158. Dem Leid entsprechend ist der Lohn
Durch die Tora und die Mizwot, die der Mensch erfüllt, kommen ihm Gedanken und ein Verlangen, sich zu reinigen. Das heißt: Er ist „gekommen, um sich zu reinigen“. Nun setzt er seine Kräfte ein, um sich von der Eigenliebe zu reinigen.
Dann empfindet er Leid und Schmerz darüber, dass er keine Reinheit erlangen kann – im Gegenteil. Denn jedes Mal erkennt er die Wahrheit deutlicher: wie tief er in der Eigenliebe versunken ist. Und er sieht am Horizont keine Möglichkeit, die ihn daraus befreien könnte.
Wenn er darüber leidet, entsteht in ihm das Bedürfnis nach der Hilfe des Schöpfers, damit Er ihm hilft. Dann kommt die Hilfe von oben, wie unsere Weisen sagten: „Wer kommt, um sich zu reinigen, dem wird geholfen.“ Dies gilt als ganz und gar Licht.
Dann sagt man: „Dem Leid entsprechend ist der Lohn.“ Das bedeutet: Gerade das, worunter er leidet, weil es ihm fehlt, kann er aufgrund seines Leids erlangen. Ein Mensch leidet zum Beispiel darunter, dass ihm keine Ehre zuteilwird. Sein Leid bringt ihn dazu, so zu handeln, dass man ihn doch ehrt, und Ähnliches.
Wenn der Mensch also darunter leidet, dass er sich nicht von den Gefäßen des Empfangens reinigen kann, worin besteht dann sein Lohn? Darin, dass er die Kraft erhält, sich von den Gefäßen des Empfangens zu reinigen. Daraus folgt: „Dem Leid entsprechend ist der Lohn.“ Das heißt: Für genau den Gegenstand, dessentwegen er leidet, erhält er Füllung.
Aus allem Gesagten folgt: Die Frage lautete, wie es erlaubt sein kann, Lohn zu empfangen.1 Die Antwort: Das gesamte Verbot, Lohn zu empfangen, gilt dann, wenn der Mensch dadurch zum Empfänger wird. Hier jedoch ist es umgekehrt: Er will den Lohn, damit er geben kann, und das ist gewiss erlaubt. Es gibt also kein Licht ohne ein Kli (Gefäß); ohne Leid ist es daher unmöglich, Barmherzigkeit herabzuziehen.
„Dem Leid entsprechend ist der Lohn.“ Das heißt: Er erhält Lohn für genau das, worunter er leidet. Es ist nicht so, dass er unter Geldmangel leidet und man ihm Ehre gibt. Ein Lohn, der ihm die Fähigkeit zu geben verleiht, ist erlaubt, denn dies ist das Ziel der Arbeit.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026
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Die Frage, auf die hier zurückverwiesen wird, ist in der Vorlage nicht gestellt. ↩