1991/26 Was bedeutet „Enthüllung eines Teils und Verhüllung zweier Teile“ in der Arbeit?
Diese Angelegenheit der „Enthüllung eines Teils“ gilt es zu verstehen. Vorher war hier nämlich ein Teil verhüllt. Dann kam jemand und enthüllte einen Teil, verhüllte aber zwei Teile. Wenn dem so ist, ist jetzt mehr verhüllt als vor der Enthüllung. Das bedeutet, er kam und schuf eine größere Verhüllung als zuvor. Wäre es nicht besser gewesen, wenn er den Teil nicht enthüllt hätte?
Doch man muss es so deuten: Wer kommt und sagt „Ich habe einen Teil enthüllt und zwei Teile verhüllt“, der teilt uns mit, dass es hier einen Raum zum Nachdenken gibt. Das heißt, man soll betrachten, was er enthüllt hat. Denn die Sache muss nicht allen offenbart werden, sondern nur denen, die es wissen müssen. Deshalb musste er zwei Teile verhüllen. Das geschieht, damit jene Menschen, die keinen Bedarf haben, sich nicht anstrengen, um die Dinge zu verstehen. Jene Menschen hingegen, die spüren, dass ihnen dieses Wissen zu ihrer Vervollständigung fehlt, werden sich anstrengen, um die Sache zu enthüllen, die er verhüllt hat.
Damit lässt sich auch im Bereich der Arbeit deuten, die das Befassen des Menschen mit Tora und Mizwot ist, um zu der Vollkommenheit zu gelangen, um derentwillen der Mensch erschaffen wurde. Und man muss zwei Arten unterscheiden:
1) Das Schöpfungsziel. Das Schöpfungsziel ist, dass die Geschöpfe zu einem Zustand gelangen müssen, in dem sie Gutes und Genuss vom Schöpfer empfangen.
2) Die Korrektur der Schöpfung. Die Korrektur der Schöpfung ist, dass sie zur Anhaftung (Dwekut) gelangen, die „Angleichung der Form“ heißt. Das heißt, dass all ihr Handeln nur darauf gerichtet ist, dem Schöpfer Wohlgefallen (Nachat Ruach) zu geben. Wenn es daher eine Enthüllung gibt und der Mensch nicht bereit ist, sie um des Gebens willen zu empfangen, dann beschädigt der Mensch die Sache. Deshalb muss alles verborgen bleiben, bis der Mensch fähig ist, sie um des Gebens willen zu empfangen.
Wenn also jemand sagt „Ich habe einen Teil enthüllt und zwei Teile verhüllt“, dann ist gemeint: Wer keinen Bedarf an der Sache hat, der wird sich nicht anstrengen, um zu arbeiten und zu enthüllen. Jene Menschen hingegen, die einen Bedarf haben – wenn man ihnen sagt „Ich habe einen Teil enthüllt und zwei Teile verhüllt“, sind sie schon bereit zu arbeiten, bis sie den Teil erlangen, den er enthüllt hat. Denn der Schöpfer steht ihnen bei. Wenn der Mensch die Erweckung von unten gibt, empfängt er Hilfe von oben.
Es zeigt sich also: Er hat die Sache denen enthüllt, die ihrer würdig sind. Und wer ist dessen würdig? Jene, die sich anstrengen. Ihnen offenbart sich der Teil, den sie enthüllt haben. Das heißt: Wer nicht den Aspekt der Korrektur der Schöpfung besitzt, der kann nichts vom Schöpfungsziel empfangen, das darin besteht, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun.
Doch diese Angelegenheit der Enthüllung eines Teils und Verhüllung zweier Teile gilt auch in der Zeit der Vorbereitung auf die Arbeit. Das heißt, sogar am Anfang, wenn der Mensch in die Arbeit eintreten will, gilt diese Angelegenheit. Denn jenen Menschen, die ein Verdienst vom Himmel haben, enthüllt man von oben ein wenig Leuchten, das ihnen leuchtet. Und sie beginnen, mit großer Begeisterung und großer Kraft in die Arbeit einzutreten.
