande. Unsere Weisen sagten: „Rabbi Meir sagt: Wer Tora liShma (um des Gebens willen) lernt“ – also mit der Absicht zu geben – „wird vieler Dinge würdig.“7

Der Glaube wird auch als Mizwa bezeichnet. Es gibt die Tora und es gibt die Mizwa, wie mein Vater und Lehrer die Worte unserer Weisen erklärte: „Wer eine Mizwa erfüllt – glücklich ist er, denn er hat sich selbst und die Welt zur Seite des Verdienstes geneigt.“ Die „eine Mizwa“ bezeichnet den Glauben. Dem Gesagten zufolge sind Glaube, Ehrfurcht vor dem Himmel und die eine Mizwa ein und dieselbe Sache, doch jede Bezeichnung zeigt eine andere Form.

Nun können wir erklären, was der Jerusalemer Talmud im Namen von Rabbi Ishmael anführt: „Und wähle das Leben – damit ist ein Handwerk gemeint.“ Dass der Vater seinen Sohn ein Handwerk lehren muss, bezieht sich auf den Glauben. Dies wird „Handwerk“ genannt, weil es ein großes Studium ist, wie unsere Weisen sagten: „Ist etwa die Ehrfurcht eine Kleinigkeit?“

Die Bezeichnung „Handwerk“ gehört vor allem zu etwas, das von der Kraft der Handlungen abhängt. Wer dagegen eine Wissenschaft wie Medizin, Ingenieurwesen oder Astronomie erlernt, befasst sich mit einer Weisheit und nicht mit einem Handwerk, denn dies gehört zum Verstand und nicht zu den übrigen Gliedern.

Da der Glaube über dem Verstand steht und dem Intellekt entgegenläuft – denn vom Glauben kann man gerade dort sprechen, wohin der Intellekt nicht reicht –, beruht er allein auf Kraft: auf der kraftvollen Annahme des Jochs des Königtums des Himmels, „wie ein Ochse das Joch und wie ein Esel die Last“. Deshalb wird der Glaube „Handwerk“ genannt.

Hierher gehört die Wahl aus dem Vers „Und wähle das Leben“. Dieses Handwerk muss der Vater seinen Sohn lehren; tut er es nicht, muss er es selbst erlernen. Aus welchem Grund? Es steht geschrieben: „Damit du lebst.“ Denn die Lebenskraft (Chajut) der Tora kann ohne Glauben nicht empfangen werden.

So lässt sich auch Rabbi Chiskijas Aussage erklären, die Pflicht, seinen Sohn zu lehren, folge aus dem Vers „Sieh das Leben mit einer Frau“. Ohne die Mizwa des Glaubens kann man des Lebens nicht würdig werden. Gerade durch den Glauben wird der Mensch würdig, am Leben der Leben anzuhaften, und durch die Anhaftung an das Leben besitzt er Leben. Denn Tora ohne Glauben heißt nicht „Leben“.

Deshalb sagte er: Wie der Vater verpflichtet ist, ihn Tora zu lehren, so ist er verpflichtet, ihn ein Handwerk zu lehren. Denn wenn die Tora auf dem Fundament des Glaubens steht, kann man das Leben in ihr empfinden und erkennen: „Denn sie ist dein Leben und die Länge deiner Tage.“

Nach dem Gesagten können wir die angeführten Worte der Tosefta erklären: „Wem gleicht jeder, der ein Handwerk beherrscht? Einem umzäunten Weinberg.“ Wir fragten, welche Verbindung zwischen einem Zaun und einem Handwerk besteht. Das Handwerk bezeichnet den Glauben. Wer Glauben besitzt, gleicht dem Besitzer eines umzäunten Weinbergs. Mit dem Weinberg ist der „Weinberg des Schöpfers der Heerscharen“ gemeint, also die Spiritualität im Menschen.

Wenn er Glauben besitzt, gleicht dieser einem Zaun, der ihn vor allem bewahrt, was ihm schaden kann. Was der Spiritualität des Menschen schadet, sind fremde Gedanken und böse Wünsche; dies heißt: „Vieh und wilde Tiere dringen in ihn ein.“

Der Glaube bewahrt ihn vor allen Einwänden und vor allen bösen Begierden. Diese werden „Vieh“ genannt, weil sie Handlungen eines Tieres sind. Ebenso können böse Tiere, die nicht zur Heiligkeit (Kedusha) gehören, nicht eindringen, wenn der Mensch das Joch des Glaubens auf sich genommen hat; „und keine Vorübergehenden treten hinein“.