Und das kommt daher, dass sie eine Enthüllung von oben empfangen haben und sehen, dass das Wesentliche des Lebens in dieser Welt das Spirituelle ist und nicht das Materielle. Und sie spüren mit Zuversicht, dass sie bald würdig sein werden, in den Palast des Königs einzutreten, der Anhaftung an den Schöpfer würdig zu werden sowie der Geschmäcker und Geheimnisse der Tora. Und all dies spürt der Mensch durch die Kraft der Enthüllung des Teils, die ihm von oben enthüllt wurde.
Doch danach, wenn etwas Zeit vergangen ist – das heißt, wenn man von oben sieht, dass der Mensch schon mit der Arbeit des Gebens begonnen hat –, dann gelangt der Mensch danach in einen Zustand der „Verhüllung zweier Teile“. Das geschieht, damit der Mensch aus eigener Kraft der Annäherung an den Schöpfer würdig wird und ebenso jetzt spürt, was es bedeutet, sich von der Heiligkeit (Kedusha) zu entfernen. Und das geschieht, damit er zur Unterscheidung des „Vorzugs des Lichts aus der Finsternis“ gelangt.
Und der Mensch kann nicht verstehen, warum ihm am Anfang, als er noch nicht wusste, was die Arbeit des Gebens ist, das Spirituelle als Enthüllung leuchtete. Und gewiss versteht der Mensch nach dieser Enthüllung mit seinem Verstand, dass er vorankommen und vorwärtsgehen sollte. Doch am Ende sieht er, dass es ihm jetzt schlechter geht als vor dem Beginn der Arbeit des Gebens. Und der Mensch kann keine Antworten auf diese Zustände geben.
Und die Antwort ist wie oben: Damit er in die Arbeit eintreten konnte, musste man ihm von oben die Enthüllung geben, damit sie ihm die Kraft gibt, aus dem Zustand herauszukommen, in dem er sich vor dem Beginn der Arbeit befand. Und das heißt „Erweckung von oben“. Doch danach nahm man ihm diese Enthüllung, damit er jetzt einen Raum hat, um die Erweckung von unten zu geben.
Und das ist es, was der heilige ARI sagt: In der Pessach-Nacht, als der Schöpfer das Volk Israel aus Ägypten herausführen musste, enthüllte sich ihnen ein großes Licht als Erweckung von oben. Deshalb leuchtete damals Mochin de-Chaja. Und all das geschah durch die Kraft der Erweckung von oben. Doch danach fielen sie alle wieder auf ihren Platz zurück. Das heißt, danach musste das Volk Israel als Erweckung von unten arbeiten, um Gadlut des Mochin herabzuziehen.
Und auf diese Weise lässt es sich hier deuten: Wenn der Mensch in die Arbeit eintritt, enthüllt man ihm einen Teil. Das heißt, man zeigt ihm von oben ein Leuchten, und dieses Leuchten gibt ihm die Kraft, die Arbeit für den Schöpfer zu verrichten. Er beginnt zu spüren, dass dies das Ziel ist, um dessentwillen der Mensch in dieser Welt erschaffen wurde. Und dieses Gefühl kommt zu ihm durch die Kraft der Enthüllung von oben, um ihm Schwung für die heilige Arbeit zu geben.
Wenn der Mensch danach sieht, dass er nicht vorankommt, sondern rückwärtsgeht, und jetzt sogar von dem Zustand entfernt ist, in dem er war, bevor man ihm einen Teil der heiligen Arbeit enthüllte, dann denkt der Mensch, dass er aus der Arbeit hinausgeworfen wurde.