Damit sind Menschen gemeint, die fortwährend die Mizwot übertreten und danach zur Umkehr (Teshuwa) zurückkehren. Sie können sich nicht an den Menschen anheften, der Glauben besitzt, denn sie sehen nicht, was sich in seinem Inneren befindet. Wer darauf achtet, dass seine Arbeit im Glauben geschieht, arbeitet in Bescheidenheit; deshalb kann man seine Absicht nicht erkennen.

Bei einem Menschen, der lo liShma (nicht um des Gebens willen) arbeitet, kann man seine Absicht erkennen, denn er will für seine Mühe eine Gegenleistung. Bei jemandem hingegen, dessen Arbeit auf dem Glauben beruht, ist der Gedanke verhüllt und niemandem offenbart. Daher können sich die Äußeren nicht an seiner Arbeit festhalten.

So lässt sich auch Rabbi Yehudas Aussage erklären: „Wer seinen Sohn kein Handwerk lehrt, lehrt ihn gleichsam Räuberei.“ Unsere Weisen sagten: „Wer diese Welt ohne Segensspruch genießt, ist, als beraube er den Schöpfer und die Versammlung Israels (Knesset Israel), wie geschrieben steht: ‚Wer seinen Vater und seine Mutter beraubt und sagt: Es ist kein Vergehen, der ist ein Gefährte des Verderbers.‘“

Rabbi Chanina, Sohn von Rabbi Pappa, sagte: „Er ist ein Gefährte Jerobeams, des Sohnes von Nebat, der die Welt gegenüber ihrem Vater im Himmel verdarb.“

Wir müssen verstehen, welche Verbindung zwischen einem Räuber und Jerobeam, dem Sohn von Nebat, besteht. Ebenso: Warum heißt jemand, der ohne Segensspruch genießt, ein Räuber, und welche Verbindung besteht zwischen Räuberei und einem Segensspruch?

Die Sache ist, wie oben gesagt, dass das Schöpfungsziel darin besteht, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Damit es kein Brot der Schande gibt, wurde ein Ort der Verhüllung geschaffen, sodass der Mensch den Genuss empfangen kann, um dem Schöpfer zu geben. Auf diese Weise haftet dem Geschenk des Schöpfers kein Makel an, wie unsere Weisen sagten: „Mehr als das Kalb saugen will, will die Kuh säugen.“

Solange der Mensch jedoch nicht zum Empfangen bereit ist, gelangt die höhere Fülle nicht zu den Unteren. Deshalb muss jemand, der diese Welt genießt, die Absicht haben, den Schöpfer zu segnen. Seine Absicht darf also nicht sein, selbst zu genießen, sondern allein, den Schöpfer zu segnen.

Dann gibt der Schöpfer die höhere Fülle an die Versammlung Israels, wie unsere Weisen sagten: „Wer eine Mizwa erfüllt – glücklich ist er, denn er hat sich selbst und die ganze Welt zur Seite des Verdienstes geneigt.“ Indem er die Mizwa ausführt, bewirkt er, dass der Schöpfer der Versammlung Israels gibt. Das bedeutet: „Er neigt die ganze Welt zur Seite des Verdienstes.“8

Wer diese Welt ohne Segensspruch genießt und nicht die Absicht hat, den Schöpfer zu segnen, bewirkt daher, dass der Schöpfer der Versammlung Israels nicht gibt, denn es fehlt die Absicht für den Schöpfer.

Dieser Mensch beraubt somit den Schöpfer und die Versammlung Israels, weil er keinen Segensspruch spricht und nur für sich selbst, nicht aber für den Schöpfer genießen will. Deshalb wird er zum „Gefährten des Verderbers“, Jerobeams, des Sohnes von Nebat, „der die Welt gegenüber ihrem Vater im Himmel verdarb“.

All dies geschieht, weil ihnen der Glaube an den Schöpfer fehlte. Deshalb sagte Rabbi Yehuda: „Wer seinen Sohn kein Handwerk lehrt, lehrt ihn gleichsam Räuberei.“ Das bedeutet, er lehrt ihn gleichsam, den Schöpfer und die Versammlung Israels zu berauben. Daher besteht eine große Verpflichtung, den Glauben zu studieren, denn nur durch ihn kann man zur ganzen Vollkommenheit gelangen.

Aus all dem können wir die Maßstäbe erklären, welche die Weisen für das Erlernen des Handwerks selbst festlegten. Bar Kappara sagt: „Ein Mensch soll seinen Sohn immer ein sauberes und leichtes Handwerk lehren.“ Rav Yehuda erklärt, es handle sich um „die Furchennadel“. Rashi erläutert: „Eine Nadel, deren Nähte Reihe um Reihe wie die Furchen eines Pfluges verlaufen.“

Wir sehen, dass Nähen zwei getrennte Dinge miteinander verbindet, sodass sie eins werden. Dies bedeutet, wie oben gesagt, dass der Mensch zur Gleichheit mit dem Schöpfer gelangen muss, also zur Anhaftung, wie geschrieben steht: „Ihm anzuhaften.“ Die Furchen des Pfluges bedeuten, den Boden umzuwenden, sodass das, was unten war, nach oben kommt und das, was oben war, nach unten gelangt.

Ebenso gibt es im Menschen zwei Wünsche:

1) einen guten Wunsch, also zu geben und zu glauben,

2) einen bösen Wunsch, der nur zum eigenen Genuss empfangen und nicht an den Schöpfer glauben will.

Wenn der Mensch geboren wird, steht der gute Wunsch bei ihm von Natur aus unten in der Rangordnung seiner Wichtigkeit. Er will ihn nicht benutzen, denn der Gebrauch eines solchen Wunsches ist ihm zuwider.

Der böse Wunsch dagegen steht bei ihm ganz oben in der Rangordnung. Wann immer er Gelegenheit hat, ihn zu benutzen, befindet er sich auf dem Gipfel seines Aufstiegs. Wenn er seinen bösen Wunsch erfüllen kann, gibt es für ihn keinen höheren Zustand, denn seine ganze Sehnsucht gilt der Füllung des Bösen in ihm.

Wer seinem Schöpfer anhaften will, muss deshalb zur Gleichheit der Eigenschaften gelangen, wie unsere Weisen sagten: „Hafte an Seinen Eigenschaften: Wie Er barmherzig ist, so sei auch du barmherzig.“ Wie der Schöpfer nur den Unteren geben will, so muss auch der Mensch darauf achten, dass sein Wunsch allein darin besteht, dem Schöpfer zu geben, und dass er nicht zum eigenen Genuss empfangen will. Darin liegt das ganze Ziel der Arbeit des Menschen an der Gleichheit der Eigenschaften.

Daher muss der Mensch seine Eigenschaften umkehren, ähnlich wie ein Pflug: Was zuvor oben stand, nämlich der böse Wunsch, soll nun unten stehen. Wann immer er im Begriff ist, den bösen Wunsch in sich zu benutzen, soll ihm dies als etwas Widerwärtiges und Niedriges gelten.

Der gute Wunsch, der zuvor unten in der Rangordnung stand, soll jetzt oben stehen. Wann immer der Mensch etwas für den Schöpfer tun kann, soll er diesen Zustand als Aufstieg empfinden, denn dadurch gelangt er zur Anhaftung an Ihn.

Dies geschieht nur durch den Glauben. Deshalb heißt der Glaube ein „sauberes und leichtes Handwerk“. „Sauber“ bedeutet, dass ihm keinerlei Beimischung des eigenen Genusses anhaften darf, sondern alles nur für den Schöpfer geschieht. Denn wenn der Mensch an die Größe des Schöpfers glaubt, hat er keinen anderen Wunsch und keine andere Sehnsucht, als Ihm den ganzen Tag und die ganze Nacht anzuhaften. Deshalb heißt es „sauber“, also nur für den Schöpfer.

Bevor der Mensch jedoch würdig wird, dass sein Körper der Arbeit im Glauben zustimmt, gilt diese Arbeit als Niedrigkeit. Denn er sieht nicht, dass ihn jemand achtet, wenn er nur für den Schöpfer arbeitet.

Dann muss er gewiss darauf achten, dass seine Arbeit in Bescheidenheit geschieht; sonst kann sie nicht sauber sein. Wenn er bei seiner Arbeit begeistert ist, werden seine Handlungen gewiss gelobt, und dadurch muss sich der Wunsch nach Ehre beimischen, weil andere ihn dafür achten.