Deshalb muss der Mensch wissen, dass dies der Weg der Arbeit ist: Um den Menschen in die Arbeit einzuführen, gibt es eine solche Korrektur, die „Erweckung von oben“ heißt. Diese gibt man dem Menschen, der fähig ist, in die heilige Arbeit einzutreten. Das heißt, dass der Mensch danach fähig sein wird, als Erweckung von unten zu arbeiten. Denn wahre Kelim erlangt der Mensch gerade durch die Erweckung von unten. Deshalb geht ihm danach das Licht der Zuversicht verloren, das am Anfang seiner Arbeit war.
Und nach dem Gesagten lässt sich unterscheiden, was geschrieben steht: „Enthüllung eines Teils und Verhüllung zweier Teile“:
1) Der Anfang seiner Arbeit geschieht auf der Stufe des geistig Unbelebten (Domem deKedusha), das heißt nur auf der Ebene der Tat, und er dachte nicht an die Ebene der Absicht.
2) Man enthüllt ihm einen Teil von oben. Und dann beginnt er zu spüren, dass es eine neue Welt gibt. Das heißt, er spürt: Wenn er sich anstrengt, dann wird er würdig sein, in den Palast des Königs einzutreten, und wird der Erlangung der Göttlichkeit würdig. Und dann sieht er, wie stark seine Zuversicht ist, dass er jetzt zu wahrer Vollkommenheit gelangt.
Und wenn er auf die übrigen Menschen blickt, wie sie sich mit Tora und Mizwot auf der Stufe des Unbelebten befassen, sagt er über sie, dass sie auf der Ebene tierischen Handelns sind, die ohne Verstand handeln und kein Gefühl für das haben, was im Inneren von Tora und Mizwot liegt. Und all das ist bei ihm darauf gegründet, dass er der Enthüllung eines Teils würdig wurde.
3) Danach, das heißt nach der Arbeit, als er begann, auf der Ebene der Absicht zu gehen, durch die Kraft der Erweckung von oben wie oben, gelangt er danach in einen Zustand der Verhüllung zweier Teile. Das heißt, er gelangt zu einem Abstieg. Und das ist von vornherein beabsichtigt, damit er jetzt die Erweckung von unten gibt. Denn gerade aus dieser Arbeit empfängt er Kelim für das Licht.
Das heißt, es ist unmöglich, den Geschmack des Lichts zu unterscheiden, bevor man den Geschmack der Finsternis schmeckt, wie geschrieben steht: „wie der Vorzug des Lichts aus der Finsternis“. Das bedeutet: Obwohl jeder zwischen Licht und Finsternis unterscheiden kann, so ist es doch unmöglich, das Licht so zu genießen, wie man es eigentlich genießen könnte. Wie wir sehen, ist es so in der Körperlichkeit.
Und wir müssen glauben, dass all dies aus dem Spirituellen herabgezogen wird, als „Zweig und Wurzel“. Wie das Beispiel dessen, was wir an uns selbst sehen: Wir gehen auf unseren Beinen und betasten mit unseren Händen. Und obwohl wir zufrieden sind, dass wir gesund sind, können wir doch zugleich keine Freude darüber empfinden, dass wir gesund sind.
Doch wenn wir ein Krankenhaus betreten, in dem sich gelähmte Menschen befinden, der eine an den Beinen, der andere an den Händen – und wenn irgendjemand hineinginge und ihnen ein Heilmittel gäbe, sodass sie zu ihrer Gesundheit zurückkehren und ihre Hände und Beine gebrauchen könnten: Welche Freude hätten sie dann darüber, gesund zu sein!
Es zeigt sich also: Diese Finsternis, unter der sie leiden, weil sie ihre Hände und Beine nicht gebrauchen können, ist die Ursache ihrer Freude. Und das ist „wie der Vorzug des Lichts aus der Finsternis“. Und im Spirituellen ist es nicht so, dass das Licht ihnen nur Freude hinzufügt. Denn wir müssen wissen: Im Spirituellen dient die Freude nur der Erlangung des Lichts. Das heißt, die Freude ist ein Gewand für den Geist des Schöpfers.