Wenn er daher keinerlei Beimischung will, muss er in Bescheidenheit arbeiten. Dann erhält er dafür keine Ehre, weshalb die saubere Arbeit in seinen Augen verachtet ist. Auch das Wort „leicht“ ist mit „geringgeachtet“ verwandt und bezeichnet Verachtung.

Die saubere Arbeit wird auch deshalb verachtet, weil der Mensch den Glauben über dem Verstand nicht erträgt. Von Natur aus schätzt er, was sein Intellekt erfasst und wozu ihn der Verstand verpflichtet.

Gegen den Intellekt zu gehen, wird dagegen verachtet, denn ein solcher Mensch heißt „einfältig“, wie unsere Weisen über den Vers „Wer einfältig ist, kehre hier ein“ sagten: Damit ist Moses gemeint, und die Absicht bezieht sich auf den Glauben. Moses, unser Lehrer, heißt „der treue Hirte“, weil er den Glauben besaß und ihn in die Gesamtheit Israels einpflanzte.

So lassen sich Rabbis Worte erklären: „Kein Handwerk verschwindet aus der Welt“, wie Rashi erklärt: ob es widerwärtig oder sauber ist. Rabbi meint, dass nicht die ganze Welt zu sauberer Arbeit fähig ist. Gerade ein Mensch, der zur Arbeit der Wahrheit neigt, kann sauber arbeiten, ohne dass sich lo liShma beimischt.

Die Gedanken der Mehrheit der Welt beruhen dagegen auf der Meinung der Allgemeinheit. Diese Menschen besitzen keinen festen Verstand und keinen starken Wunsch, durch die sie Kraft und Energie einsetzen könnten, um das zu erlangen, was sie wollen. Vielmehr arbeiten sie für die Allgemeinheit: Sie tun, wozu die Gesellschaft sie verpflichtet. Sie haben keine Freiheit, in der Welt nach ihrem eigenen Verständnis und Wunsch zu handeln, sondern hängen von der öffentlichen Meinung ab.

Wenn man daher der Allgemeinheit eine Mizwa gibt, muss man darauf achten, dass sie sie erfüllen kann.

Deshalb sagt Rabbi: „Kein Handwerk verschwindet aus der Welt.“ Die Hauptsache ist, dass der Mensch das Joch des Königtums des Himmels auf sich nimmt, sei es sauber – also ganz für den Schöpfer – oder widerwärtig, also mit Beimischungen von lo liShma. Denn jedes Handwerk wird gebraucht, da man von lo liShma zu liShma gelangt.

Unsere Weisen sagten: „Tausend Menschen treten zum Schriftstudium ein … und einer gelangt zur Unterweisung.“9 Dass tausend eintreten, schafft die Möglichkeit, dass einer zur Unterweisung gelangt. Deshalb sagte Rabbi: „Kein Handwerk verschwindet aus der Welt.“

„Glücklich ist jedoch, wer seine Eltern bei einem hervorragenden Handwerk sieht.“ „Seine Eltern“ bezeichnet den Gedanken, denn jeder Handlung müssen ein Gedanke und ein Beweggrund vorausgehen, die den Menschen zu dieser Handlung veranlassen. „Seine Eltern“ sind also der Gedanke, der ihn dazu bringt, Tora und Mizwot zu erfüllen.

Ein „hervorragendes Handwerk“ bringt den Menschen zu dem Ziel, für das er erschaffen wurde: Er beschäftigt sich für den Schöpfer mit Tora und Mizwot und wird dadurch des Guten und des Genusses würdig, die der Schöpfer ihm zu geben beabsichtigte.

Dann empfindet er aufgrund all dessen, was er durch seine Mühe in Tora und Mizwot erworben hat, Glück. Ist sein Gedanke dagegen nicht auf den Schöpfer ausgerichtet, kann er das Ziel nicht erreichen, und sein Glaube ist mangelhaft.

Deshalb sagte Rabbi: „Wehe dem, der seine Eltern bei einem mangelhaften Handwerk sieht.“ Weil sein Glaube mit lo liShma vermischt ist, ist er, wie oben gesagt, mangelhaft. Daher muss der Mensch danach streben, dass „seine Eltern“, also der Beweggrund, für den Schöpfer sind.

Damit werden die Worte unserer Weisen verständlich: „Glücklich ist, wer seine Eltern bei einem hervorragenden Handwerk sieht.“ Wir fragten: Das kann er doch nicht korrigieren; wenn er von solchen Eltern geboren wurde, was kann er tun? Nach dem Gesagten ist es verständlich: Gemeint ist er selbst. Er muss danach streben, dass der Gedanke und der Beweggrund für Tora und Mizwot auf den Schöpfer ausgerichtet sind.

So steht im Sohar, Shemot: „Die Welt besteht allein durch den Duft.“ Auf diese Weise lassen sich auch die Worte erklären: „Die Welt kann weder ohne einen Parfümeur noch ohne einen Gerber bestehen.“

„Parfümeur“ verweist auf Düfte, deren Genuss in ihrem von unten nach oben aufsteigenden Geruch liegt. Dies deutet darauf hin, dass sein Handwerk mit der Absicht ausgeübt wird, oben Wohlgefallen zu bereiten. Der Mensch gilt als unten und der Schöpfer als oben. Somit sendet der Mensch alle seine Genüsse zum Schöpfer, der oben ist.

„Gerber“ bezeichnet die Bearbeitung von Häuten, bei der großer Gestank aufsteigt. Wenn der Mensch sieht, dass aus seiner Arbeit kein lo liShma hervorgehen wird, sondern er sich nur für den Schöpfer mit der Arbeit befassen muss, wird ihm die Arbeit widerwärtig und steigt in seinen Augen wie Gestank auf.

Wo Genuss sein sollte, weil er sieht, dass er nun die Gelegenheit hat, für den Schöpfer zu arbeiten, ist er dazu nicht fähig. Wenn er daher keine Gegenleistung für seine Arbeit sieht, empfindet er Schwere, Trägheit und Niedrigkeit sowie ein aufgewühltes Herz und seelischen Schmerz.

Obwohl seine Arbeit also nicht mit der Absicht geschieht, lo liShma zu arbeiten, fehlen ihm dennoch die Freude und der Frohsinn darüber, dass er dem Schöpfer jetzt Wohlgefallen bereitet.

Obwohl es „ohne einen Gerber nicht geht“, der Mensch also einen solchen Zustand durchlaufen muss, weil dieser Ort der Übergang zwischen lo liShma und liShma ist, gilt: Wehe dem, der an diesem Ort, einer Zwischenstation, bleibt und nicht weiter zum Ziel geht – zum Wunsch, sich am Schöpfer zu erfreuen.

Er erklärt weiter: „Die Welt kann weder ohne Männer noch ohne Frauen bestehen. Glücklich ist, wessen Kinder männlich sind; wehe dem, wessen Kinder weiblich sind.“ Die bekannte Frage lautet: Was bedeutet „weibliche Kinder“?

Aus den Büchern der Gottesfürchtigen ist bekannt, dass der Gebende „männlich“ und der Empfangende, dem etwas fehlt, „weiblich“ genannt wird. Daher sagt er, die Welt könne weder ohne Männer noch ohne Frauen bestehen. In der Welt muss es also den Zustand lo liShma geben, der als Empfangen zum eigenen Genuss gilt; sonst kann man nicht beginnen, sich mit Tora und Mizwot zu beschäftigen.

Manchmal war lo liShma der Beweggrund, doch während der Handlung gelangt der Mensch zu Gedanken der Umkehr und erfüllt die Mizwa mit der Absicht für den Schöpfer, also um seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten. Dies gilt als „seine Kinder sind männlich“. Deshalb sagt er: „Wehe dem, wessen Kinder weiblich sind“ – seine Handlungen werden ebenfalls mit der Absicht ausgeführt, Lohn zu empfangen; dies gilt als „seine Kinder sind weiblich“.

Rabbi Nehorai sagt: „Ich lasse jedes Handwerk der Welt beiseite und lehre meinen Sohn nur Tora.“ Er spricht nicht darüber, wie die Allgemeinheit sich verhalten soll, sondern von seiner eigenen Stufe, denn er wurde einer beständigen Ehrfurcht vor dem Himmel würdig.

Deshalb sagt er, er lasse jedes Handwerk beiseite. Er lässt nun sowohl den mangelhaften als auch den hervorragenden Glauben zurück, denn er hat beide Arten des Glaubens bereits durchlaufen. Jetzt lehrt er seinen „Sohn“, also seine Handlung, die „Sohn“ heißt, nur Tora.