Das heißt, die Erlangung der Göttlichkeit kleidet sich in viele Namen. Und im Allgemeinen wird dies Licht der Tora oder Chochma genannt. Das heißt, der spirituelle Genuss ist nicht bloß ein Vergnügen, sondern er ist die Enthüllung der Namen des Schöpfers. Und dessen wird man würdig durch den Mangel, der „Kelim und Bedarf“ heißt. Deshalb sind wir auf die Erweckung von unten angewiesen, denn gerade durch unsere Arbeit in Tora und Mizwot erlangen wir jene Kelim, die „Bedarf nach dem Licht der Tora“ heißen.
Deshalb muss der Mensch achtsam sein, dass er sich nicht davon beeindrucken lässt, dass er Abstiege empfängt. Denn daraus lernt der Mensch, wie er die Wichtigkeit der Annäherung an den Schöpfer einschätzen soll, wie oben als „Vorzug des Lichts aus der Finsternis“. Demnach ist also die Deutung von „Enthüllung eines Teils und Verhüllung zweier Teile“ in der Arbeit wie oben: dass man drei Arten in der Arbeit unterscheiden muss, bis man zur Anhaftung an den Schöpfer gelangt:
1) Wenn er auf der Stufe des geistig Unbelebten (Domem deKedusha) ist, das heißt, dass er nur auf der Ebene der Tat arbeitet, die ‚eine Linie‘ genannt wird.
2) Wenn man ihm einen Teil enthüllt, das heißt, wenn man ihm von oben als umgebendes Licht (Or Makif) zeigt, was es in der Sache der Göttlichkeit zu erlangen gibt. Und dadurch empfängt er Zuversicht, dass er große Erlangungen erreicht. Sodass er versteht, dass es sich lohnt, dafür zu leben, und dass sein Leben nicht wie das aller Menschen der Welt sein wird, die ohne Ziel leben.
3) Und danach gelangt er in den dritten Zustand, der ein Abstieg ist, wie oben. Man will von ihm, dass er die Erweckung von unten enthüllt. Und dieser Zustand heißt „Verhüllung zweier Teile“. Das heißt, es genügt nicht, dass der Zustand der Enthüllung vor ihm verhüllt wurde, sondern jetzt wurde vor ihm auch der Zustand der Stufe des Unbelebten verhüllt. Das heißt, es fällt ihm jetzt schwer, sich mit Tora und Mizwot zu befassen, sogar auf der Ebene der Tat ohne Absicht.
Es zeigt sich also, dass er jetzt zwei Verhüllungen hat:
1) die des Zustands der Enthüllung eines Teils,
2) und auch der Zustand der Stufe des Unbelebten, in dem er sich damals mit Begeisterung mit Tora und Mizwot befasste – auch dieser Zustand ist ihm entschwunden. Und wozu das alles? Das heißt, warum muss jetzt mehr verhüllt sein, sogar als der erste Zustand, der „geistig Unbelebtes (Domem deKedusha)“ heißt.
Die Antwort ist: damit er sich jetzt nicht mit Wenigem zufriedengibt und auf der Stufe des Unbelebten bleibt. Denn dann wäre die ganze Enthüllung eines Teils umsonst gewesen. Das heißt, er hätte keine Handlung getan, um sich dem Schöpfer zu nähern. Da er jetzt aber nichts tun kann, außer unter Zwang, muss er nachdenken und Wege finden, wie er wieder die heilige Arbeit verrichten kann. Deshalb muss jetzt eine Verhüllung zweier Teile sein.
Doch der Mensch muss achtsam sein, dass er die Arbeit unter Zwang nicht geringschätzt, auch wenn der Körper zur Zeit des Zwangs keinen Geschmack an dieser Arbeit findet. Und die Wichtigkeit dieser Arbeit kann man an der Sache des Zwangs lernen. Wie wir verstehen und sehen, wie sich die Welt in den materiellen Dingen verhält.