Er erklärt den Grund: „Jedes Handwerk der Welt trägt ihn nur in seiner Jugend.“ Rashi erläutert: „Kein Handwerk bringt erst später Lohn; sein Lohn findet sich nur zu seiner jeweiligen Zeit.“

Der Glaube heißt Mizwa, denn die Annahme des Jochs des Königtums des Himmels ist eine Mizwa. Unsere Weisen sagten: „Eine Mizwa schützt und rettet zu der Zeit, in der man sich mit ihr beschäftigt. Die Tora schützt und rettet sowohl während der Beschäftigung mit ihr als auch dann, wenn man sich nicht mit ihr beschäftigt.“

Der Unterschied zwischen Tora und Mizwa besteht darin, dass der Mensch sich an das erinnern kann, was er gestern oder schon früher in der Tora gelernt hat. Er kann es anwenden oder die erlernten Gesetze wiederholen und dadurch wissen, wie er sich nach dem vor langer Zeit Gelernten verhalten soll. Deshalb schützt und rettet die Tora auch dann, wenn er sich nicht mit ihr beschäftigt, denn er kann sich an das früher Gelernte erinnern.

Anders ist es beim Glauben, der eine Mizwa ist: Er gilt nur zu der Zeit, in der man sich mit ihm beschäftigt. Jedes Mal, wenn der Mensch das Joch des Königtums des Himmels auf sich nimmt, ist dies eine Mizwa, und eine Mizwa ist eine Handlung. Hier gibt es kein Erinnern wie bei der Tora; vielmehr ist jede Handlung eine Sache für sich.

Deshalb schützt und rettet sie während der Handlung. Man kann nicht sagen, der Mensch erinnere sich daran, dass er vor einiger Zeit das Joch des Königtums des Himmels auf sich genommen hat, denn das hilft ihm nicht. In jedem Augenblick braucht er Glauben; man kann nicht sagen, dass er das Joch des Glaubens jetzt nicht benötigt.

Aus diesem Grund ist jede Annahme eine neue Mizwa. Daher wird der Glaube als Jugend und Kindheit bezeichnet. Von Alter kann man bei etwas sprechen, das vor einiger Zeit geschah. Da das Joch des Glaubens jedoch immer erneuert werden muss, gibt es darin kein Alter; es heißt immer „Jugend“.

Darauf beziehen sich seine Worte „Ich lasse …“, denn das Handwerk trägt ihn nur in seiner Jugend: Der Glaube schützt und rettet nur zu der Zeit, in der man sich mit ihm beschäftigt. Rashi erklärt: „Kein Handwerk bringt erst später Lohn; sein Lohn findet sich nur zu seiner jeweiligen Zeit.“ Gemeint ist, dass es nur während der Beschäftigung damit schützt und rettet.

„Mit der Tora ist es anders: Sie trägt den Menschen in seiner Jugend und gibt ihm Zukunft und Hoffnung im Alter.“ Rashi erklärt: „Der Lohn der Tora kommt mit der Zeit von selbst; selbst ein Kranker oder alter Mensch, der sich jetzt nicht mit ihr beschäftigen kann, ernährt sich von dem, was er früher erworben hat.“

Wie oben gesagt, schützt und rettet die Tora auch dann, wenn man sich nicht mit ihr beschäftigt. Deshalb erklärt er: Sie trägt ihn in seiner Jugend – also während er sich mit ihr beschäftigt – und gibt ihm Zukunft und Hoffnung im Alter, also auch dann, wenn er sich nicht mit ihr beschäftigt.

„Selbst ein Kranker oder alter Mensch, der sich jetzt nicht mit ihr beschäftigen kann, ernährt sich von dem, was er früher erworben hat.“ Das bedeutet, sie schützt auch dann, wenn er sich nicht mit ihr beschäftigt. Deshalb sagt Rabbi Nehorai, dass er selbst so handelt, weil er den Glauben bereits beständig auf sich genommen hat.

Deshalb sagt er: „Ich lasse jedes Handwerk beiseite“, denn er wurde dieser Stufe bereits in Beständigkeit würdig, anders als die übrigen Menschen.

⁂

„Rabbi Elasar sagte: In Zukunft werden alle Handwerker auf dem Boden stehen, wie geschrieben steht: ‚Von ihren Schiffen werden alle Ruderer herabsteigen; die Seeleute und alle Steuermänner des Meeres werden auf dem Land stehen.‘ Und Rabbi Elasar sagte: Es gibt kein niedrigeres Handwerk als die Arbeit am Boden, wie geschrieben steht: ‚Sie werden herabsteigen10‘.“

Man muss fragen: Wenn die Arbeit am Boden ein niedriges Handwerk ist, warum sagte Rabbi Elasar „in Zukunft“? Das bedeutet doch, dass sie am Ende ein gutes Handwerk haben werden, während er folgert, es werde ein niedriges Handwerk sein.