Nehmen wir als Beispiel das Essen, das sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern üblich ist. Und es gibt darin die Sache der Liebe und die Sache der Furcht, das heißt die Furcht vor Strafe. Wir sehen, dass es kleine Kinder gibt, die nicht essen wollen. Was tun die Eltern? Manchmal erzählen die Eltern den Kindern schöne Geschichten, damit die Kinder essen. Und weil die Kinder schöne Geschichten hören wollen, essen sie. Und manchmal, wenn die Eltern keine Geduld haben, schlagen die Eltern die Kinder, damit sie essen. Und manchmal hat der Mensch selbst keinen Appetit zu essen und zwingt sich zu essen, ebenfalls aus Furcht. Das heißt, der Mensch fürchtet, dass er, wenn er einige Tage nicht isst, danach keine Kraft mehr hat und schwach wird. Und wenn er es lange hinauszögert und nicht isst, kann er sterben.
Es zeigt sich also, dass er unter Zwang isst, das heißt aus Furcht. Und niemand wird sagen, dass er nicht gut handelt, indem er unter Zwang isst. Auch wenn es gewiss besser wäre, wenn er aus Liebe äße. Aber es ist gut, wenn er wenigstens unter Zwang essen kann. Doch ein gesunder Mensch, der manchmal aus irgendeinem Grund später essen muss, isst dann aus Liebe. So sehr, dass er manchmal bedauert, warum die Liebe von ihm weicht, wenn er zu essen beginnt. Das heißt, je mehr er isst, desto mehr schwindet mit jedem Bissen seine Liebe zum Essen, weil die Sättigung die Liebe zum Mahl vertreibt. Aber allen ist klar, dass der Mensch essen muss, sei es aus Liebe oder aus Furcht.
Dasselbe gilt in der Arbeit für den Schöpfer: Bei den Handlungen, die der Mensch tut, indem er Tora und Mizwot erfüllt, gilt auch hier die Sache der Liebe und Furcht. Das heißt, manchmal genießt der Mensch es, dass er sich mit Tora und Mizwot befasst. Und er hat davon eine gehobene Stimmung, und die Gründe sind nicht wichtig. Das heißt, der Mensch hat gute Stimmung davon, dass er Tora und Mizwot erfüllt, denn dadurch wird er danach Lohn empfangen, was lo liShma (Nicht-um-ihretwillen) heißt.
Oder ein anderer Grund. Das heißt, er freut sich darüber, dass er dem König dient. Man muss die Gründe von den Handlungen trennen. Das heißt, man richtet sich nach dem Gefühl des Menschen und nicht nach dem Grund, der ihm das Gefühl gebracht hat.
Das heißt, der Umstand, dass der Mensch in Freude ist, wird „aus Liebe arbeiten“ genannt. Das heißt, dass er danach Lohn empfängt – darüber freut er sich. Oder er freut sich darüber, dass er dem König dient – vor allem freut er sich. Und das wird „aus Liebe arbeiten“ genannt.
Und manchmal arbeitet der Mensch aus Angst vor Strafe. Das heißt, er fürchtet, dass er in dieser Welt Strafen empfängt oder dass er in der kommenden Welt Strafen empfängt. Dann freut sich der Mensch nicht darüber, denn er tut alles unter Zwang. „Zwang“ heißt, dass der Mensch zufriedener wäre, wenn es diese Sache nicht in der Welt gäbe und er folglich keine Strafe dafür empfinge.