Wie oben gesagt, ist damit der Glaube gemeint, der „leicht“, also geringgeachtet heißt. Für den Menschen ist die Arbeit im Glauben über dem Verstand nicht wichtig, weshalb sie schwer auszuüben ist. In Zukunft jedoch werden sie eines solchen sauberen Glaubens würdig.

Die Weisen lehrten: „In den Tagen des Messias nimmt man keine Übergetretenen an; ebenso nahm man weder in den Tagen Davids noch in den Tagen Salomos Übergetretene an.“ Rabbi Elieser sagte: „Welcher Vers lehrt dies? ‚Wer sich anschließt, während er nicht bei Mir ist‘ – wer kommt, um überzutreten, solange wir noch nicht bei euch sind, also in dieser Welt – ‚wer bei dir als Fremder lebt, wird zu dir übergehen‘ – wer in deiner Armut bei dir lebt, wird in der Kommenden Welt zu dir übergehen; ein anderer aber nicht.“

Die Tosafot fragen: „Nahm man in den Tagen Davids keine Übergetretenen an? Was ist dann mit Ittai aus Gat und der Tochter des Pharaos? Bei den Tagen Salomos stellt sich die Frage nicht, denn der einzige Grund war der Tisch der Könige, und diese brauchten ihn nicht.“

Die Gibeoniter traten von selbst über, wie in den Tagen Esters: „Viele von den Völkern des Landes wurden Juden.“ Auch bei demjenigen, der zu Hillel kam, war Hillel überzeugt, dass es schließlich für den Schöpfer sein würde. Ebenso geschah es bei der Frau, die kam und bat: „Lass mich übertreten, damit ich jenen Schüler heiraten kann“ – auch dies war für den Schöpfer.

Aus all dem folgt: Wer übertreten will, um den guten Lohn zu empfangen, den das Volk Israel besitzt, wird nicht angenommen. Das bedeutet: „In den Tagen des Messias nimmt man keine Übergetretenen an.“ Vielmehr darf man nur für den Schöpfer und nicht um des Lohnes willen übertreten.

Wer es also auf sich nehmen will, Jude zu sein und den Nichtjuden im Inneren des Menschen übertreten zu lassen, kann nur dann Jude sein und dem Volk Israel anhaften, wenn seine Absicht nicht auf den guten Lohn gerichtet ist, der „Tage des Messias“ heißt. Vielmehr gilt der Vers: „Wer in deiner Armut bei dir lebt.“ Unsere Weisen sagten: „Rabbi Jonathan sagt: Wer die Tora in Armut erfüllt, wird sie am Ende in Reichtum erfüllen.“

Das heißt: Wer arm an Verstand ist und dennoch die Tora erfüllt, wird sie schließlich in Reichtum erfüllen, und wird so des Verstehens würdig. „Wer die Tora im Reichtum annulliert, wird sie schließlich in Armut annullieren“ – der Verstand der Tora wird von ihm weichen.

„Rabbi Elasar sagte: Jeder Mensch, der keinen Boden besitzt, ist kein Mensch, wie geschrieben steht: ‚Die Himmel sind die Himmel des Schöpfers, doch die Erde gab Er den Menschenkindern.‘“11 Man muss fragen: Müsste demnach nicht jeder Mensch danach streben, Boden zu besitzen?

Noch schwieriger ist: Es wurde gelehrt, dass Rabbi Shimon bar Jochai sagte: „Die Gräber der Götzendiener verunreinigen nicht unter einem Zelt, wie geschrieben steht: ‚Ihr aber, Meine Herde, die Herde Meiner Weide, seid Menschen.‘ Ihr werdet ‚Menschen‘ genannt, die Götzendiener aber werden nicht ‚Menschen‘ genannt.“12 Daraus folgt, dass gerade ein Mensch aus Israel „Mensch“ heißt. Wie kann man dann sagen, jemand ohne Boden falle nicht unter „Ihr werdet Menschen genannt“?

Man kann erklären, dass „Boden“ die Erde bezeichnet, wie der Vers beweist: „Die Himmel sind die Himmel des Schöpfers, doch die Erde gab Er den Menschenkindern.“

Die Tora wird „Himmel“ genannt, denn sie wurde Moses, unserem Lehrer, vom Himmel gegeben: „Moses empfing die Tora vom Sinai.“ Die Erde heißt Malchut, Glaube und Ehrfurcht vor dem Himmel, wie unsere Weisen sagten: „Alles liegt in den Händen des Himmels außer der Ehrfurcht vor dem Himmel.“13

Das bedeutet: Wer keinen Glauben besitzt – die Ehrfurcht vor dem Himmel, die „Erde“ heißt –, fällt nicht unter „Ihr werdet Menschen genannt“.

„Rabbi Elasar sagte: Es gibt kein niedrigeres Handwerk als die Arbeit am Boden, wie geschrieben steht: ‚Sie werden herabsteigen.‘“ Rabbi Ami sagte: „Regen fällt nur um der Glaubenstreuen willen, wie geschrieben steht: ‚Wahrheit wird aus der Erde sprießen, und Gerechtigkeit wird vom Himmel herabschauen.‘“ Rashi erklärt: Wenn Wahrheit aus der Erde sprießt, also Treu und Glauben im Geschäftsverkehr herrschen, dann schaut Gerechtigkeit vom Himmel herab – damit ist der Regen gemeint, der Zedaka ist.14

Wir müssen verstehen, warum gerade dann, wenn der Geschäftsverkehr nicht in Treu und Glauben erfolgt, vom Himmel keine Zedaka gegeben wird. Die Sache des Glaubens ist folgende: Die Erde bezeichnet den Wunsch, also das Herz, in dem man sich mit dem Glauben beschäftigt. Dieser wird Zedaka genannt, wie geschrieben steht: „Und er glaubte an den Schöpfer, und Er rechnete es ihm als Gerechtigkeit an.“

Daher bewirkt man nach dem Grundsatz „Maß für Maß“, dass auch vom Himmel Zedaka kommt, also Glaube. Das ist die Bedeutung des Gebets um Regen: den Glauben zu erwecken.

„Und er wird Wohlgeruch haben an der Gottesfurcht; nicht nach dem Anblick seiner Augen wird er richten und nicht nach dem Hören seiner Ohren entscheiden.“15 Der König Messias – also wer auf dem Weg gehen will, der zum endgültigen Ziel führt, das „Messias“ heißt – richtet nichts nach dem, was seine Augen sehen oder seine Ohren hören, sondern nach dem Duft der Ehrfurcht vor dem Himmel, also nach dem Glauben. Nach dieser Linie muss er alle seine Wege bestimmen.

Danach steht geschrieben: „Gerechtigkeit wird der Gürtel seiner Hüften sein und der Glaube der Gürtel seiner Lenden.“ Sein Glaube muss also Gerechtigkeit sein, die als Zedaka gilt, ohne die Absicht, Lohn zu empfangen. Dies wird ihm eine Stütze sein, damit er in der Arbeit für den Schöpfer gehen kann. Denn der Gürtel stärkt seine Hüften, sodass er gehen kann und auf seinem Weg nicht stolpert, das heißt, dass ihn das Gehen nicht ermüdet.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026


  1. Jerusalemer Talmud, Kiddushin 1:7; der angeführte Vers steht in 5. Mose 30:19–20. ↩

  2. Talmud, Kiddushin 30b; das Schriftzitat steht in Kohelet 9:9. ↩

  3. Talmud, Kiddushin 29a. ↩

  4. Talmud, Kiddushin 82a. ↩

  5. Mishna, Sprüche der Väter 4:5: Die Tora darf nicht als Werkzeug zum eigenen Nutzen gebraucht werden. ↩

  6. Midrash BeReshit Rabba 8. ↩

  7. Mishna, Sprüche der Väter 6:1. ↩

  8. Talmud, Kiddushin 40b. ↩

  9. Midrash WaJikra Rabba 2:1. ↩

  10. Talmud, Yewamot 63a; das Schriftzitat steht in Ezechiel 27:29. ↩

  11. Talmud, Yewamot 63a; das Schriftzitat steht in Psalm 115:16. ↩

  12. Talmud, Yewamot 61a; ausgelegt wird Ezechiel 34:31. ↩

  13. Talmud, Brachot 33b. ↩

  14. Talmud, Yewamot 63a; das Schriftzitat steht in Psalm 85:12. ↩

  15. Jesaja 11:3. ↩