Und nach dem Gesagten sehen wir, dass die Handlungen auf den Körper in der Körperlichkeit wirken, sogar wenn man sie aus Furcht tut, das heißt unter Zwang. Und daraus müssen wir lernen und glauben, dass es auch in der Arbeit so ist. Das heißt, sogar unter Zwang. Das heißt, sogar wenn der Mensch keinen Geschmack an Tora und Gebet findet, sollte er es unter Zwang tun, denn „die Handlung tut das Ihre“. Wie bei der materiellen Handlung, die unter Zwang vollzogen wird, wirkt die Sache, sei es zum Guten oder zum Schlechten, sogar wenn er sie unter Zwang tut. So ist es in der Arbeit: Sogar wenn er Tora und Mizwot unter Zwang erfüllt, wirkt sie im Menschen.
Doch gewiss gibt es einen Unterschied in der Arbeit, ob er sie aus Liebe tut oder ob er sie aus Furcht tut. Aber man muss wie oben wissen, dass auch auf der Ebene der Arbeit, die er aus Liebe tut, zu unterscheiden ist: ob er aus Liebe arbeitet und sagt „Weil der Schöpfer mich braucht, dass ich Tora und Mizwot erfülle, und ich keinen Mangel habe, von dem ich sagen würde, dass ich die Tora und die Mizwot zu meinem eigenen Bedarf erfülle“. Denn er sagt, dass er nicht sieht, zu welchem Bedarf er sie tun muss. Denn er sagt „Was bringt es mir, dass ich die Tora und die Mizwot erfülle?“
Doch der Mensch glaubt an den Lohn, den er dafür empfängt. Aus diesem Grund erfüllt er Tora und Mizwot. Und das ist nach dem Grundsatz, dass jemand, der etwas braucht, das man ihm für seinen Bedarf gibt, dafür bezahlen muss. Deshalb tut er es aus Liebe, denn der Schöpfer wird ihm gewiss seinen Lohn als Gegenleistung für seine Arbeit bezahlen.
Anders ist es, wenn der Mensch Tora und Mizwot aus dem Grund erfüllt, dass Tora und Mizwot den Menschen korrigieren. Das heißt, dass der Mensch spürt, dass er eine Korrektur braucht. Und das ist, wie die Weisen sagten: „Der Schöpfer sagte: Ich habe den bösen Trieb (Jezer haRa) erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“
Es zeigt sich also, dass der Mensch Tora und Mizwot um seiner selbst willen erfüllen muss. Gewiss ist es unmöglich, vom Schöpfer zu verlangen, dass Er ihm für das Erfüllen von Tora und Mizwot bezahlt, da er Tora und Mizwot nicht zum Nutzen des Schöpfers erfüllt. Denn der Schöpfer ist nicht darauf angewiesen, dass die Unteren Tora und Mizwot für den Schöpfer erfüllen, sondern dies ist zum Nutzen des Menschen. Es zeigt sich also, dass er aus Liebe arbeitet, weil der Mensch dadurch ein vollkommener Mensch wird, das heißt ein korrigierter Mensch. Dann ist es gewiss unangebracht zu sagen, dass der Schöpfer ihm Lohn als Gegenleistung für seine Arbeit im Erfüllen von Tora und Mizwot geben soll.
Es zeigt sich also: Dass er Tora und Mizwot aus Liebe erfüllt, ist nicht seine Liebe deshalb, weil er danach Lohn empfängt. Vielmehr dankt und preist er den Schöpfer dafür, dass Er ihm eine Heilung zur Korrektur des Körpers gegeben hat. Wie in der Körperlichkeit: Wer irgendjemandem eine Heilung gibt, dem gibt der Empfänger der Heilung Lohn, dem Arzt. Und nicht der Arzt bezahlt dem Kranken Lohn dafür, dass der Kranke die Heilung empfängt.
Doch man muss fragen: Welches Böse ist im Menschen, das man durch das Erfüllen von Tora und Mizwot korrigieren muss? Das heißt, dass er ohne Tora und Mizwot mit seinem Bösen zurückbleibt und es ihm schlecht ergeht. Was sonst kümmert es ihn, wenn er mit dem Bösen zurückbleibt, das in ihm ist? Das bedeutet, dass man das Böse, das im Menschen ist, herausbringen muss. Sonst leidet der Mensch unter dem Bösen und hat keine Möglichkeit, wie er in der Welt bestehen kann, und müsste sterben. Doch durch die Heilkraft von Tora und Mizwot wird das Böse von ihm weichen, und dann hat er ein gutes Leben und Hausfrieden.
Die Antwort ist: das Verlangen zu empfangen, mit dem der Mensch erschaffen wurde. Und dieses Verlangen sorgt für den eigenen Nutzen. Und für den Nutzen des anderen hat es kein Gefühl und keine Vorstellung davon. Und der Mensch kann nur dann verstehen, zum Nutzen des anderen zu arbeiten, wenn das Verlangen zu empfangen zum eigenen Nutzen dadurch einen Gewinn hat, was „der Gebende um zu empfangen“ genannt wird.
Deshalb gehen Menschen arbeiten, Juden bei Nichtjuden und Nichtjuden bei Juden. Und alles nach der Gegenleistung, die das Verlangen zu empfangen für sich selbst empfängt. Doch wahrhaft zum Nutzen des anderen – dafür hat der Mensch kein Gefühl, dass es so etwas in der Wirklichkeit geben kann. Und an diese Sache kann der Mensch nur glauben, dass es so etwas gibt wie „zum Wohl des anderen zu arbeiten“. Aber man muss fragen: Und warum eigentlich muss der Mensch zum Nutzen des anderen arbeiten?
Die Antwort darauf lautet, dass es hier die Sache des Schöpfungsziels und der Korrektur der Schöpfung gibt. Das Schöpfungsziel ist, dass Sein Verlangen darin besteht, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Das heißt, dass die Geschöpfe Gutes und Genuss empfangen. Deshalb ist der allgemeine Name des Schöpfers „der Gute, der Gutes tut“. Nur gab es eine Korrektur, damit keine Scham beim Empfangen des Guten entsteht. Deshalb muss der Mensch um des Gebens willen empfangen. Und weil der Mensch mit der Natur „zu empfangen“ erschaffen wurde und nicht mit dem Verlangen „zu geben“, muss der Mensch sich selbst korrigieren, sodass es in seiner Hand liegt, um des Gebens willen zu handeln.
Und bevor er dieses Verlangen hat, bleibt er nackt und an allem mangelnd, wegen des Unterschieds der Form zwischen dem Schöpfer und den Geschöpfen. Und das heißt „Böses“. Das heißt das Verlangen, für sich selbst zu empfangen. Das heißt, wenn er es nicht korrigiert, um des Gebens willen, bleibt er in der Finsternis. Deshalb muss der Mensch Tora und Mizwot erfüllen, um sein Böses zu korrigieren und eine zweite Natur zu empfangen, die um des Gebens willen ist. Es zeigt sich also, dass der Mensch Tora und Mizwot zu seinem eigenen Nutzen erfüllt. Das heißt, dass er durch das Erfüllen von Tora und Mizwot, die das Gewürz sind, zum Schöpfungsziel gelangt, das darin besteht, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun.
Und dadurch wird der Mensch des „Hausfriedens“ würdig. Denn „Haus“ wird das Herz des Menschen genannt, wie im Sohar geschrieben steht, der sagt: „Eine schöne Wohnung, das ist sein Herz.“ Und das Herz des Menschen ist nicht in Frieden mit dem Schöpfer, weil der Mensch Beschwerden gegen den Schöpfer hat, warum dieser ihm nicht alle seine Wünsche erfüllt. Und der Grund ist der Unterschied der Form. Wenn der Mensch sich daher selbst korrigiert, um des Gebens willen, dann empfängt er das Gute und den Genuss vom Schöpfer. Dann entsteht Frieden. Und das heißt „Hausfrieden“.
korrOp, EY, 26.07.2026, 22:58 Uhr, Ver3